Im Buch erzählt Armin Mueller-Stahl von seiner Karriere in der DDR und dem schmerzhaften Wechsel in den Westen.
Im Buch erzählt Armin Mueller-Stahl von seiner Karriere in der DDR und dem schmerzhaften Wechsel in den Westen. Rainer Jensen
Die Lebensgeschichte des Kult-Schauspielers

Armin Mueller-Stahl hofft auf lustigen Gang in die Kiste

Noch heute halten ihn Leute gelegentlich für Thomas Mann. Mit dem Fernseh-Dreiteiler „Die Manns“ hat der heute 83-Jährige Filmgeschichte geschrieben. In einem neuen Buch erzählt er über sein deutsch-deutsches Leben.
dpa
Berlin

Es gibt wohl wenige Lebensgeschichten, die so stark mit Ost und West verbunden sind wie die von Armin Mueller-Stahl. 25 Jahre nach dem Fall der Mauer gibt der Ausnahmeschauspieler in seiner Autobiografie „Dreimal Deutschland und zurück“ beeindruckend offen, humorvoll und uneitel Einblick in sein Leben in beiden Teilen Deutschlands. „Ich habe in drei Deutschlands gelebt und konnte mit keinem richtig warm werden“, gesteht der heute 83-jährige Charakterdarsteller in seinen Memoiren, die „Merian“-Chefredakteur Andreas Hallaschka aufgeschrieben hat. „Ich konnte es nicht im Faschismus, ich konnte es nicht in der DDR, und ich mochte überhaupt nicht die „Aufarbeiter“ in der alten Bundesrepublik, die über die Menschen in der DDR richteten.“

1930 im ostpreußischen Tilsit geboren und im brandenburgischen Prenzlau aufgewachsen, lebte er als „Wossi“ lange im gutbürgerlichen Westen Berlins, während er an der Ost-Berliner Volksbühne arbeitete. Nach dem Bau der Mauer ging er freiwillig in die DDR: „Ich hoffte auf die Verwirklichung von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“

Mit Filmen wie „Königskinder“ (1962), „Nackt unter Wölfen“ (1963) und „Jakob der Lügner“ (1974) wird er zum Aushängeschild des DDR-Films, mit seinen Fernsehproduktionen zum Publikumsliebling. Doch zunehmend leidet er unter der Gängelei des Systems. Als er als erfolgreicher James Bond des Ostens aus dem TV-Vorzeigeprojekt „Das unsichtbare Visier“ aussteigt und für Jahre keine Aufträge mehr bekommt, entschließt er sich 1979 schweren Herzens zum Wechsel in den Westen.

Film mit Fassbinder als zweiter Karriere-Start

Dass ihm dort unterschwellig sein langes Ausharren in der DDR vorgeworfen wird, macht die Ankunft in der neuen Heimat nicht leichter. Trotzdem geht es beruflich auch im anderen Deutschland schnell bergauf. Der Film „Lola“ mit Regisseur Rainer Werner Fassbinder wird die Eintrittskarte für die zweite Karriere. Mit fast 60 folgt der Sprung nach Hollywood.

Als Mueller-Stahl sein Buch am Montagabend im Berliner Theater am Schiffbauerdamm vorstellt, in dem einst seine Karriere begann, wirkt er mit sich im Reinen. Selbstironisch und schlagfertig lässt er sich auf dem „Blauen Sofa“ von ZDF-Moderator Wolfgang Herles auch nach persönlichen Dingen befragen. Trotz allen Erfolgs, würde er im nächsten Leben lieber Dirigent und Komponist werden, gesteht er. „Von der Musik werde ich am meisten und am tiefsten berührt.“ Mit seiner Frau Gabi lebt Mueller-Stahl seit mehr als 35 Jahren zusammen – teils in Kalifornien, teils in seinem Haus an der Lübecker Bucht. Angst vor dem Tod habe er nicht, aber Angst vor dem Sterben. „Ich hoffe, dass es, wenn wir Abschied nehmen, ohne Dramatik ist, dass es lustig in die Kiste geht.“

Armin Mueller-Stahl, Dreimal Deutschland und zurück, Hoffmann und Campe Verlag Hamburg 2014, 240 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-455-50317-3.

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