Unsere Themenseiten

:

Konflikt der Generationen auf die Spitze getrieben

Mit massiven Protesten fordern die Eltern die Politik auf, sich in der Stadt der Kinder zu entledigen. Die Folgen erweisen sich schon bald als fatal.  FOTOs: Eberhard Rogmann

VonEberhard RogmannKinder als Störfaktor, die Politik soll es richten. Das ist der brisante Stoff eines Schülertheaterstücks in ...

VonEberhard Rogmann

Kinder als Störfaktor, die Politik soll es richten. Das ist der brisante Stoff eines Schülertheaterstücks in Jördenstorf.

Jördenstorf.Die Botschaft von der Bühne ist harter Tobak. „Kinder raus aus der Stadt“ heißt es da und „Kinder müssen weg“. So rigoros und bedingungslosprangendiese Forderung von den Plakaten, dass es im Publikum so manchen fröstelnddurchschauert. Sitzen doch zumeist Eltern und Großeltern auf den hartenBänken in der JördenstorferKirche und sie müssen erleben, wie ihnen die Kinder auf der Bühne einen Spiegel vorhalten. Das beginnt ganz harmlos mit alltäglichen Klagen. Die Kinder seien zu laut, zu umtriebig, zu aufdringlich. Doch schnell eskaliert das Geschehen auf der Szene. Die Erwachsenen erweisen sich als unfähig, mit ihren Kindern zurecht zu kommen, fliehen in die Einsamkeit, fordern von der Politik, das Problem zu lösen.
Die fünfzehn Schüler der Regionalschule Jördenstorf spielen überzeugend. „Die große Plage“ heißt das Stück von Hans-Peter Tiemann, das sie ihrem Spiel zugrunde legen. Einen Großteil der Dialoge haben sie allerdings selbst geschrieben. „Natürlich haben wir viel diskutiert, bevor wir überhaupt in die szenische Probenarbeit gingen“, erzählt Sabine Grimm. Die Deutschlehrerin leitet das Theaterprojekt. Vehement debattierten die Schüler die Frage, wie kinderfreundlich eigentlich eine Gesellschaft ist, die viel investiert in Einkaufszentren, Autobahnen und Tiefgaragen. Die aber kaum Geld aufbringt für Jugendklubs zum Beispiel und Freizeitstätten.
Das Theaterspiel nimmt ein glückliches Ende. Der Anleihe am Motiv des Rattenfängers von Hameln folgend, kehren die Kinder in die Stadt zurück, die zuvor für ihre Belange umgebaut wurde. Die jungen Akteure erhalten viel Beifall. Und sie wecken viel Nachdenklichkeit bei den Zuschauern. Demnächst, so planen sie, wollen sie ihr Stück in Rostock auf dem Boulevard zeigen.

Kontakt zum Autor
e.rogmann@nordkurier .de