Was machen wir in unserer Freizeit?

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Am liebsten auf die Fernsehcouch!

Die Fernsehlust der Deutschen ist ungebrochen. Rausgehen tut der Deutsche in der Freizeit dagegen eher sporadisch.
Die Fernsehlust der Deutschen ist ungebrochen. Rausgehen tut der Deutsche in der Freizeit dagegen eher sporadisch.
Jens Büttner

Vier Stunden Freizeit haben die Deutschen im Durchschnitt pro Tag – oft läuft dann nicht mehr als die Glotze. Der jetzt veröffentlichte „Freizeit-Monitor“ präsentiert aber noch andere erstaunliche Ergebnisse.

Spontansein oder ausschlafen: Zwei Drittel der Deutschen würden das gerne
öfter tun und mehr Zeit dafür haben. Auch Freunde treffen und Ausflüge machen stehen
weit oben auf der Freizeitwunschliste. Doch in der Realität sitzen die meisten vor dem Fernseher oder dem PC, verbringen ihre Freizeit zu Hause und pflegen Kontakte auf digitalem Weg. „Ein Großteil der Deutschen schafft es auch in der Freizeit oftmals nicht, genau das zu tun, was sie eigentlich wollen“, sagt Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen.

Fast scheint es, als drücke eine große Erschöpfung die Menschen in der knappen Freizeit tief ins heimische Sofa. Denn der Wunsch nach mehr Erholung und unverplanter Zeit ist bei den meisten immens. „Viele wissen gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht“, berichtet Reinhardt bei der Vorstellung des Freizeit-Monitors am Mittwoch in Berlin. Und das hat wohl verschiedene Gründe.

Neues Freizeitphänomen "Luxese"

„Einige Menschen machen auch in der Freizeit ständig mehrere Sachen gleichzeitig.“ Man trifft also nicht nur Freunde, sondern will auch mit ihnen kochen, nimmt nebenher noch Telefonate entgegen oder checkt die Kurznachrichten. Leben im Augenblick ist etwas anderes.

Dann kostet Freizeit oft auch Geld. Shoppen, Essen gehen oder durch Kneipen ziehen – zwischen 46 und 33 Prozent der Deutschen tun das wenigstens einmal pro Monat. Um dies zu finanzieren, müssen viele im Alltag sparen. „Unter der Woche bei Penny einkaufen, um dann am Wochenende mal Essen zu gehen“, beschreibt Reinhardt das Phänomen der „Luxese“ – einer Kombination aus Luxus und Askese. „In Zukunft werden bestimmte Aktivitäten nur noch von Wenigen bezahlbar sein, die dafür dann Exklusivität offeriert bekommen.“

Jeder Fünfte verdient sich in der Freizeit etwas hinzu

Bereits heute geht die soziale Schere auch bei der Freizeitgestaltung auseinander: So verbringen in Haushalten mit einem Mindest-Einkommen von 3500 Euro rund doppelt so viele Menschen Zeit mit dem Partner oder nutzen das Internet wie solchen mit höchstens 1500 Euro Monatsnetto. Letztere liegen dafür in Sachen spontane Aktivitäten vorn – und zwar deutlich.

Wo Geld fehlt, krempeln immer mehr Deutsche auch in ihrer Freizeit die Ärmel hoch für einen Nebenjob. Jeder Fünfte verdient sich mindestens einmal monatlich etwas hinzu, jeder Zehnte sogar wöchentlich. „Es ist bemerkenswert, wie viel Lebenszeit da geopfert wird“, sagt Arbeitspsychologe Prof. Tim Hagemann. Und dabei gehe es keineswegs nur um schicke Extras. Auch Geldsorgen und Altersabsicherung als „große Unbekannte“ trieben viele Menschen um.

Rausgehen? Eher die Ausnahme

Während 1982 noch 36 Prozent der Deutschen sagten, sie seien bereit, für mehr Freizeit weniger Geld in Kauf zu nehmen, sind es heute noch 27 Prozent. Vor allem bei den Geringverdienern will das nur noch jeder Fünfte. Hingegen würde jeder dritte Besserverdienende Finanzeinbußen für mehr freie Zeit hinnehmen.

Freizeit außerhalb der eigenen vier Wände bleibt eher Ausnahme als Regel. Spazierengehen, Radfahren und Gartenarbeit liegen vorn, die Hälfte der Deutschen treibt wenigstens einmal im Monat Sport. Theater oder Museen besuchen jedoch nur drei Prozent.

Und auch ums Ehrenamt –
in den vergangenen Jahren verstärkt mit großen Kampagnen beworben – steht es eher schlecht: „Viele fangen damit an, aber merken, dass es viel Zeit kostet. Deshalb gibt es eine hohe Abbrecherquote“, sagt Reinhardt.