Interview mit Björn Kagel

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18 für immer!

Lea Schütt will von Björn Kagel wissen: Wird das Immergut Festival 2017 auch musikalisch erwachsener und kommen Feine Sahne Fischfilet zurück nach Neustrelitz? ...
Julia Warner

18 - für manch einen fängt das Leben in dem Alter schon richtig an, andere warten auf ihr erstes großes Abenteuer. Das Immergut Festival hat davon schon einige erlebt. Welche Rolle der 18. Geburtstag des Events im nächsten Jahr spielen wird, wollten wir und die Schüler des Wahlpflichtkurses "Immergut" vom Carolinum in Neustrelitz von Björn Kagel aus dem Booking-Team des Festivals wissen.

Wie warst du mit 18 Jahren?

Ich stand kurz vorm Abi und war noch gar nicht wirklich drin im Thema Indierock. Hip-Hop und Reggae waren eher mein Ding. Beim Immergut habe ich trotzdem schon mitgeholfen. Ich fand es cool, dass junge Leute ein Festival in meiner Stadt organisieren. Da wollte ich dabei sein. Mit der Musik konnte ich damals aber noch nichts anfangen.

Das heißt, wer hätte damals auf deiner Traum-Party zum 18. gespielt?

Oh, das ist eine gute Frage. Ich war und bin großer Fan von Curse, einem deutscher Hip-Hopper. Wahrscheinlich wäre auch Eminem in der engeren Wahl gewesen… Ich weiß gar nicht, ob der noch Alben herausbringt… Sean Paul war damals auch noch cool. In diese Richtung wäre es vielleicht gegangen. (Anm. d. Red.: So mi go so then!)

Wenn du dich erinnerst, wie du mit 18 so drauf warst, wo siehst du das Immergut Festival im Vergleich, so kurz vorm 18. Geburtstag?

Das Immergut ist auf jeden Fall organisierter, als ich das mit 18 gewesen bin. Das Festival hat sich in den vergangenen 18 Jahren dahin entwickelt, eine gewisse Professionalität an den Tag zu legen. Das hatte ich als 18-Jähriger, der noch ein bisschen gegen die Eltern rebelliert hat, nicht so drauf. Das Immergut ist auch viel, viel weltoffener, als ich es früher war, weil ich damals noch nicht so viel reisen konnte. Das Immergut wurde schon von so vielen anderen Kulturen und Nationen besucht, allein durch die Künstler, die hier waren! Da hat das Festival meinem 18-jährigen Ich schon einiges voraus.

Wird das Immergut zur Volljährigkeit auch musikalisch erwachsener? Bekommt es neue Künstler, die ältere Musik spielen oder echte Klassiker? Darf man Comebacks erwarten - vielleicht von Feine Sahne Fischfilet oder anderen Bands?

Das Booking setzt sich ja jedes Jahr aus neuen Sachen zusammen, weil wir ein Festival sind, das sehr gerne neue und aufstrebende Künstler einlädt. Mit dabei sind sicher auch genügend Klassiker. Diese Mischung versuchen wir beizubehalten. 2017 wollen wir einen gewissen Fokus auf die 18 legen und auf das, was wir in den letzten Jahren geschafft haben. Es wird garantiert Bands geben, die schon ein- oder zweimal auf dem Festival gespielt haben und denen wir nochmal eine Bühne geben. Wie und ob es eine besondere Bühne werden wird, das wissen wir noch nicht. Das kommt auch darauf an, ob wir die Bands überhaupt noch kriegen. Einige Künstler, die bei uns gespielt haben, sind jetzt bei weitem größer und nicht mehr für die Gage von damals zu haben.

Gibt es denn eine absolute Wunschband zum 18. Immergut, wenn Geld ausnahmsweise keine Rolle spielen würde?

Ich glaube, das hat nicht unbedingt etwas mit dem 18. zu tun. Es gibt einfach Bands, die ich schon immer auf dem Festival haben wollte. Die hätten auch schon zum 17. kommen können. Die können auch zum 19. oder 20. Immergut kommen, Hauptsache sie kommen. Da sind Arcade Fire aus Kanada, die ich großartig finde, oder eine Band, die es auch schon seit 20 Jahren gibt: Death Cab For Cutie aus den USA. Die haben wir beide schon massig angefragt und nie die Möglichkeit bekommen. Wobei Death Cab For Cutie wohl am ehesten noch in unser Portemonnaie passen würde. Arcade Fire ist fernab von allem, was wir uns leisten können. Das wäre was richtig Tolles, aber ist natürlich reines Wunschdenken.

Du sagst, es flutscht eigentlich organisatorisch besser nach all den Jahren. Gibt es trotzdem besondere Herausforderungen, vor denen ihr jetzt steht. Immerhin gibt es viele neue, kleine Festivals, die auch auf Individualität setzen.

Der Markt ist natürlich größer, das ist vollkommen richtig. Und es gibt genau die gleiche Anzahl, wenn nicht sogar ein bisschen weniger Jugendliche, die zu den Festivals gehen wollen. Das heißt, es gibt weniger Kunden. Da muss man sein Programm und seine Nische finden. Ich glaube, wir haben da einen ganz guten Platz. Schuld daran ist unter anderem die Tradition, dass wir schon seit 18 Jahren auf den Beinen sind und gute Festivals organisieren. Daher denke ich, dass wir eigentlich ganz gut aufgestellt sind, sei es mit unserem Booking, aber auch mit allem anderen, was wir bieten. Mit der Mecklenburgischen Seenplatte, mit den Möglichkeiten, die wir den Gästen geben, auch abseits von Musik ein sehr schönes Wochenende zu verleben – und ein sehr entspanntes vor allen Dingen. Was mir ein bisschen Sorgen macht, ist nicht das Alter des Festivals, sondern das seiner Macher. Wir werden auch nicht jünger. Da muss man sich Gedanken machen, ob man das noch weiter so machen kann und machen möchte. Da wir ein ehrenamtlicher Verein sind und wir alles neben unserem eigentlichen Studium oder unserer Arbeit machen, ist es nicht immer leicht. Insbesondere, wenn man einem 40-Stunden-Job hat, in dem man vielleicht auch noch Karriere machen möchte oder wenn man vielleicht eine Familie gründen will. Ein Großteil des Orga-Kreises kratzt jetzt langsam an der 30 oder hat sie überschritten. Daher arbeiten wir natürlich daran, Nachwuchs heranzuholen (Anm. d. Red.: Schaut erwartungsvoll in die Runde).

Unter anderem in Neustrelitz? (Anm. d. Red.: Ja, da war er, der Holzhammer!).

Genau, unter anderem in Neustrelitz in Zusammenarbeit mit dem Carolinum. Da versuchen wir die Tradition am Leben zu halten. Wir könnten das Festival natürlich auch an andere Helfer weitergeben, die vielleicht nicht aus der Region kommen, aber wir finden es schon gut, dass die Macher des Festivals hier verwurzelt sind. Einerseits, weil sie die Werte des Festivals und der Region dadurch schätzen, andererseits auch, weil man dadurch auch gute Kooperationen mit lokalen Unternehmen, der Politik oder Verwaltung hinbekommt. Ohne die würde es das Festival so sicher nicht geben.

Noten fürs Festival

Auch in diesem Schuljahr gibt es am Carolinum in Neustrelitz neben Fächern wie Mathe und Deutsch den Immergut-Wahlpflichtkurs. Unter dem Motto "Immergut – Ein Blick hinter das Festival und in den Verein immergutrocken“ geben Vereinsmitglieder des immergutrocken e.V. einen etwas anderen Unterricht, der sowohl mit theoretischen als auch mit praktischen Inhalten gefüllt wird. Am Ende des Schuljahres steht eine Abschlussarbeit an, die benotet wird.

 

P.S. Das Interview fand anlässlich eines Workshops statt, der durch die Ehrenamtsstiftung MV unterstützt wurde.