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Immergut-Booker bricht sein Schweigen

Christian Sepp macht beim Immergutrocken e.V. seit Jahren Kunz. Für die aktuelle Immergut-Ausgabe ist der Wahl-Leipziger und Musik-Quiz-Experte erstmals auch mit fürs Booking verantwortlich.
Cornelius Körner

Wer Christian Sepp im vergangenen Jahr einen der Immergut-Acts für das Festival 2016 entlocken wollte, bekam nur eine Antwort: My Lips Are Sealed. Wer das nicht fälschlicherweise für einen Bandnamen gehalten und sich dusselig gegoogelt hat, ahnte es bereits: Aus diesem Mann ist nichts rauszuholen. Jetzt, da das Line-up steht, hat sich Sepp aus dem dreiköpfigen Immergut-Booking-Team auf ein Interview mit uns eingelassen.

Wie viele Konzerte habt ihr als Booker für das diesjährige Line-up gesehen?

Ich war ungefähr auf fünf Konzerten hier in Leipzig und die anderen beiden haben mindestens doppelt so viele mitgenommen.

Und? Was waren die Highlights eurer Recherche?

Das Schnipo Schranke-Konzert hat mich echt darin bestätigt, dass diese Band aufs Immergut gehört. Vessels waren auch noch super. Eine Band mit viel Potenzial für unsere Birkenhain-Bühne, aber das sollte dieses Jahr scheinbar noch nicht sein.

Welche Kriterien waren euch als Booker für die Fahrt ins Grüne besonders wichtig?

Die Bands sollten natürlich live überzeugen. Und am Ende musste eine gute Mischung herauskommen aus guter Stimmung, Experimentierfreudigem und Krach. Schrammelnde Gitarren gehören unbedingt auch immer auf das Immergut. Und am Ende alles gut durchmischt über die verschiedenen Slots verteilen - fertig.

Wer ist im Booking-Team für welches Genre verantwortlich?

Die anderen zwei machen das schon länger und sind die Experten. Eine Aufteilung nach Genres gibt es in dem Sinne nicht, sondern eher eine Aufteilung nach Kontakten zu Bookern, Plattenfirmen und Agenturen. Und da ich in Leipzig bin und die anderen in Berlin – wie so ziemlich fast alle Booker – kümmer ich mich um Leute, die nicht von der Hauptstadt aus gemanaget werden, wie zum Beispiel Eddie Argos.

Du bist in diesem Jahr zum ersten Mal im Booking-Team. Hast du dir was Bestimmtes vorgenommen?

Es gab sicherlich ein paar Bands, die ich mir gewünscht hätte und die in meinen Augen perfekt auf das Immergut passen. Da wurde ich allerdings erst einmal in die Realität geholt. Klar, am Geld lag es auch, aber es gab auch einfach terminliche Probleme. Fürs Erste war ich aber sehr froh, dass viele meine Vorschläge bereits beim Booking-Team auf der Liste stehen und wir auf einer Wellenlänge liegen.

Würdest du sagen, ihr steht im Vergleich zu anderen Vereinsmitgliedern unter besonderem Druck?

Schon. Das Immergut machen natürlich auch Neustrelitz und die entspannte Selbstgemacht-Atmosphäre aus, aber die Leute kommen wegen den Bands. Und am Ende muss der Kartenverkauf eben stimmen. Gab es Bestechungsversuche von Bands oder Fans? Ja, es gab da die ein oder andere Anfrage aus dem Freundeskreis und ich habe durchaus Vorschläge weitergegeben. Wie bei vielen Dingen im Leben kommt es ja immer auch auf die Art und Weise an, wie man etwas anbringt. (Anm. d. Red.: Trotz Telefoninterview sieht man Sepp innerlich schmunzeln) Aber einige musikinteressierte, immergut-affine Freunde haben immer mal "zufällig" nach Bands gefragt. Ein Geben und Nehmen, Musikaustausch unter Freunden. So eine Chance kommt schließlich vielleicht so schnell nicht wieder.

War es eigentlich schwer, die Lippen so lange zu versiegeln?

Haha, insgesamt schon. Vor allem als ich noch Freunde zum Kartenkauf motivieren wollte. Ein Spiel mit dem Ungefähren...

Die Festivallandschaft ist bunter geworden. Welchen Einfluss hat das auf eure Arbeit als Booker für das Immergut?

Wir sind unter anderem zum Eurosonic Norderslaag in die Niederlange gefahren. Das ist selbst ein Musikfestival, aber auch eine Art Band-Messe und Treffpunkt für Booker und die Musikbranche. Da wird dann schon um Bands gepokert, gebalzt und sich ausgetauscht. War spannend, das zu beobachten. Es geht beim Verhandeln hauptsächlich um Budgets und Termine. Das Immergut ist nicht mehr das einzige Sprungbrett für Bands. Da gibt es viele. Kein Mensch möchte aber mit dem Immergut Geld verdienen, das ist der große Unterschied, wenn du so etwas ehrenamtlich stemmst. Andere Booker haben da mehr Druck, aber auch ein größeres Budget. Gerade beim Eurosonic ist mir das noch einmal klar geworden. Aber wir machen weiter unser Ding – trotz größerer Konkurrenz. Und am Ende haben wir COMA beim Eurosonic für das Immergut klargemacht.

Bei welcher Band gab es die meisten Diskussionen?

Tocotronic. Einer von uns ist riesiger Fan, einer kann mit den Herren gar nichts anfangen. Da ist man im Dreierteam auf einmal das Zünglein an der Waage und ich hatte auch Bock auf Tocotronic. Aber gerade bei denen und bei Maximo Park wurde das nochmal mit dem Vorstand besprochen.

Wen feiert ihr gleichermaßen?

Bei Drangsal wollten wir schon nach den ersten zwei Songs, die seit Herbst im Netz kursierten, buchen. Generell ist man am Anfang der Booking-Phase kritischer als zum Schluss. Spricht noch einmal für Drangsal. Außerdem freuen wir uns alle auf Erobique und darauf, dass er DJ Cosmic mitbringt.

Deine Geheimtipps?

White Wine, LUH und Fat White Family. Da macht das Entdecken Freude.