Für die Reihe „Dorf Kirche klingt” haben Anett Burckhardt, Claudia Schneider, Holger Hanson (vorn), Julius Ma
Für die Reihe „Dorf Kirche klingt” haben Anett Burckhardt, Claudia Schneider, Holger Hanson (vorn), Julius Mauersberger und Gertrud Ohse (hinten, jeweils von links) mit vielen Mitstreitern ein Programm für den Sommer „gestrickt”. Susanne Schulz
Die Veranstaltungsorte der Konzertreihe "Dorf Kirche klingt"
Die Veranstaltungsorte der Konzertreihe "Dorf Kirche klingt" NK-Grafik
Musiker des Orchesters für Alte Musik Vorpommern – links Gertrud Ohse mit der Viola da Gamba – sind auch in k
Musiker des Orchesters für Alte Musik Vorpommern – links Gertrud Ohse mit der Viola da Gamba – sind auch in kleinen Besetzungen an vielen Programmen der Reihe „Dorf.Kirche klingt“ beteiligt. Peter Jordan
„Dorf Kirche klingt”

Konzertreihe bringt Kirchen zum Klingen

Musik auch abseits großer Orte verspricht die Nordkurier-Reihe „Dorf Kirche klingt“. Die Organisatoren wollen damit dort unterstützen, wo rührige Helfer etwas auf die Beine stellen.
Pasewalk

Welche der vier Jahreszeiten die schönste ist, darüber gehen die Meinungen auseinander, wetterbedingt ebenso wie bei dem berühmten Violinzyklus von Antonio Vivaldi. Wenn dieses Werk aber in zwei Wochen zum Auftakt der Reihe „Dorf Kirche klingt“ in Pasewalk zu hören sein wird, dürfte es große Einigkeit geben, welch reizvoller Sommer damit beginnt. Denn bis zum 11. September wartet die Reihe mit 16 reizvollen Sonntagnachmittagskonzerten in ebenso reizvollen vorpommerschen Kirchen auf.

Premiere hat Lust auf mehr gemacht

Musik und Begegnung an Orte zu bringen, die sonst abseits des kulturellen Lebens liegen, ist ein zentrales Anliegen der Nordkurier Füreinander gGmbH, die sich als Tochtergesellschaft der Nordkurier-Mediengruppe die Förderung von Kultur, Wissenschaft, Bildung und Sport in der Region auf die Fahnen geschrieben hat. Mit jeweils drei Konzerten in Vorpommern und in der Seenplatte hatte das Projekt „Dorf Kirche klingt“ im vorigen Jahr die ersten Schritte gewagt. „Erfahrung kann man nur sammeln, wenn man klein anfängt“, sagt Holger Hanson, der gemeinsam mit Claudia Schneider als Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft fungiert.

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Die Premieren-Erfahrung jedenfalls war so erfolgreich, dass nun erheblich Größeres auf den Weg gebracht wird, gemeinsam mit der Pommerschen Evangelischen Kirche und mit Gertrud Ohse vom Verein Kirchenmusik Pasewalk. Mit ihrem Orchester für Alte Musik Vorpommern – dem nach eigenen Angaben größten freischaffenden Ensemble für Musik in Vorpommern-Greifswald, das zudem mit deutsch-polnischer Zusammenarbeit punktet – habe sie in den vergangenen Jahren ein Netzwerk knüpfen können, das nun gute Musiker für die sommerliche Konzertreihe begeistere.

Sommerliche Kammermusik auch vom Orchesterchef

„Ich freue mich über all die Zusagen, die auch Moderation und Schauspiel mit ins Programm bringen. Und alle Mitwirkenden freuen sich total darauf, die Kirchen kennenzulernen“, sagt die Cellistin, die selbst auch in verschiedenen Besetzungen Konzerte mitgestalten wird. So lädt „Die verliebte Nachtigall“ in Hintersee und Viereck zur Reise in die Natur, bringen „Musikalische Paradiesvögel“ barocke Extravaganzen nach Strasburg oder wird in Mönkebude der „Teufel an die Wand gemalt“. Darüber hinaus stehen unter anderem Orgelkonzerte mit Julius Mauersberger, Kantor der Pasewalker St. Mariengemeinde, Harfenmusik mit Sophia Warczak oder spannende Kombinationen wie Tango & Bach, Filmmusik & Orgel oder Bach & Böll auf dem Spielplan.

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Mit sommerlicher Kammermusik bringt sich zudem Andreas Schulz nicht nur in die künstlerische Leitung, sondern auch ins Programm der Reihe ein. Konzertbegeisterte Nordkurier-Leser kennen ihn als Chef der Neuen Philharmonie, die gemeinsam mit dem Nordkurier die Reihe „Stadt.Land.Klassik!“ in die Region bringt. Das neue Format „Dorf Kirche klingt“ hat den Berliner Dirigenten überzeugt zu einer weiteren musikalischen Zusammenarbeit, freut sich Nordkurier-Füreinander-Geschäftsführerin Claudia Schneider.

Kirchen sind für mehr als Gottesdienste gut

Ihr liegt die Reihe am Herzen auch wegen ihres Effekts, musikalische Erlebnisse als Anlass zur Begegnung zu gestalten und die gastgebenden Kirchen als Zentren dörflichen Lebens zu erfahren. Von Hetzdorf bis Altwarp, von Leopoldshagen bis Sonnenberg, am 25. Juni gar mit einem kurzfristig hinzu gekommenen Abstecher nach Weitenhagen bei Greifswald erstreckt sich das Netz der Konzerte.

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„Überall kümmern sich Leute darum, Kirchen und ihre Orgeln als Zeugen einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft zu bewahren“, sagt Anett Burckhardt, die als Baubeauftragte der Pommerschen Evangelischen Kirche die Schauplätze auswählte. Oft müsse Überzeugungsarbeit geleistet werden, warum es sich lohne, für so alte Gebäude viel Geld aufzubringen. Die Baudenkmäler sollten genutzt werden, um sie als erhaltenswert zu erleben – und über die Gottesdienste hinaus die Nutzung weiterzudenken, etwa in Richtung kultureller Angebote, erlebt Anett Burckhardt als spannenden Prozess.

Freie Hand bei der Programmgestaltung

Zueinander gefunden hätten Kirchenkreis und Nordkurier Füreinander übrigens durch einen „totalen Zufall“, erzählt sie: Häufig mit Fördermittelakquise befasst, hatte die Baubeauftragte im Büro des Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor erfahren, dass sich da jemand für die Orgellandschaft interessiere.

Die Nordkurier Füreinander gGmbH stellt jeweils das Budget bereit, mit dem kirchliche und künstlerische Partner bei der Programmgestaltung freie Hand haben. „Das ist eine großartige Zusammenarbeit, bei der wir uns statt gewaltiger Fördermittelanträge auf die musikalische Auswahl konzentrieren können“, sagt Gertrud Ohse.

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Holger Hanson wiederum geht das Herz auf, wenn er erlebt, wie Besucher die Konzerte genießen und mit welcher Energie Akteure vor Ort die Nachmittage vorbereiten. Denn wichtig ist den Veranstaltern, nicht den Gastgebern ein Ereignis aufzupfropfen, sondern Engagement in Schwung zu bringen. „Wenn die Botschaft ,Hier lässt sich was auf die Beine stellen‘ zur Bewegung wird, haben wir unser Ziel erreicht“, sagt er.

Allein die Kirchen und Orgeln sind ein Erlebnis

„Alle ausgewählten Dorfkirchen sind zauberhafte Kleinode, häufig frisch restauriert und einen Besuch am Sonntagnachmittag wert“, bestätigt Gertrud Ohse. Viele selten gespielte Orgeln könnten im Rahmen der Konzertreihe wieder erklingen und ungewöhnliche Instrumentenkombinationen für manche Neuentdeckung sorgen. In Grambow ist das musikalische Programm „Tango & Bach“ gar verbunden mit der Kunstaktion „Dorfkirche mon amour“ mit Landart-Künstlerin Ines Drechsler.

Los geht‘s am 22. Mai indes nicht auf dem Lande, sondern in Pasewalk, in beziehungsweise an der Nikolaikirche, die sich seit dem vergangenen Sommer wieder zusehends als Kulturkirche profiliert. Bis auf das Konzert in Mönkebude beginnen alle Veranstaltungen um 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

www.nordkurier-fuereinander.de

www.altemusik-vorpommern.de

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