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Atzes Sprüche hätte jeder gern drauf

Wenn sich Komiker Atze Schröder so richtig amüsieren will, hört er den Leuten beim Stadtbummel zu.
Wenn sich Komiker Atze Schröder so richtig amüsieren will, hört er den Leuten beim Stadtbummel zu.
Susann Moll

Der Sprücheklopfer mit den Locken ist am 22. November zu Gast im Neubrandenburger Jahnsportforum. Vorher hat Atze Schröder unserer Reporterin Susann Moll verraten, woher er seine Inspiration nimmt, worüber er selbst lacht und warum die Kanzlerin in seinem Programm „Richtig Fremdgehen!“ eine Rolle spielt.

Herr Schröder, die Wirtschaft im Osten boomt. Wann machen Sie Ihren ersten Kiosk in Neubrandenburg auf?

(lacht) Ja, da muss ich echt mal drüber nachdenken. Ich war allerdings schon ein paar Jahre nicht mehr in Neubrandenburg. Eigentlich habe ich ja nicht wirklich einen Kiosk. In dem im Fernsehen hab ich 2006 zum letzten Mal gestanden. Ich konnte es auch nicht mehr sehen. Ich glaube, ich habe über 400 Drehtage zwischen den alten Lakritzstangen und (lacht) den Heftchen gestanden.

Also kennen Sie Neubrandenburg?

Ja. Ich hab da schon zweimal gespielt. Einmal ist der Golden Retriever von unserem Lichttechniker weggelaufen und die Feuerwehr von Neubrandenburg hat ihn wiedergebracht — mit einem Löschfahrzeug. Sie haben ihn erkannt, weil er einen Backstage-Ausweis am Halsband hatte. Die haben dann sechs Freikarten gekriegt und allen war geholfen.

Waren Sie denn auch schon mal privat in MV?

Ich bin leidenschaftlicher Segler. Von daher war ich in Rostock-Warnemünde schon oft. Einmal wäre ein Auftritt fast ins Wasser gefallen, weil ich in einer Jolle gesegelt und gekentert bin.

Wundern Sie sich manchmal, dass die Leute den Ruhrpott-Proll so komisch finden?

Mir geht es so und den meisten Leuten sicher auch: Egal ob man im Supermarkt an der Kasse steht und sich einer vordrängelt oder sonst was, in so einem Moment hätten wir gern Sprüche wie Atze drauf. Das hat natürlich eine Faszination und ist vielleicht auch das, was die Leute an Atze so charmant finden. Ich bin zwar frech auf der Bühne, aber nie ätzend.

Der Mensch hinter Atze Schröder ist also nicht so schlagfertig?

Der private Atze überhaupt nicht. Leider! Mir fehlen auch oft die Sprüche. Im wahren Leben bin ich unglaublich höflich – das würde ich schon so sagen.

Worüber können Sie denn am besten lachen?

Über Komiker wie Anke Engelke, Martina Hill, Carolin Kebekus. Paul Panzer finde ich brüllend komisch. Bastian Pastewka. Stromberg – die Serie ist zum Schreien. Aber wenn ich mich so richtig amüsieren will, gehe ich in die Stadt. Ich habe vorhin ein Fischbrötchen gegessen in einem kleinen Laden. Da hätte ich den ganzen Nachmittag verbringen und mir ins Fäustchen lachen können.

Also einfach über Alltagssituationen?

Ja. Wenn ich mich amüsieren will, gehe ich teilweise ins Kaufhaus in die Abteilung für Damen-Oberbekleidung.

Werden Sie dort inspiriert zu neuen Gags?

Ja, unbedingt. Gestern war ich unterwegs und habe einen alten Spruch gehört, den ich noch nicht kannte: Ein Unterrock zieht mehr als sieben Pferde. Der passt natürlich toll zu meinem neuen Programm „Richtig Fremdgehen!“. Den habe mir sofort aufgeschrieben. Auch in Neubrandenburg wird der Spruch sicher zu hören sein.

Jetzt mal ehrlich: Manche Leute behaupten, dass Ihre Locken nicht echt sind?

Wer behauptet denn so was? Die sind so was von echt (lacht).

Sie haben schon viele Auszeichnungen bekommen — fünfmal auch den Deutschen Comedypreis. Sind Sie auf etwas besonders stolz?

Ja, auf eine Sache bin ich echt stolz. Letztes Jahr wurde ich von 1Live, das ist der große Sender in Nordrhein- Westfalen, mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Das nennt sich die 1Live Krone. Kurz bevor ich den Preis in Empfang genommen habe, hat mir der Redakteur gesagt, sie hätten versucht, einen Film zusammenzustellen, wo 20 meiner Kollegen – von Bülent Ceylan bis Anke Engelke – etwas Schlechtes über mich sagen. Sie haben keinen gefunden. Darauf war ich stolz. Das war die größte Auszeichnung meiner Karriere. Da habe ich Tränen in den Augen gehabt.

Ich habe gedacht, dass Sie heute mehr als Atze Schröder sprechen…

Ich hab das tatsächlich letztens im Radio in Berlin gehabt, dass ein Redakteur total unzufrieden war. Der sagte: „Nee, dat hab ich mir aber janz anders vorjestellt hier. Was ist denn hier mit de Sprücheklopperei und so?!“ Da habe ich gefragt: „Also Sie wollen den Kiosk-Atze?“ Und da sagt er: „Ja, ick will den Kiosk-Atze.“ Da hab ich gesagt: „Dann schreiben Sie mir ein Drehbuch. Dann sprech ich die Texte.“

Ich freue mich eher über dieses Gespräch.

Alles andere ist ja auch langweilig, so komikhaft. Wenn nichts dahinter wäre, ich glaube, dann hätte ich auch nicht so viel Stammpublikum. Die Leute kommen ja wieder, weil sie merken, auch wenn‘s ein harter Gag ist, da ist Augenzwinkern dabei. Und ihnen wird auch mal was Politisches untergejubelt.

Sind Sie denn politisch?

Nicht mehr als der Durchschnittsbürger. Letztlich interessiert mich an Merkel mehr der rote Blazer als die politische Aussage. Da taste ich eher ab, was ich für mein Programm verwenden kann. Udo Jürgens hat mal gesagt: „Unattraktiven Menschen ist es leicht, treu zu sein.“ Und egal was man der Merkel nachsagt, ich glaube, treu ist sie (lacht).

Bei ihr konnten Sie sich nichts für „Richtig Fremdgehen!“ abgucken?

Sie kommt auf jeden Fall im Programm vor. Eben als Vorbild in Sachen Treue. Stammt sie nicht aus Mecklenburg-Vorpommern?

Ich glaube, sie kommt aus der Uckermark.

Das wäre jetzt so ein typisches Thema für mich. Wenn ich auf Tour bin, habe ich bis nachmittags meistens Zeit. Da würd ich mich jetzt voll reinwühlen. Deswegen kenne ich alle Hauptstädte der Welt. Das ist ein Steckenpferd von mir.

Ich teste mal: Die Hauptstadt von Senegal?

Senegal? (überlegt kurz) Dakar!

Woher kommt das Hobby?

Jetzt kommt eine herzzerreißende Geschichte… Nein, wir hatten früher kein Geld, sagen wir es mal so. Wir sind nie in den Urlaub gefahren. Aber man hat natürlich den Drang, die Welt kennenzulernen. Ich hab mir immer mit dem Finger auf der Landkarte vorgestellt, wie es da wohl ist. So war Geografie immer mein totales Steckenpferd. Und mittlerweile ist man dann doch in der Lage irgendwo hinzufliegen.

Haben Sie Familie – Frau und Kinder?

Nee, aber ich habe viele Patenkinder durch mein Engagement in Westafrika. Ich sponsore dort ein Kinderheim. Da möchte man eigentlich bei jedem Kleinen sagen: Ich bin dein Pate. Das reicht mir auch.

Wie kam es zu diesem Engagement?

Ich hab bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ eine halbe Million gewonnen. Und dann ging‘s drum: Was machen wir mit dem Geld. So kam es zu diesem Projekt. Ich bin auch ein-, zweimal im Jahr da und fühle mich denen nun schon über Jahre verpflichtet.

Atze Schröder ist mit "Richtig fremdgehen" am 22.11.2014 um 20 Uhr im Jahnsportforum Neubrandenburg.

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