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„Ich kann das Theater nicht im Stich lassen“

Voß wirkte auch als Lohengrin in Richard Wagners Oper. Die Partie brachte ihm viel Anerkennung.

Ein Versprechen ist nicht eingelöst. Bis heute. Während das Anrecht auf eine langjährige Dienstloge nach dem Rücktritt von Emanuel Voß im Jahr 1949 ...

Ein Versprechen ist nicht eingelöst. Bis heute. Während das Anrecht auf eine langjährige Dienstloge nach dem Rücktritt von Emanuel Voß im Jahr 1949 unmittelbar in Kraft trat, verwirklichte sich eines jedoch nicht: „Eine weitere Ehrung seitens der Stadt soll die Benennung einer neu zu erbauenden Straße am Stadttheater sein, die den Namen „Emanuel-Voß-Straße“ führen soll – schreibtder frühere Intendant des Greifswalder Theaters in seinerAutobiografie „Das Theater in der Universitätsstadt Greifswald in alter und neuer Zeit“ von 1956.
Mit einer Ausstellung würdigt ihn die Stadt Greifswald jedoch in diesem Jahr. Anlass sind gleich zwei Jubiläen: der 140. Geburtstag sowie Voß‘ 50. Todestag. In chronologischer Reihenfolge präsentiert die Schau das Leben eines Menschen, der verschiedene beruflicher Facetten vorweisen kann. Die Anregung für die Schau kam vom sich im Ruhestand befindenden Greifswalder Musikwissenschaftler Lutz Winkler.
Der in Lüneburg geborene Emanuel Voß war Sohn eines Schuldirektors und nebenamtlichen Organisten einer neunköpfigen Familie, er wuchs nach dem Umzug in einer Hamburger Amtswohnung auf. Dort ist viel musiziert worden. Der Wunsch, nach dem Gymnasium ein Studium am Fürstlichen Konservatorium der Musik in Sondershausen zu beginnen, fand beim Vater keinen Anklang. Emanuel Voß sollte zunächst den Gesamtbetrieb einer Hamburger Firma für Im- und Export erlernen.
„Dies Verlangen und dessen Durchführung hat mir später großen Nutzen gebracht“, erinnert er sich später. Als Tenor fiel er bereits während seines Studiums auf. Die Knappheit dieses Stimmfaches auf der Bühne, die schnelle Ausbildung einer auffallend großen Höhe und Ausdauer innerhalb von zwei Jahren, zogen einen Studiumswechsel, ein Stipendium und profitable Konzertengagements nach sich.

Presse lobt Voß für seinen Lohengrin

Auf Straßburg im Elsaß, Aachen, Rostock, Magdeburg, Lüneburg, Danzig und Bromberg folgte die Verpflichtung in Stettin. Für Richard Wagners Opern brannte der Heldentenor Emanuel Voß. Die dortige Presse urteilte über ihn: „Herr Voss ist für die Lohengrin-Partie geradezu prädestiniert. Er ist wohl der beste Lohengrin, den Stettin je gehört habe.“
Zwischen 1907 und 1911 leitete er von dort aus die Greifswalder Maiopern-Festspiele. Eine Bespielung durch das Stralsunder Theater fand wöchentlich seit 1882 mit Schau- und Lustspielen und Operetten statt. Die opernliebende Bevölkerung vermisste die Breite des kulturellen Angebots wie es dies bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in der Universitätsstadt gab.
Ob Thomas’ „Mignon“, Wagners „Lohengrin, Bizets „Carmen“, Verdis „Troubadour“ oder Webers „Freischütz“ – sie alle und weitere gehörten zur ersten, erfolgreichen Saison. Die achtzehnköpfige Stadtkapelle wurde mit Kollegen aus benachbarten Häusern verstärkt.
Mit dem Brand im Konzerthaus Gruihn am 4. Februar 1912 gab es in Greifswald jedoch keinen Aufführungsort für Opern mehr. Als Sachverständiger endete seine zweite Verpflichtung am Ryck in der Spielzeit 1935/36. Vor der Neueröffnung des Theaterneubaus in der heutigen Anklamer Straße 106 im Jahr 1914 wurde er einstimmig als Direktor gewählt und neun Jahre später zum Intendanten berufen.

Hansestadt bittet um baldige Rückkehr

Einer der vielen Glanzpunkte der goldenen Zwanziger war die Aufführung von Bertolt Brechts und Kurt Weills „Die Dreigroschenoper“ am 9. Dezember 1928, drei Monate nach der Berliner Uraufführung. In Hamburg unterhielt Voß zusammen mit seiner Frau Marie Sorelli-Voß eine gut laufende Schule für Sänger und Spielleiter. Doch bereits nach sechs Jahren erfolgte die Bitte um seine Rückkehr nach Greifswald.
Emanuel Voß sagte dazu: „Ich konnte es nicht fertig bringen, das mir so ans Herz gewachsene Theater der alten Universitätsstadt, für dessen Aufstieg und Erhaltung ich schwer gearbeitet, gekämpft und große Opfer gebracht hatte, dem ich durch Unternehmungsgeist und Wagemut schon in wenigen Jahren einen gut klingenden künstlerischen Ruf und ehrenvolle Anerkennung in der gesamten Kunstwelt erwerben konnte, in der Not im Stich zu lassen.“ Ihm gelang es dann bereits in der ersten Spielzeit 1942 43 nach seiner Rückkehr, einen Gewinn in der Bilanz zu erzielen, ohne Gagen zu kürzen.

Ausstellung zeichnet Leben und Werk nach

Beachtlich fällt ebenfalls seine berufliche, über drei Jahrzehnte dauernde Lebensleistung aus. 538 Schauspiele, 88 Opern und 173 Operetten gingen unter seiner Leitung über die Greifswalder Bühne. Im Bereich der Oper setzte Voß sowohl auf das etablierte, wie auch auf das neue Repertoire mit einer besonderen Pflege von Richard Wagner. Zu den inszenierten Werken gehörten beispielsweise Richard Strauss „Der Rosenkavalier“, Leos Janaceks „Jenufa“ oder Béla Bartóks „Herzogs Blaubarts Burg“.
Damit war das Theater in Greifswald unter Voß stets auf der Höhe der Zeit und bot dem Publikum immer wieder besondere künstlerische Erlebnisse.
Diese lassen sich auch in der Ausstellung „Emanuel Voß – Ein Leben für das Greifswalder Theater“ nachvollziehen. Präsentiert werden im Koeppenhauses in der Bahnhofsstraße 4/5 in Greifswald Fotos, Verträge, Rezensionen, Partituren, Requisiten und Auszüge aus einem Typoskript Koeppens als Materialien aus dem Stadtarchiv Greifswald, dem Archiv des Theaters Vorpommern sowie aus dem Wolfgang-Koeppen-Archiv.

Die Ausstellung ist bis zum 8. Juni immer von Dienstag bis Sonnabend von 14 bis 18 Uhr im Münchner Zimmer der Galerie des Literaturzentrums Vorpommern (Koeppenhaus), in der Bahnhofstraße 4/5 in Greifswald für Besucher geöffnet.

www.koeppenhaus.de