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"Altwerden ist scheiße"

Schauspieler Winfried Glatzeder kann dem Älterwerden nicht sonderlich viel Positives abgewinnen.

Der Schauspieler kann der Vergänglichkeit des Seins nur wenige positive Seiten abgewinnen. Im Interview mit Elke Vogel plaudert der Jubilar über seinen kommenden runden Geburtstag, das nächste Theaterstück und das Geheimnis einer langen Ehe.

Wie und wo werden Sie Ihren 70. Geburtstag am Sonntag verbringen?

Ich werde an diesem Tag bei Proben für das Stück „Toutou“ am Theater am Dom in Köln sein. Das hat am 30. April Premiere.

Aber Sie lassen sich zum runden Geburtstag schon ein bisschen feiern ...

Nein! Bloß nicht! Das ist alles Stress. Ich bin so froh, dass ich arbeiten darf. Vielleicht lade ich das Theaterteam zu einem Glas Mineralwasser ein, das sind zum Glück nur drei, das wird nicht so teuer ... Aber es muss auch gar nichts sein, ich gehe einfach ins Bett. Ich gehe auch jedes Jahr zu Silvester ins Bett.

Was für eine Rolle spielen Sie in „Toutou“?

Da spiele ich mich im Grunde genommen selbst. Es geht um ein Ehepaar, das einen Hund hat – in Ermangelung von Enkeln. Wir haben zwar mittlerweile einen Enkel, aber vorher sind wir immer ins Tierheim gegangen und haben uns Katzen und Hunde geholt. Im Stück hat der Mann die Aufgabe, abends immer noch einmal mit dem Hund rauszugehen. Dann hat er ein Gespräch mit der Nachbarin, die auch eine kleine Töle hat – und dabei haut sein Hund ab. Nachdem er lange nach dem Tier gesucht hat, kommt er ohne Hund nach Hause. Und dann steht die Beziehung des Paares plötzlich auf dem Prüfstand, weil es keine Pufferzone mehr zwischen ihnen gibt. Meine Bühnenpartnerin ist Gila von Weitershausen.

Sie sind seit 45 Jahren mit ihrer Frau Marion verheiratet. Was ist das Geheimnis einer so langen Ehe?

Möglicherweise, dass wir sehr ähnliche Kindheitsbedingungen hatten. Der Vater meiner Frau ist nach dem Krieg gestorben, meiner ist im Kriegsgefangenenlager umgekommen. Die alleinerziehenden Mütter haben uns in Kinderheime gegeben. Diese Erfahrung schweißt vielleicht ein bisschen zusammen.

Ich finde es auch gut, wenn man sich zu einer Zeit kennenlernt, zu der man noch nicht beruflich erfolgreich ist. Wir haben uns als Studenten kennengelernt, sie hat Lehramt studiert und ich Schauspiel. Dann haben wir alle Krisen gemeinsam durchgestanden.

Was bedeutet Älterwerden für Sie?

Altwerden ist scheiße! Man wird alt, wenn man eines Tages morgens nicht mehr aus dem Bett kommt. Man ist alt, wenn auf einmal das Knie, die Schultern, der Rücken nicht mehr so richtig wollen. Altwerden ist unangenehm.

Was hat Sie im vergangenen Jahr bewogen, beim Dschungelcamp, der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ mitzumachen?

Die Kohle, die Neugierde, interaktives Fernsehen und der Reiz, in einer Sendung mitmachen zu können, die mehr Publikumsresonanz als Fußball hat. Ich wollte auch einfach sehen, ob die anderen mich aushalten. Ich mache genauso ernsthaft den „Jedermann“ wie so eine Show. Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Komödie und Tragödie. Ich würde eher sagen, eine Komödie ist schwieriger als eine Tragödie. Wenn ich Zeit habe, mache ich wozu ich Lust habe. Ich habe eine kindliche Neugierde und Naivität, mich den Dingen zu stellen.

Bis Mitte Juli läuft „Toutou“ in Köln. Was sind Ihre Pläne für die Zeit danach?

Wir entwickeln gerade Bücher für eine Serie, die ich wahrscheinlich machen werde. Da spiele ich einen bösartigen Alten. Aber wenn ich so im Bett liege, dann sage ich mir: Eigentlich habe ich den Zustand erreicht, dass ich fast alles gemacht habe. Jetzt kommen nur noch Wiederholungen.