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Im Paradiesgarten ist der Teufel los

Eine Exotin, die Bitternuss, bekommt wieder Licht und Platz zum Wachsen. Forstarbeiter räumen auf im Paradiesgarten. [KT_CREDIT] FOTO: Fischer

VonKlaus-Jürgen FischerIn dem sonst sehr idyllischen Wäldchen bei Lüttenhagen heulen Motorsägenund Bäume fallen.Die Sehenswürdigkeitwird ...

VonKlaus-Jürgen Fischer

In dem sonst sehr idyllischen Wäldchen bei Lüttenhagen heulen Motorsägen
und Bäume fallen.
Die Sehenswürdigkeit
wird aufgeräumt.

Lüttenhagen.Im Paradiesgarten Lüttenhagen ist der Teufel los. Vorbei die idyllische Stille und verwunschene Abgeschiedenheit: mit Motorsägen kämpfen sich Forstarbeiter durch das Dickicht, andere schichten Buchenstämme und Reisig zu Haufen. Viele „Waldgeister“ –große Holzskulpturen – werden ausgegraben und zwischengelagert. Mit farbigen Pflöcken werden rund 100 im Jahr 1994 gepflanzte Eiben markiert, um sie später besser schützen zu können.
Einige Buchen hingegen werden gefällt. „Die Buchen sind einfach zu aggressiv für solch einen Forstgarten“, erklärt Forstamtsleiter Frank Hartzsch den Sinn der Arbeiten. Auch als Antwort auf kritische Fragen von Anwohnern fügt er hinzu: „Wir müssen sie zurückdrängen, damit die hier noch existierenden Exoten wieder Platz und Licht bekommen.“
1880/81 seien unter Oberförster Johannes Grapow 27verschiedene fremde Bäume gepflanzt worden. Davon hätten nur sieben Arten die Zeiten überlebt: Weißtanne, Rosskastanie, Bitternuss, Lawson-Scheinzypresse, Erbsenfrüchtige Scheinzypresse, Spätblühende Traubenkirsche und Küsten-Douglasie. Dazu kommen die jeweiligen Bäume des Jahres, die seit 1989 gekürt werden. Der Baum des Jahres 2013, der Wildapfel, bekomme noch seinen Platz. Über allen thronen mächtige Douglasien, die bereits vor einigen Jahren ausgelichtet werden mussten, um Platz zu schaffen für die Kronen der verbleibenen Riesen. Durch die Arbeitenkämen dann auch die 16 „Waldgeister“ besser zur Geltung, die bei einem Workshop der Berufsfachschule für Holzbildhauerei in Flensburg geschaffen wurden.

Exoten wie Zirbelkiefer und Balsam-Tanne kommen
Und schließlich sollen neue Exoten wie Balsam-Tanne,Zirbelkiefer und Spanische Tanne angeschafft und gepflanzt werden. „Hier hoffen wir auf Sponsoren, Einzelpersonen oder Unternehmen“, appelliert der Forstmann an alle Naturliebhaber. „Wir würden auch vor jedem Baum ein Schild mit dem Namen der Spender aufstellen.“
Vorher wurde bundesweit nach Baumschulen gesucht, die die seltenen Bäume liefern könnten. „Wir sind fündig geworden und haben eine lange Liste erstellt.“ Jetzt komme es auf Spenden oder Fördermittel an. Die Lüttenhagener Forstleute wollen den Paradiesgarten Richtung Osten erweitern, um 5000 Quadratmeter, um den bestehenden Teich herum und über den Bach hinaus. Somit soll ein touristisches Kleinod in der Feldberger Seenlandschaft aufgewertet werden.
Immerhin ist der forstbotanische Versuchsgarten der erste seiner Art in Mecklenburg. Der nach 1920 verwilderte Forstgarten war zuletzt in den Jahren 1994/95 wieder neu hergerichtet worden, auch mit Hilfe von IPSE-Beschäftigten. Damals wurden Fußwege angelegt und Beschilderungen erneuert. Jetzt wird wieder Ordnung im Paradies geschaffen.

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