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Wo die nächsten Beckhams wachsen

Mit den D-Junioren der Tottenham Hotspurs stellt sich beim 49. Knabenturnier erstmals ein Verein aus dem Mutterland des Fußballs in Neubrandenburg vor. Doch nach welchem System werden in England eigentlich Talente ausgebildet?

Glenn Hoddle, 53-facher englischer Nationalspieler und Uefa-Pokal-Sieger. Peter Crouch, 42-facher englischer Nationalstürmer (22 Tore). Sol Campbell, 73-facher Nationalspieler und U18-Europameister. Die drei Spieler haben eines gemein: Alle entstammen sie der Kaderschmiede der Tottenham Hotspurs.

Auf der Insel werden Fußball-Talente vor allem an den Youth Academys der großen Klubs ausgebildet. An der Akademie von Knabenturnier-Teilnehmer Tottenham Hotspurs spielen derzeit etwa 150 Fußballer von 8 bis 18. Sie werden von 30 Voll- und Teilzeitkräften betreut, 35 Scouts sind für den Verein auf der Suche nach neuen Talenten. Bis zum Alter von 16 wird neben der Schule abends und an den Wochenenden trainiert und gespielt. Danach bekommen die Besten ein Zweijahresstipendium für das U18-Team angeboten.

Neues Jugendsystem war nicht unumstritten

Das sind hervorragende Bedingungen, wie sie nicht alle Premier-League-Klubs bieten können. Dementsprechend wird die Spurs-Akademie auch in der höchsten Kategorie 1 eingestuft, die laut dem "Elite Player Performance Plan" (EPPP) die meisten finanziellen Zuwendungen und die besten Zugriffsrechte auf die Talente anderere Vereine bietet.

Der nicht unumstrittene EPPP wurde Ende 2011 in Kraft gesetzt und galt als Revolution im englischen Fußball. Initiiert von der Premier League sprachen sich damals knapp zwei Drittel der 72 Vereine der folgenden drei Ligen (Football League) für das neue Konzept aus.

Besten Akademien dürfen schon 9-Jährige trainieren

Das Hauptziel des Plans: Es sollen die besten Jugendspieler der Insel so weiterentwickelt werden, dass Englands Fußball mittelfristig wieder auf Augenhöhe mit der Weltspitze gebracht werden kann. Erklärtes Ziel war außerdem, dass in Zukunft wenigstens die Hälfte aller Premier-League-Spieler theoretisch für die Nationalmannschaft spielen könnten – zuvor waren es nicht einmal 40 Prozent.

Dazu wurden genaue Transfersummen für Jugendspieler festgelegt, wo vorher umständlich eine Jury tagen musste, wenn die Vereine sich nicht einigen konnten. Die Jugendakademien wurden in vier Kategorien eingeteilt, die besten von ihnen dürfen auch die besten Spieler verpflichten – und zwar viel früher. Während zum Beispiel Kategorie-1-Akademien bereits Neunjährige zu sich holen können, müssen Akademien der Kategorie 4 warten, bis die Jungs 16 Jahre alt sind.

Zudem wurde die “90-Minuten-Regel” abgeschafft, nach der Vereine nur Spieler zu sich holen durften, die nicht weiter als 90 Reiseminuten vom Trainingsgelände entfernt wohnten. Das schützte kleinere Vereine ein wenig davor, dass sich die großen Premier-League-Klubs ungeniert die größten Talente wegkaufen konnten. Auch das alte Jugendligensystem wurde durch die Professional Development League ersetzt. Dort kickt auch ein U18- und ein U21-Team der Tottenham Hotspurs.

 

 

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