Im offiziellen Musikvideo wird die Puffmama „Layla” von einem Mann gespielt.
Im offiziellen Musikvideo wird die Puffmama „Layla” von einem Mann gespielt. Summerfield Records/YouTube
Sexistische Partyhits

Wer bei Layla mitsingt, darf auch mitdenken

Natürlich steckt in „Layla” Sexismus und darüber darf auch gerne jeder beim Mitsingen nachdenken. Verboten gehört das Lied trotzdem nicht, sagt unser Kommentator.
Neubrandenburg

Eigentlich gibt es nichts an diesem Lied, was irgendwie besonders ist: Feiern, Saufen, Frauen, Sex und der Absturz im Bordell, dazu ein tanzbarer Beat und ein eingängiger Refrain zum Dödödö-Mitgröhlen – seit Jahrzehnten funktionieren Partyhits genau so, wenn sie am Ballermann erfolgreich sein wollen. Überraschung!

Im Vergleich zu anderen Mallorca-Hits wirkt die aktuelle „Layla” fast schon bieder, besonders das zugehörige Video, in dem DJ Robin und Schürze so aussehen, als würden sie kichern, weil sie gerade „Puffmama” gesagt haben.

Trotzdem ist es sexistisch, Frauen auf die Werte „schöner, jünger, geiler“ zu reduzieren und diesen Hinweis muss sich jeder gefallen lassen, der das Lied abspielt oder dazu feiert. Man kann ruhig auch inne halten und eine Sekunde darüber nachdenken, was man da eigentlich gerade genau singt. Oder haben sich die Leute, die nun unter dem Hashtag #freelayla auf die Meinungsfreiheit pochen, auch schon mit dem Gedanken beschäftigt, wie frei die Frauen sind, die in den besungenen Bordellen arbeiten?

Sexismus ist von der Kunstfreiheit gedeckt

Sexismus ist ganz schön doof und die Argumente der „Wir haben das doch schon immer so gemacht”-Fraktionen ändern daran auch nichts. Jedoch ist Sexismus trotzdem von der Kunstfreiheit gedeckt. Ein Verbot des Liedes erscheint da überzogen und das hat es bei aller Empörung bislang auch fast nie gegeben. Dabei kann natürlich jeder Veranstalter jederzeit selbst bestimmen, was bei ihm laufen soll – und was nicht. Das ist dann auch Meinungsfreiheit.

Die ganz stumpfen Texte vielleicht erst ab 22 Uhr, das wäre doch ein Kompromiss für familienuntaugliche Dorf- und Stadtfeste. Dann können auch die Puhdys ihren Drachen steigen lassen oder mit Roland Kaisers „Joana” verbotene Träume erlebt werden, wie das schon immer so war. Oder wir fangen zur Abwechslung tatsächlich mal an, neue Lieder in die Playlist aufzunehmen. Veränderung tut meistens gut.

Die Stadt Neubrandenburg gibt sich in ihrer Stellungnahme zu „Layla” betont vernünftig und distanziert sich von „diskriminierenden, sexistischen und entwürdigenden Inhalten” aus „Respekt vor der Menschenwürde jedes Einzelnen”. Große Worte. So kann man das natürlich auch sehen, jedoch stellt sich dann schon die Frage, ob wirklich niemand aus dem Rathaus vor drei Wochen beim Konzert des Rappers Finch auf dem Marktplatz war, der erst recht für grenzwertige Texte bekannt ist.

Mehr lesen: Sexistisch, diskriminierend? Aufregung um Partyhit „Layla”

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Kommentare (1)

Das Lied ist nicht verboten worden. Seit Wochen verkauft es sich besser als "Ein bisschen Frieden", ein bisschen Freiheit oder ein bisschen Krieg. Über was wird hier diskutiert?