Seit zehn Jahren ist Mark Forster im deutschen Pop-Olymp unterwegs.
Seit zehn Jahren ist Mark Forster im deutschen Pop-Olymp unterwegs. Jens Koch
2017 trat Mark Forster noch im Neubrandenburger Kulturpark auf, nun will er dem Publikum auf dem Marktplatz ordentlich einheiz
2017 trat Mark Forster noch im Neubrandenburger Kulturpark auf, nun will er dem Publikum auf dem Marktplatz ordentlich einheizen. Felix Gadewolz
Nordkurier-Interview

Mark Forster über Neubrandenburg, den Tollensesee und WM-Songs

Zweimal musste Mark Forster seinen Auftritt in Neubrandenburg verschieben, nun soll es endlich klappen. Und dann will er sein Können vielleicht auch auf dem Wasser unter Beweis stellen.
Neubrandenburg

Am 1. Juli trittst du in Neubrandenburg auf, nachdem das Konzert schon zweimal verschoben werden musste. Wie bist du persönlich mit den ganzen Absagen umgegangen?

Das war superdoof, das war nicht schön. Wenn man mir tausendprozentig versichert hätte, an dem Termin findet das Konzert dann auch wirklich statt, wäre es leichter gewesen. Das war aber nicht möglich und so mussten wir Konzerte manchmal öfter verschieben. Dadurch entstand eine riesen Unsicherheit. Nicht nur bei mir persönlich, sondern auch für den riesen Zirkus, der da hinten dran hängt. Man darf nicht vergessen, wie viele Menschen von der Branche abhängig sind, das belastet mich schon. Bei allem Quatsch, den wir auf der Bühne machen, verdienen ganz viele Menschen ihren Lebensunterhalt mit der Tour. Mir war es wichtig, keinen einzigen Termin abzusagen und die Konzerte nachzuholen. Von daher freue ich mich jetzt umso mehr, dass es wieder losgeht.

2017 bist du schon einmal in Neubrandenburg aufgetreten. Kannst du dich noch an etwas erinnern?

An Neubrandenburg kann ich mich noch gut erinnern, das war ein sehr, sehr heißer Tag damals beim Auftritt, aber die Leute hatten jede Menge Bock. Ich hoffe, das wird wieder so.

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Dieses Mal spielst du auf dem Marktplatz. Macht das für dich einen Unterschied, ob du in einem Zelt, einem Stadion oder auf einem Marktplatz spielst?

Absolut. Das ist wie beim Fußball. Wenn man drei gegen drei im Park spielt, ist das was anderes als elf gegen elf im Stadion. Aber alles hat seinen Reiz. Letztlich hängt es vom Publikum ab, wenn das gut drauf ist, ist es egal, wo man spielt. Ich genieße die Abwechslung sehr, ganz egal ob kleiner Club oder volles Stadion.

Du hast 2020 deinen Bootsführerschein gemacht. Weißt du eigentlich, dass Neubrandenburg am wunderschönen Tollensesee liegt und auch die Seenplatte nicht weit weg ist?

Das wusste ich tatsächlich nicht! Ich war zwar schon mal da, aber das hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Ehrlich gesagt habe ich den Bootsführerschein gemacht und bin seitdem nie wieder Boot gefahren – der Klassiker. Von daher wäre das vielleicht der perfekte Ort, die perfekte Zeit, um auszuprobieren, ob ich das überhaupt noch kann.

Apropos Fußball. Der Sommer steht vor der Tür, nur die Weltmeisterschaft findet im Winter statt. Fehlt dir die WM?

Ich bin ja wirklich ein riesen Fußballfan. Ich liebe Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und bin gerade eh total gut drauf, weil der 1. FC Kaiserslautern aufgestiegen ist. Aber die WM, die jetzt kommt, fehlt mir nicht. Ich fände es schon gut, wenn es eine WM gäbe. Aber die will ich dann auch genießen können. Bei Katar muss ich ehrlich sagen, habe ich nicht das Gefühl, dass ich mich unbeschwert drüber freuen darf, dass da geile Mannschaften gegeneinander spielen und ich der deutschen Mannschaft die Daumen drücken kann. Ich habe da eher ein merkwürdiges Gefühl bei. Vermissen tue ich sie jetzt nicht. Mal schauen was passiert, wenn es losgeht. Ich vermute aber, dass ich es nicht so feiern kann, wie sonst.

Deine Musik ist ja oft mit der Nationalmannschaft verknüpft. Heißt das, im Winter gibt es kein „Au revoir Katar“ von dir?

Richtig geplant war das auch in der Vergangenheit nicht. Irgendwann war mein Song „Chöre“ mal das Lied, was gespielt wurde, wenn Deutschland ein Tor geschossen hat. Das habe ich auch im Fernsehen zum ersten Mal gesehen. Bewusst werde ich aber nichts für Katar schreiben.

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Als Künstler bist du in ganz Deutschland unterwegs. Gibt es irgendetwas, was dich mit Mecklenburg-Vorpommern besonders verbindet?

Ich wohne ja in Berlin, das heißt, ich bin nicht weit weg. Meck-Pomm ist für uns Berliner natürlich ein absolutes Ausflugsziel. Von daher bin ich super gerne da oben.

Zwei Jahre lang konntest du nicht wirklich auftreten, so langsam geht es wieder los mit den Konzerten. Wie hast du persönlich die Corona-Zeit empfunden?

Das war phasenweise ganz unterschiedlich. Wenn ich ganz ehrlich bin, eine Zwangspause, ohne dass man denkt, man verpasst jetzt irgendwas, war auch schon ganz gesund. In dem Tempo, in dem ich mich jetzt seit fast zehn Jahren bewege, war das schon ganz geil. Nur nicht so lange. Aber ich habe eine Platte gemacht. Das Album „Musketiere“ wäre ohne Corona so nicht entstanden.

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Du bist jetzt seit zehn Jahren Dauergast in den deutschen Charts. Hast du noch immer denselben Hunger wie zu Beginn deiner Karriere, wenn du im Studio bist?

Ich bin kein Künstler, der Trophäen nachjagt. Der Hunger nach Erfolg ist nicht unbedingt die beste Triebfeder. Mir geht es darum, Musik zu machen, die ich selber cool finde.

Und ist das heute schwerer als vor zehn Jahren?

Auf jeden Fall. Je mehr man gemacht hat, desto schwerer wird es. Ich komme langsam in den Bereich, wo ich merke, dass ich viel härter arbeiten und mir mehr Mühe geben muss, als früher. Einfach, weil ich schon so viel gemacht habe. Man will sich ja nicht ständig wiederholen. Für die Musik ist das ganz gut, glaube ich, aber für mich ist das anstrengender.

Nächstes Jahr wirst du 40, deine Karriere läuft, und wie man der Presse entnehmen kann, bist du Vater geworden. Wäre das nicht der perfekte Zeitpunkt für eine Midlife-Krise?

(lacht) Auf jeden Fall! Die Haare werden auch schon immer grauer und dünner. Wird schlimmer alles. Aber im Ernst: Es ist oft so an runden Geburtstagen, dass einem das älter werden eigentlich egal ist, aber man von allen Seiten darauf angesprochen wird. Klar fängt man mal an zu grübeln. Im Augenblick habe ich aber den Eindruck, dass alles sehr gut gelaufen ist bis hierhin. Ich hatte mehr Glück als Verstand, ich kann mich nicht beschweren.

Zur Person

Er wurde 1983 in Kaiserslautern als Mark Cwiertnia geboren. Er hat eine polnische Mutter und einen deutschen Vater.

Den Durchbruch als Pop-Sänger schaffte er 2012 mit der Hit-Single „Au revoir“. Der Song erreichte drei goldene Schallplatten in Deutschland. 2021 erschien sein fünftes Studioalbum „Musketiere“.

Nebenbei nahm er auch in der erfolgreichen Talent-Show „The Voice of Germany“ mehrfach als Coach teil.

Laut mehreren Medienberichten ist Mark Forster seit Ende 2020 mit der Sängerin Lena Meyer-Landrut liiert. Die beiden sollen Anfang 2021 Eltern ihres gemeinsamen Sohnes geworden sein.

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