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Hört es sich hier bald nach Actionfilm an?

Deutsche Polizeiautos könnten bald klingen und flimmern wie ihre amerikanischen Pendants (hier in New York).  FOTO: Sven Hoppe

VonSascha MeyerRauscht die Polizei vorbei, erkennt man sie sofort am „Tatütata“. Bald könnten Streifenwagen auch Sirenen nach US-Vorbild haben. Wie in ...

VonSascha Meyer

Rauscht die Polizei vorbei, erkennt man sie sofort am „Tatütata“. Bald könnten Streifenwagen auch Sirenen nach US-Vorbild haben. Wie in den Straßen New Yorks dürfte es in Deutschland trotzdem nicht werden.

Berlin.Auf der Bundesstraße oder kurz nach dem Einbiegen auf die Autobahn könnte sich mancher Pkw-Fahrer bald vorkommen wie im Film: Plötzlich heult ein greller Sirenenton auf, wie man ihn aus US-Serien kennt. Im Rückspiegel flimmert es dazu rot aus Blinklichtern auf dem Dach eines Streifenwagens.
Signale à la Hollywood soll die Polizei künftig auch in Deutschland einsetzen können – die rechtliche Grundlage dafür hat das Bundesverkehrsministerium jetzt dem Bundesrat zugeleitet, der aber erst grünes Licht fürs rote Licht geben muss. Zu amerikanischen Zuständen auf deutschen Straßen dürfte es dennoch nicht kommen.
Dass es keinesfalls um Effekte wie in Actionfilmen geht, macht schon der Verordnungsentwurf klar, den das Bundesverkehrsministerium vorgelegt hat. „Als optisches Anhaltesignal für Kraftfahrzeuge des Vollzugsdienstes der Polizeien des Bundes und der Länder wird nach vorn wirkendes rotes Blinklicht zugelassen, das durch ein ,Anhaltehorn’ als akustisches Anhaltesignal ergänzt werden darf“, heißt es bürokratisch in den Erläuterungen.
Dabei ist das „Anhaltehorn“ mit US-Sound vom „Einsatzhorn“ zu unterscheiden, dessen „Tatütata“ in Kombination mit Blaulicht das klassische Erkennungszeichen für deutsche Polizeiwagen im Einsatz ist.

Neues „Anhaltehorn“ soll Polizeiarbeit erleichtern
Schon lange wird aber diskutiert, ob diese gängige Zeichen in bestimmten Situation eindeutig verstanden werden: Taucht ein Polizeiwagen mit Blaulicht und Martinshorn hinter ihnen auf, wissen manche Fahrer nicht sofort, dass sie selbst gemeint sind. „Durch die neuen Signale soll das Anhalten von Fahrzeugen für die Polizeibeamten sicherer gemacht werden“, so ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums.
Konkret könnte das so aussehen: Vom Streifenwagen flackert rotes Blinklicht nach vorn, in roter Leuchtschrift kann der Autofahrer im Rückspiegel lesen „Anhalten, Polizei“, dazu jault es einmal kurz aus der neuen Sirene. „Die Polizeibeamten sehen so die Insassen des kontrollierten Fahrzeugs jederzeit vor sich und gegebenenfalls im Scheinwerferlicht des eigenen Fahrzeugs“, erläutert der Sprecher. Das soll es auch unnötig machen, einen vorausfahrenden Wagen extra zu überholen, um den Fahrer zum Stoppen zu bringen.
Dass es einige Verwirrung stiften könnte, wenn es auf den Straßen künftig bunter leuchtet und unterschiedlich tönt, haben indes auch die Ministeriumsexperten im Blick. Für Stopp-Kommandos soll deshalb gelten, dass rotes und blaues Licht nicht gleichzeitig aktiviert werden dürfen – auch nicht neue und alte Sirene. Das wäre „kontraproduktiv im Hinblick auf die mit dem Anhaltesignal verfolgte Zielsetzung“.
Überhaupt muss sich zeigen, ob die neuen Möglichkeiten einmal Realität auf den Straßen werden. Zuerst muss der Bundesrat zustimmen. Dann liegt es in der Hand der für die Polizei zuständigen Länder, ob sie ihre Streifenwagen umrüsten. Schon an verschiedenen Uniformen und Fahrzeuglackierungen zeigen sich je nach Bundesland ziemliche Unterschiede, wie die Gewerkschaft der Polizei bedauert. „Die Bürger haben Anspruch, von Flensburg bis Berchtesgaden sichtbar auf die gleiche Polizei zu treffen“, sagt ein Sprecher. Dringlicher als solche Details sei außerdem, die technische Ausstattung der Streifenwagen grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen.