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Kult: „Radhaus“ in Jürgenstorf fährt jetzt total auf AWO ab

Jörg Steingraf zeigt eine Sport-AWO aus dem Jahr 1960. 39 weitere Motorräder sind ab Sonnabend im Jürgenstorfer Zweirad-Museum zu bestaunen.[KT_CREDIT] FOTO: Eckhard Kruse

VonEckhard KruseDem Kultmotorrad der DDR – der AWO – widmet sich eine Sonderausstellung des Zweiradmuseums Jürgenstorf. Morgen eröffnet ...

VonEckhard Kruse

Dem Kultmotorrad der DDR – der AWO – widmet sich eine Sonderausstellung des Zweiradmuseums Jürgenstorf. Morgen eröffnet sie.

Jürgenstorf.Die Maschine steht auf einem Sockel. Für den Laien sieht sie nicht viel anders aus, als andere AWO-Motorräder im Zweirad-Museum in Jürgenstorf. Und doch ist das unscheinbare Modell der Star in der neuen Ausstellung, die die Jürgenstorfer Zweirad-Fans am Sonnabend eröffnen werden. „Sie hat die Fahrgestellnummer 18“, erläutert Jörg Steingraf, Vorsitzender des Oldtimer-Clubs im Dorf. „Sie ist in der ersten Produktionswoche hergestellt worden.“ Das war schon im Jahr 1950. Das frühe Modell sei noch im Werk der Staatlichen Aktiengesellschaft (SAG) AWTOWELO gebaut worden, weiß der Vereinsvorsitzende. Erst 1952 sei das Werk in Fahrzeug- und Gerätewerk Suhl umbenannt worden.
„AWO – das Kultmotorrad der DDR“ – so heißt die Ausstellung, die die Oldtimerfreunde am Sonnabend um 10 Uhr eröffnen werden. Insgesamt 40 verschiedene Modelle sind dabei zu sehen. „Solo-Maschinen und Gespannmaschinen, Touren-AWOs und Sport-AWOs, restaurierte und unrestaurierte Motorräder“, zählt Steingraf auf. Viele AWOs gehören den Vereinsmitgliedern selbst. Für die Ausstellung haben sie aber auch viele Maschinen von anderen Motorradfans bekommen.
Zum Beispiel steuerten Fritz Grotevendt aus Malchin und Manfred Rahmel aus Neukalen Maschinen bei, die Volkspolizei-AWO sei eine Leihgabe aus dem Zweiradmuseum Sievertshagen bei Grimmen. Und für die älteste AWO im Raum sind die Oldtimer-Freunde sogar bis in den Spreewald gefahren.
Die AWO mit der frühen Fahrgestellnummer ist aber bei weitem nicht das einzige Highlight. Auch eine Renn-AWO steht in der Ausstellung. Von ihr wurden nur 15 Modelle produziert. Eine Maschine war als Reparationsleistung in die UdSSR gegangen und ist aus Litauen wieder zurückgeholt worden. Und wer sich den AWO-Motor einmal von innen anschauen möchte, der kann dies an einem Modell tun.
Eine Besonderheit an der AWO ist die Kardanwelle. „Die sind damals eingesetzt worden, weil es keine Ketten gab“, weiß Jörg Steingraf. Für die ersten Modelle sind die roten Streifen auf dem Kotflügel und die roten Tanks charakteristisch. Die Touren-AWOs wurden von 1950 bis 1960 produziert. Insgesamt seien rund 127 000 Stück vom Band gelaufen. Sie brachten es mit ihren 12 PS auf 100 km/h. Wer sich heute ein gutes altes Stück kaufen will, muss satte 7500 Euro hinblättern, schätzt Steingraf. Dabei sind die Touren-AWOs noch teurer als die 14 PS starken Sport-AWOs. Denn sie gibt es schon für rund 6500 Euro, obwohl von ihr nur rund 80 000 Stück ausgeliefert wurden.
Das Museum im „Radhaus“ Jürgenstorf ist von Mittwoch bis Sonntag von 11.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

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e.kruse@nordkurier.de