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Zeitungsanzeige führt am Ende zum Glück

Jennifer Gudra (28) und Ronny Wannmacher (41) aus Neubrandenburg
Jennifer Gudra (28) und Ronny Wannmacher (41) aus Neubrandenburg
privat

Die tragischste Erfahrung, die ein Paar überhaupt machen kann, ließ diese beiden Neubrandenburger noch enger zusammenwachsen. Und ihre Liebe wurde danach mit zwei tollen Jungs belohnt.

Aus einer gescheiterten Beziehung im Jahre 2009 heraus, habe ich es damals nochmal gewagt und den Schritt nochmal gewagt, in der Zeitung auf eine Anzeige zu antworten. „Nach großer Enttäuschung sucht er (34 Jahre) sein neues Glück.” Irgendwie gefiel mir diese Anzeige am besten von allen, die ich so durchgelesen hatte.

Und ich hatte Glück. Er schrieb mich sofort an. Durch das Austauschen von SMS lernten wir uns kennen. Ganz besonders lustig waren die ersten Bilder, die er mir sandte. Beinahe wollte ich danach den Kontakt abbrechen. Das erste Bild war so scheußlich getroffen, dass ich ihn gebeten hatte, noch eines zu senden. Heute weiß ich, dass er einfach kein Typ für Selfies ist!

Und Gott sei Dank war dann das zweite Bild viel besser. Aus einem Alien-Bild wurde ein Bild zum sofort verlieben! Unter anderem stellte sich schnell heraus, dass wir in dieselbe Schule gegangen waren. Gut, unser Altersunterschied liegt genau bei zwölf Jahren. Aber uns haben viele Zufälle verbunden. Auch, dass er damals, als wir uns kennenlernten, nur drei Dörfer neben dem Wohnort meiner Eltern lebte, passte sofort. Na ja und ganz besonders dazu, dass er am selben Tag wie meine Mutter Geburtstag hat.

Bei unserem Date holte er mich von zuhause ab. Wir beide waren mega aufgeregt. Auch ein Blumenstrauß sollte nicht fehlen für mich. Die Fahrt war etwas still. Er hatte eine Kaffeekanne und Tassen eingepackt. Es sollte zu einem bekannten See gehen, den wir aus Kindertagen kennnen. Als er so still war, dachte ich nur eines: Er mag mich nicht.

Kaum stand er an einer Ampel, da musste ich es loswerden. Ich meinte freundlich, wenn er mich nicht mögen würde, er könne sofort zurückkehren. Da gestand er, dass er unheimlich aufgeregt ist und ich ihm sehr gefalle! Ein besonderer Tag wurde dieser. Die Sonne leuchtete herrlich warm an diesem schönen Sommertag. Wir hatten einen sehr interessanten Tag miteinander.

Niemals werde ich seinen ersten Auftritt vergessen, als er mir auf den Fuß getreten ist, nachdem wir das Kaffeekränzchen am See hatten. Er rief laut „Aua”. Eigentlich hätte ich ja vor Schmerz ausrufen müssen, da ich aus Versehen einen Tritt bekam. Da mussten wir lachen.

Ich habe unsere gesamte Kennenlernzeit wunderschön in Erinnerung. Wir haben ganz viel unternommen. Schnell entwickelte sich eine Beziehung zueinander. Leidenschaftliche und innigste Liebe. Es gab auch leider nicht immer heitere Tage. Auch erste Streitereien gehörten dazu. Die Entwicklung in einer Beziehung bleibt niemals stehen. Oft muss man auch an sich arbeiten.

So manchen Sturm haben wir bezwungen und überstanden. Unser erstes Kind sollte ein Mädchen werden. Gehofft auf lange Wimpern, wie der Papa sie hat, als ich mich an diesem ersten Sommertag in ihn verliebte, als ich seine Augen sah im Auto und neben ihm saß.

Doch sie starb. Kaum geboren und noch so unendlich klein. So mussten wir diese Erfahrung hinnehmen und weiterleben. Doch was war nur aus uns geworden. Das Paar, das wir einmal waren, wurden wir nicht mehr. Uns war der Wind aus den Segeln genommen worden. Stück für Stück rückten wir wieder ins Leben zurück.

Wir entwickelten uns in unserer Beziehung zueinander, nicht auseinander. Wir wurden durch das Schicksal neu zusammengewürfelt. Lernten uns und unser Leben neu kennen. Auch unsere Liebe zueinander wurde viel weiser und intensiver. Wir hatten nach dem Verlust an Miriam drei wundervolle Jahre vom Himmel geschenkt bekommen, hatten viel Zeit uns neu orientieren zu können.

Wir wurden nach dieser Zeit endlich mit unserem Folgewunder belohnt. Ein Junge. Unser zweites Kind kam gesund und munter zur Welt. Bei so viel Glück wurde ich zeitnah wieder schwanger und gebar unseren zweiten Jungen. Sie sind beinahe wie Zwillinge und bereichern unser Leben. Und das größte Geschenk einer langen Liebe.

Wir haben eine Menge erlebt. Sieben Jahre gehen wir gemeinsam unseren Weg. Das wichtigste in einer Beziehung ist, immer gemeinsam in die gleiche Richtung zu blicken. Miteinander reden zu können. Jede Beziehung entwickelt sich in viele Richtungen. Mal gibt es helle Tage, an manchen Tagen ist es dunkler. Jemanden so zu lieben, wie er wirklich ist, ist die ehrlichste Liebe, die es gibt. Aufrichtige Liebe hält allem stand. Und vielleicht tritt Ronny bei unserem Hochzeitstanz ja wieder auf meinen Fuß? Wie vor sieben Jahren, als die Sonne auf uns leuchtete.