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Auf zum Roadmovie im Theater Neubrandenburg

Wandlungsfähig: Giulia Weis als Friedemanns Mutter und Thomas Pötzsch als kleiner Schlaumeier Friedemann zusammmen mit Maik (Fabian Quast, 2. von links) und Tschick (Sven Jenkel.
Wandlungsfähig: Giulia Weis als Friedemanns Mutter und Thomas Pötzsch als kleiner Schlaumeier Friedemann zusammmen mit Maik (Fabian Quast, 2. von links) und Tschick (Sven Jenkel.
Tom Schweers

13 Figuren und nur vier Darsteller - wie geht das denn? Sehr gut, wie die Inszenierung von "Tschick" am Theater Neubrandenburg-Neustrelitz zeigt.

Fieberhaft arbeitete Wolfgang Herrndorf im Frühjahr 2010 an seinem Jugendroman "Tschick". Er wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Im Februar des gleichen Jahres hatten die Ärzte einen bösartigen Hirntumor festgestellt. Schon mit 45 Jahren stand für ihn fest, dass sein Leben irgendwann in den kommenden Jahren zu Ende gehen wird. "Jetzt von Anfang an: jeden Tag mindestens ein Kapitel. In spätestens 52 Tagen ist es fertig. Heute: Kapitel I." Die Inszenierung der Theaterfassung, geschrieben von Robert Koall, die am Freitagabend im Neubrandenburger Schauspielhaus eine glänzende Premiere feierte, nimmt das rasante Schreibtempo Herrndorfers auf. Als Tschick seinen von den Ferien gelangweilten Klassenkameraden Maik Klingenberg mit dem geklauten Lada abholt, beginnt ein klassisches Roadmovie. Im Roman geht es quer durch Deutschland Richtung Walachei.

"Tschick" könnte der Renner der Saison werden

Auf der Bühne spielt sich die Tour zwischen den sparsam eingesetzten Requisiten ab. Tschick (Sven Jenkel) und Maik (Fabian Quast) "fahren" auf einem riesigen Ghettoblaster von Abenteuer zu Abenteuer. Hut ab vor der Leistung von Fabian Quast. In den eineinhalb Stunden - ohne Pause - muss er nicht nur eine riesige Textmenge bewältigen, was er in einer Mischung von jugendlicher Ernsthaftigkeit und Komik auch außerordentlich hervorragend tut.

Das Stück hat das Zeug, zum Renner der Saison zu werden. Und: Wer als Deutschlehrer seine Schüler partout nicht für Dramatik begeistern kann, dem sei ein Besuch von "Tschick" wärmstens empfohlen.

Nächste Aufführungen: Schauspielhaus Neubrandenburg, 31.10., 14.11. (jeweils 19.30 Uhr), 18.11., 10 Uhr