DAVID HASSELHOFF IN NEUBRANDENBURG

Crazy for you, crazy for me

David Hasselhoff in Neubrandenburg - wer nicht für die Musik kam, kam für K.I.T.T., den Kult und jede Menge Nostalgie.
Anne Breitsprecher Anne Breitsprecher
David Hasselhoff in Neubrandenburg
Ach, der Klavierschal: Zum großen Finale sang David Hasselhoff "Looking for Freedom" und erinnerte an seinen berühmten Auftritt am Brandenburger Tor Silvester 1989. Anne Breitsprecher
Neubrandenburg.

Tränen, damit hatte David Hasselhoff scheinbar nicht gerechnet. „Macht ihr euch über mich lustig oder weint ihr wirklich“, fragt er eine Gruppe Mitdreißiger in Baywatch-Shirts scherzend aber direkt. Eine Frage, die auch schon in den Diskussionen vor dem Konzert in Neubrandenburg alles bestimmend war. Sensationslust, Gag oder ehrliche Begeisterung? Warum kauft man sich ein Ticket für David Hasselhoff? Doch die feuchten Augen sind echt, genau wie die Euphorie, die sich durch diesen Abend im Jahnsportforum zieht.

Die Halle ist angesichts von Ticketpreisen zwischen 40 und über 200 Euro alles andere als ausverkauft, die Ränge größtenteils leer. Blonde Pamela Anderson Perücken und rote Rettungsbojen in den Zuschauerreihen verbreiten schon vor dem Konzert eine Stimmung irgendwo zwischen Karneval und Junggesellenabschied. Während man beim Entern der Halle gerade noch professionell abschätzen will, wie viel Publikum The Hoff im Jahr 2018 wirklich zieht, steht er plötzlich da. Sein rotes Licht leuchtet mit vielen Besucheraugen um die Wette: K.I.T.T.

 

K.I.T.T. <3 #michaelknight #knightrider #neubrandenburg #mv

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Von Sicherheitsleuten und durch eine Absperrung abgeschirmt, wird der Knight Industries Two Thousand das Motiv zahlreicher Selfies. Der Anblick genügt und ich bin gefühlt wieder sechs Jahre alt. Damals träumte ich davon, mit Michael Knight und seinem sprechenden Trans Am aus der Serie Knight Rider auf Verbrecherjagd zu gehen. Sie waren die ersten Actionhelden meiner Kindheit. Die Begegnung fast 30 Jahre später ist unerwartet überwältigend.

Eine irre Zeitreise

In der Halle wird es dunkel, das Publikum nimmt aufgeregt seine Sitzplätze ein für den nächsten Teil einer jetzt schon irren Zeitreise. Auf einer Leinwand fasst ein etwas zu langes Intro die einzelnen Stationen von The Hoff zusammen. Fast wie um zu zeigen: Da war doch mehr als Knight Rider, Baywatch und dieser Auftritt an der Mauer, wenn auch nicht viel. Dann steht er da – höchstpersönlich. Rücken zum Publikum, Glitzer-Adler auf dem Lederjackenrücken deutet David Hasselhoff die ersten Zeilen von „Looking For Freedom“ an, um dann doch „Hey, We Wanna Rock The World“ zu singen. Ein Song, der so stark an den Puhdy-Klassiker „Hey, wir wollen die Eisbären sehen“ erinnert, dass so mancher Zuschauer im Refrain grölend nach dem Eishockey-Team aus Berlin verlangt. Egal.

Die Stimmung ist sofort parat. Sitzplätze werden zu Stehplätzen. Noch etwas Ungläubige wie textsichere Hardcore-Fans stehen Schulter an Schulter und können nicht anders als vor kindlicher Faszination strahlen. Auch The Hoff himself freut sich über seine Fans und singt gekonnt und energetisch über die leeren Ränge hinweg. Wer ihn sehen will, bekommt die ganze Show, ohne Abstriche und mit viel Hingabe. So viel ist mal klar.

David zieht durch

Mit „Jump In My Car“ gibt es nach einem Medley den ersten Hit, das erste Duett und einen von vielen Beweisen an diesem Abend, dass David Hasselhoff sehr gut über sich selbst lachen kann. Der Song über den erfolgreichen Versuch, eine Frau in sein Auto zu bekommen, die er abschließend wieder vom Beifahrersitz schubst, weil sie zu weit weg wohnt, ist so drüber - aber David zieht durch.

Getoppt wird das Ganze im ersten Part der Show nur von „Hooked On A Feeling“. „Dieses Video hat meine Musikkarriere getötet“, kündigt er in „Nubrändenbörg“ mit herrlicher Leichtigkeit an. Er hätte es damals für eine gute Idee gehalten, seine Hunde und seine Töchter in Engelskostümen in den verrückten Clip zu schneiden. Warum auch nicht, fragt man sich? Vielleicht hätte er aber nicht noch als Inuit, im Safari-Outfit und in Bikerkluft durch die Gegend fliegen sollen? Das absurde Video floppte 1997 und wurde Jahre später zum Internethit. Natürlich untermalen die verrückten Bilder auch die Performance des Songs. Überhaupt ähnelt das Konzert einer Youtube-Party – und das kommt an.

„Ein guter Schachzug, auch die Ausschnitte aus Knight Rider zu zeigen“, kommentiert René aus Potsdam freudestrahlend die Videosequenzen zur Darbietung von „Knight Rocker“, dem Lied zum weltweiten Fernseherfolg. „Die Serie war damals ein echtes Erweckungserlebnis für mich und wie David Hasselhoff heute auf der Bühne steht, hat er wirklich was von einem Zen-Meister.“ Ja, The Hoff wirkt wahnsinnig positiv und selbstreflektiert. Für Renés Frau Daniela ein Grund, sich das Konzert überhaupt zu geben. „Er hat eine herrliche Selbstironie, das ist beeindruckend und macht Spaß. Wir bereuen es jedenfalls nicht, hier zu sein.“

Limbo mit The Hoff

Die Begeisterung lässt im Jahnsportforum nur während einiger Balladen etwas nach. Songs wie „It's a Real Good Feeling“, „You've Lost That Lovin' Feeling“ oder „Crazy For You“ machen völlig wehrlos. Tuchfühlung? Kein Problem für The Hoff. Bei „Do The Limbo Dance“ hält er seinen förmlich ausrastenden Fans höchst persönlich die Limbo-Stange. Für den Baywatch-Theme-Song taucht David Hasselhoff dann mit Rettungsboje, Sonnenbrille und roter Retter-Jacke auf und sorgt damit für noch mehr Ekstase. Dass er auch das Singen ernst meint, zeigt er insbesondere beim David Bowie Cover „Heroes“ voller Hingabe und beweist: Alles live.

Zum Ende kam, was kommen musste. Dafür stehen die Fans in Neubrandenburg nicht nur von den Stühlen auf. Wer eben noch weiter hinten saß, rückt in die vorderen Reihen und stellt sich voller Erwartung auf die Sitzflächen. Zu den alten Aufnahmen von seinem Mauerauftritt auf der Leinwand singt David Hasselhoff seinen größten Hit „Looking For Freedom“. Stilecht mit Lederjacke und Klavierschal. Der große Moment zieht im Konfettiregen ein wenig zu schnell vorbei. Nach fast zwei Stunden Party geht The Hoff zum Outro von der Bühne. Zugabe-Rufe gibt es nach dem Über-Hit keine mehr.

Alle rennen für letzte Selfies noch einmal zu K.I.T.T., bevor das Helden-Auto aus Kindertagen ganz actionfrei und stumm auf einen Anhänger mit Berliner Kennzeichen in die Nacht gerollt wird. Ein Anblick, der betroffen macht und das kindliche Ich im Nu nach einem kleinen Seufzer wieder ins Hier und Jetzt holt. Crazy.

Weitere Tour-Termine von The Hoff

20.4. Jena, Sparkassen Arena
21.4. Ludwigsburg, MHP Arena
22.4. Suhl, Congress Centrum Suhl
25.4. Oberhausen, König-Pilsener-Arena
26.4. Saarbrücken, Saarlandhalle Saarbrücken
27.4. Lingen, Emsland Arena
28.4. Bremen, ÖVB-Arena
29.4. Hamburg, Sporthalle Hamburg
30.4. Berlin, Friedrichstadt-Palast

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

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