NACH DEM STUDIENABSCHLUSS

Junge Schauspielerin zieht es von Vorpommern nach Mecklenburg

Vier Jahre lang begeisterte die Schauspielschülerin Karen Kanke das Publikum in Vorpommern. Nun hat sie ihr Studium abgeschlossen und steht bereits vor einer Feuertaufe.
Karen Kanke absolvierte ihre Schauspiel-Ausbildung an der Theaterakademie Vorpommern in Zinnowitz. Nun gehört sie zum Ens
Karen Kanke absolvierte ihre Schauspiel-Ausbildung an der Theaterakademie Vorpommern in Zinnowitz. Nun gehört sie zum Ensemble der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz. Martina Krüger
Besonders in Erinnerung blieben Karen Kankes (l.) Auftritte 2019 in „Mutter Courage und ihre Kinder“.
Besonders in Erinnerung blieben Karen Kankes (l.) Auftritte 2019 in „Mutter Courage und ihre Kinder“. Martina Krüger
Karen Kanke schlüpfte auch in die Rolle des kleinen Mucks.
Karen Kanke schlüpfte auch in die Rolle des kleinen Mucks. Martina Krüger
Neubrandenburg ·

„Heute hier, morgen dort. Bin kaum da, muss ich fort“, sang schon der Liedermacher Hannes Wader. Diese Worte hätten auch von der jungen Schauspielerin Karen Kanke stammen können. „Ich bin immer ein wenig ruhelos und brauche öfter etwas Neues. Momentan kann ich mir noch nicht vorstellen, länger an einem Ort zu bleiben. Und deswegen wollte ich jetzt eigentlich auch wieder weg aus Mecklenburg-Vorpommern“, verrät die 23-Jährige. Doch es kam anders.

Die vergangenen fünf Jahre hat die gebürtige Marburgerin in Vorpommern gelebt. Erst hat sie ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur an der Barther Boddenbühne absolviert, daran schloss sich ein vierjähriges Studium an der Theaterakademie Vorpommern an. Nun hat sie endlich ihren Abschluss als staatlich anerkannte Schauspielerin in der Tasche und nimmt Abschied vom hohen Norden.

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Schlechtes Gefühl nach zweitem Vorsprechen

Doch so weit müssen die Umzugskisten gar nicht gebracht werden, denn nun verstärkt sie das Ensemble der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz (TOG). Wie kam es zu dem Engagement? „Ich hatte mich während meines letzten Studienjahres an verschiedenen Theatern beworben und Einladungen nach Aachen und Radebeul bekommen. Das hat aber nicht geklappt. Und dann erfuhr ich sehr spontan, dass bei der TOG noch eine junge Frau gesucht wird und versuchte mein Glück.“ Das erste Vorsprechen sei gut verlaufen, erinnert sich die 23-Jährige. Doch mit dem zweiten Vorsprechen war sie überhaupt nicht zufrieden. Umso größer die Freude, als das Telefon klingelte und sie doch eine Zusage erhielt.

Nun steckt sie bereits mitten im Probenstress und hat im Neubrandenburger Schauspielhaus an diesem Freitag die erste Bewährungsprobe bei ihrem neuen Arbeitgeber zu meistern. Dort spielt sie bei „Hotel zu den zwei Welten“ mit, einem Stück des französischen Autoren Èric-Emmanuel Schmitt.

Schon hohe Erwartungen an die Eleven

Wird man jetzt anders behandelt, wenn man nicht mehr Schauspielschülerin, sondern ein Mitglied des Ensembles ist? „Wir haben schon bei der Landesbühne im Ensemble mitgespielt und bereits da wurde einiges von uns erwartet“, macht Karen Kanke deutlich. „Die Regieassistenten und Inspizienten waren wirklich streng und hielten einem auch mal eine Standpauke. Doch spätestens jetzt merke ich, dass das auch wichtig war und ich mich sehr gut auf meinen Beruf vorbereitet fühle.“ In dem TOG-Ensemble spielen derzeit im Übrigen noch weitere ehemalige Absolventen der Theaterakademie Vorpommern, nämlich Momo Böhnke, Katha Hoffmann und Lisa Scheibner.

In die Vorfreude auf die neue Arbeit im neuen Team mischt sich aber auch ein bisschen Trennungsschmerz. „Jetzt, wo alle ihrer Wege gehen, wird man doch ein wenig nostalgisch. Wir wurden über die Jahre zu einer großen Familie, die man plötzlich verlässt“, beschreibt sie. Doch der Neustart wird begleitet von unzähligen schönen Erinnerungen an ihre Ausbildung.

Eine Anklamerin brachte sie zur Theaterakademie

Ein besonderes Highlight war für sie eine Rolle in „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertolt Brecht. „Das war in meinem zweiten Studienjahr. Da erhielt ich zwei Wochen vor der Premiere einen Anruf und wurde gefragt, ob ich die Rolle der Yvette spielen könnte, weil eine Kollegin krank geworden sei“, erzählt Kanke. Regisseur war Jürgen Kern. „Ich hatte vor der ersten Probe eine solche Angst, denn über ihn hieß es, er sei ganz toll, könne aber auch richtig streng sein. Zum Glück war es dann eine wunderbare Zusammenarbeit. Ich habe noch nie so produktiv gearbeitet wie in diesen zwei Wochen. Das war ein Moment in meiner Ausbildungszeit, wo ich am meisten mitgenommen habe.“

Es gibt aber noch zwei weitere Menschen, die ihr Leben nachhaltig geprägt haben. „Zum einen ist das Juliane Nowak, eine Theaterpädagogin aus meinem Jugendclub in Marburg. Sie hat meine Liebe zum Theater geweckt, mir unglaublich viel darüber beigebracht und sie ist auch der Grund, warum ich überhaupt bei der Theaterakademie gelandet bin“, schwärmt die junge Schauspielerin. Juliane Nowak stammt gebürtig aus Anklam, war Mitglied des dortigen Fritz-Reuter-Ensembles und gastierte später auch einige Jahre als Schauspielerin, Tänzerin und Choreografin an der Vorpommerschen Landesbühne.

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Plan B führt nach Irland

Die zweite wichtige Person sei Oliver Trautwein. Der Regisseur leitet seit 2019 die Schauspielausbildung an der Theaterakademie Vorpommern und gehört seit neuestem zum Leitungsteam der Vorpommerschen Landesbühne. „Mit ihm habe ich an der Akademie viel zusammengearbeitet und er hat auch unser Abschlussstück ‚Zorn‘ inszeniert. Er hat mir sowohl auf der Bühne sehr viel mitgeben, als auch dahinter. Bei ihm weiß ich, dass ich immer zu ihm kommen kann und mich auch nachts um vier bei ihm ausheulen kann.“

Zum Heulen ist für viele Kulturschaffende auch die aktuelle Corona-Pandemie. So waren unter anderem die Theaterschauspieler monatelang zum Nichtstun verdammt. Kommen in solchen Momenten auch mal Zweifel auf, ob man sich für den richtigen Beruf entschieden hat? „Ich glaube, darüber denkt man immer wieder mal nach. Das liegt gar nicht an Corona. Jeder hat mal Phasen, wo er sich fragt, ob dieser Beruf das Richtige für ihn ist“, so Kanke. „Was ist, wenn mein Zwei-Jahres-Vertrag bei der TOG ausläuft und ich ohne Job dastehe? Bisher endeten meine Zweifel aber immer mit der Erkenntnis, dass ich nichts anderes machen möchte als die Schauspielerei. Zumindest derzeit. Was in fünf Jahren ist, weiß ich nicht.“ Doch sie hat auch einen Plan B im Hinterkopf, falls sie irgendwann keine Lust mehr auf die Bühne hat. „Dann gehe ich nach Irland und mache dort in einem kleinen Dorf einen Pub auf“, erklärt sie und muss lachen.

Die Premiere von „Hotel zu den zwei Welten“ findet am 10. September um 19.30 Uhr im Schauspielhaus Neubrandenburg statt.

Weitere Termine: 11.9., 17.9., 26.9., 9.10., 30.10.2021

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