KOMMENTAR

Auch im Osten gab es ein Leben in den 80ern

„Gottschalks große 80er-Show“ war für das ZDF quotenmäßig ein Erfolg. Aber bis auf Katharina Witt in einer peinlichen Alibi-Ossi-Rolle kamen Stars, Musik oder Filme aus dem Osten nicht vor. Ein Kommentar.
Marina Spreemann Marina Spreemann
„Gottschalks große 80er-Show“ im ZDF ließ den Osten außen vor (Archivbild).
„Gottschalks große 80er-Show“ im ZDF ließ den Osten außen vor (Archivbild). Kai-Uwe Wärner
Neubrandenburg.

Erinnerungen und Musik aus der Jugend am Samstagabend? Warum nicht. Nur komisch, dass es für die ostdeutschen ZDF-Gucker irgendwie nicht so viel zum Erinnern gab. „Eiskönigin“ Katharina Witt musste eine eher peinliche Alibi-Ossi-Rolle spielen und wurde dann noch von Thomas Gottschalk „abgewürgt“, wenn sie von Fernsehabenden mit dem „Kessel Buntes“ zu erzählen begann.

Ansonsten: Nix mit Ost-Stars, nix mit Musik aus dem Osten, nix mit Filmen oder Mode aus dem Osten. Aber auch zwischen Rostock und Gera, Magdeburg und Frankfurt/Oder waren die Leute jung und lebten ihren Alltag. Hatte das ZDF einfach Angst, dass ihm unkritische Ostalgie vorgeworfen wird? Oder war es Ignoranz und Arroganz, den Osten irgendwie „wegzulassen“?

Bestimmt gibt es diese Woche noch irgendeine ZDF-Talkrunde darüber, warum die Ossis sich immer unverstanden fühlen und so schlechte Laune haben. Ja, warum wohl?

Übrigens ist es noch gar nicht so lange her, dass ZDF-Chefredakteur Peter Frey selbst angemahnt hat: Der Osten hat zu wenig Stimme.

Hintergrund „Gottschalks große 80er-Show“:

Deutschlands Show-Dino hat dem ZDF am Samstagabend den Quotensieg beschert: Thomas „Gottschalks große 80er-Show“ widmete sich zweieinhalb Stunden diesem Jahrzehnt – und im Schnitt sahen4,91 Millionen Menschen zu. Das brachte dem Zweiten einen Marktanteil von 17,2 Prozent.

Umfragen hatten schon zuvor ergeben, dass die 1980er-Jahre das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen seien: So erklärte Moderator Thomas Gottschalk (69) zu Beginn der Show: „Alle, die es erlebt haben, werden sich heute noch mal erinnern, warum das so war. Und alle, die es nicht erlebt haben, werden sich heute ärgern, dass sie so spät geboren sind.“

Vor allem die vermeintlich letzte Generation, die sich noch für das Medium Fernsehen und die große Samstagabendshow begeistert, dürften sich von der Sendung angesprochen gefühlt haben.

Es gab Live-Musik statt Playback-Theater – Stefan Raabs ehemalige Showband Heavytones machte es möglich. Sänger Heinz Rudolf Kunze gab mit Schlagersängerin Nicole „Dein ist mein ganzes Herz“ zum Besten, und Scorpions-Sänger Klaus Meine ließ „Wind Of Change“ von den jungen Musikern Max Giesinger undMichael Schulte interpretieren.

Gottschalk war voll in seinem Element. Für Gottschalk steht das Jahrzehnt für seinen Wechsel vom Radio zum Fernsehen, wo er schließlich zum „Wetten, dass ...?“-Moderator aufstieg. An diesem Abend schloss sich der Kreis: „Einmal machen wir es noch“, meinte er und startete schon mal einen Wettaufruf für die Wiederauflage im November 2020.

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Kommentare (1)

Was geschah mit den " Sprengstoffproben" nach der Entnahme?