NEUE AUFTRITTE

Angelo über seine Kelly Family

Kaum eine Band wurde in den 1990er-Jahren gleichzeitig so geliebt und gehasst wie die Kelly Family. Jetzt ist die Band zurück! Angelo Kelly erläutert Britta Schultejans, warum sich heute alle mehr Mühe geben müssen.
dpa
Der Musiker Angelo Kelly im Jahre 2015. Das einst jüngste Mitglied der Kelly Family hat inzwischen selbst eine große Familie gegründet. Foto: Ingo Wagner
Der Musiker Angelo Kelly im Jahre 2015. Das einst jüngste Mitglied der Kelly Family hat inzwischen selbst eine große Familie gegründet. Foto: Ingo Wagner Ingo Wagner
Angelo Kelly vor 22 Jahren. Er berührte die Fans mit seiner glockenhellen Stimme. Foto: Matthias Hiekel
Angelo Kelly vor 22 Jahren. Er berührte die Fans mit seiner glockenhellen Stimme. Foto: Matthias Hiekel Matthias Hiekel
Berlin.

Wie fühlt es sich denn an, nach so vielen Jahren wieder mit den Geschwistern zusammenzuarbeiten?

Es ist ein tolles Gefühl. All die Jahre war der Wunsch da, aber es ist immer daran gescheitert, dass man zu viel auf einmal wollte. Indem wir uns ein kleineres Ziel vorgenommen haben und erst einmal ein Konzert zusammen machen wollen, war das eher fassbar für alle. Alle sahen noch nebeneinander Luft für andere Projekte. Da entstand dann immer mehr Vertrauen – und auch der Wunsch nach mehr. Dass das Konzert dann so schnell ausverkauft war, hat uns völlig überrascht. Damit haben wir nicht mehr gerechnet.

Warum nicht?

Weil es so lange her ist. Man wusste ja nicht, ob die Kelly Family noch zeitgemäß ist. Wir haben den starken Wunsch gehabt, dieses Kelly-Family-Erlebnis wieder zu haben. Dass wir damit nicht alleine sind, dass viele Menschen da draußen auch dieses Verlangen haben, da konnten wir uns ja nicht sicher sein. Aber offensichtlich waren wir nicht allein mit diesem Gedanken.

Was machen Sie als Band heute anders?

Ich singe nicht mehr wie mit zwölf und wir sehen auch nicht mehr so knackig aus. Wir müssen heute besser singen, damit das nicht auffällt.

Entdecken Sie alte Gruppendynamiken wieder? Oder ist alles neu?

Am Anfang ging es um ein Herantasten und darum, zu schauen, wie es ist. Aber als wir das erste Mal zusammen in einem Kreis standen und zusammen gesungen haben in diesem typischen Kelly-Chor, da war es so, als wäre nichts gewesen. Der Chor stand nach 20 Jahren da wie eine Eins. Das ist einfach in der DNA drin und das kriegt man nicht weg. Das war schon der Knaller. Es ist natürlich in der Zusammenarbeit nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Mit manchen bin ich auf die Bühne zurückgekehrt, weil ich sie privat sehr mag, mit anderen ist der Kontakt nicht so intensiv. Was uns alle verbindet, ist, dass wir erwachsen geworden sind.

Wie war der Kontakt zu Ihren Geschwistern vor dieser Wiedervereinigung?

Es war sehr sehr unterschiedlich. Ich habe mit manchen meiner Geschwister erst ohne die Musik eine viel engere Beziehung aufgebaut – mit anderen war es umgekehrt. Wenn man nicht mehr jeden Tag auf engstem Raum zusammenhockt, merkt man erst, wie nah man sich wirklich steht. Mit Jimmy hatte ich zum Beispiel jahrelang keinen Kontakt – und jetzt einen sehr engen. Mit Joey hatte ich immer engen Kontakt.

Wie sehr hat sich die Branche verändert seit Ihren großen Erfolgen in den 1990er-Jahren?

Die Branche hat sich definitiv verändert, aber es hat auch einiges überlebt. Es gibt immer noch Bands, die von einer Platte eine Million Exemplare verkaufen. Vor zehn Jahren hätte man gedacht, dass alles einfach den Bach runtergeht. Aber es hat sich relativ positiv entwickelt. Unsere Verbindung mit den Medien ist heute ganz anders. Wir haben damals nur die „Bravo” reingelassen. Auch das war ein Fehler, weil wir dann irgendwann nur noch eine Teenie-Band waren. Das lernt man dann auf die harte Tour.

Welchen Fehler haben Sie, beziehungsweise die Band, denn noch gemacht?

Ein Fehler war bestimmt, dass wir über viele Jahre durchweg jedes Jahr eine Platte rausgebracht haben. Wir haben keine Pause gemacht und haben uns selber damit komplett fertiggemacht – körperlich und geistig. Und wir haben den Markt so übersättigt, dass die Leute schon keine Lust mehr auf die Kelly Family hatten.

Finden Sie es rückblickend schade, Ihre Kindheit im Rampenlicht verbracht zu haben?

Ich habe es selber nicht als negativ empfunden und auch nicht als Jackson Five oder so. Im Großen und Ganzen war ich sehr glücklich. Und als es Mitte der 90er zu viel wurde, da hat das auch unseren Vater überfordert. Das war ein Tornado.

Sind Sie traurig, dass Paddy und Maite beim Comeback nicht dabei sind?

Wir haben vor zwei Jahren begonnen, über eine Reunion zu reden. Für Joey war immer klar, dass er das gerne machen würde. Bei Paddy und Maite hat das gewechselt. Hätte man mich vor fünf, sechs Jahren gefragt, hätte ich vielleicht auch nein gesagt. Aber wir wollten keine weiteren vier, fünf Jahre ins Land ziehen lassen, bis die Pläne konkret werden.

Sie haben inzwischen selbst fünf Kinder, mit denen Sie auch Musik machen und auf der Bühne stehen. Eine Kelly Family II?

Ich mache schon einiges anders. Von außen betrachtet hat man bei mir natürlich den größten Déjà-vu-Effekt. Natürlich gibt man vieles weiter, was man schon kennt. Aber man hat meine Kinder nicht jede Woche in der „Bravo” gesehen. Erst vor anderthalb Jahren gab es das erste Pressebild. Ich habe das ganz langsam, peu à peu, gemacht. Ich hab als Kind gerne mal ein paar Hundert Konzerte im Jahr gegeben, aber für unsere Kinder haben wir das definitiv reduziert.

„An Angel“, einer der größten Kelly-Hits, wurde vor allem wegen Ihrer glockenhellen, vorstimmbrüchlichen Stimme zum Erfolg. Kriegen Sie das heute noch hin?

Auf der neuen Platte singe ich das mit meiner Tochter Emma. Das klingt wie ein Marketing-Gag, aber wir saßen an Weihnachten auf dem Sofa und ich hab‘ das meinen Kids vorgespielt – dann hat Emma das gesungen und ich war total gerührt. Ich habe davon eine Gänsehaut bekommen.

Wird Ihre Tochter beim großen Konzert mit Ihnen auf der Bühne stehen?

Das entscheiden wir Schritt für Schritt. Wenn sich das ergibt: toll. Weitere Auftritte nach der Show von Florian Silbereisen haben wir erst einmal abgesagt. Ich will Emma nicht durch 1000 TV-Shows verheizen.

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