Joerg Metzner
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Joerg Metzner
Ladies Night

Ausziehen! Ausziehen!

Es fallen alle, wirklich alle Hüllen! Dieses Theaterstück lässt nackte Tatsachen sprechen! „Ladies Night“, das in Neustrelitz Premiere feierte, setzt voll und ganz auf Unterhaltung. Was sagt eine Frau, was sagt ein Mann zur Komödie – lesen Sie hier.
Neustrelitz

Der Gang zum Arbeitsamt gerät zur peinlichen Blamage, der Tanzunterricht verkommt zur Ein-Mann-Show einer schwulen Drama-Queen und die zwei Stunden bis alle, wirklich alle Hüllen fallen, pflastert Regisseur Frank Matthus mit Schenkelklopfern, Gags, prolligen Herrenwitzen und eher wenigen feinsinnigen Pointen. Die Besinnung auf wahre Werte wie Zusammenhalt, Freundschaft, Mut und in schweren Zeiten füreinander einstehen findet erst kurz vor dem grandios inszenierten Strip Platz. Dafür aber umso ergreifender.

 

Das sagt eine Frau zum Strip

von Gesine Prägert

Der Publikumsliebling
Westover mit Rautenmuster, das Rhythmusgefühl einer Kartoffel und ein Blick, der Frauenherzen erweicht. Mit dem herrlich trotteligen, aber so liebenswürdigen Muttersöhnchen Norman (Michael Goralczyk) muss man auf seinem Weg ins schlüpfrige Gewerbe einfach mitfühlen. Wie er beim ersten Strip verschämt im Liebestöter, einer knielangen, weißen Baumwollunterhose, auf den Boden starrt – frau möchte ihn in den Arm nehmen. Erst recht, wenn er schluchzt: „Ich krieg das nicht hin. Ihr seid ja richtige Männer.“

Der beste Strip
Was der harte Dave (Thomas Pötzsch) mit seinen Hüften auf der Bühne anstellt, da staunt frau nicht schlecht. Pogewackel allererster Güte. Sinnlich. Und als das Sextett am Ende in schnittiger Polizeiuniform dem Finale entgegenstrippt, ist die Welt sowieso in Ordnung.

Der größte Lacher
Wird von …? Na klar, Norman geliefert. Zur Erotik-Nummer „Je t’aime“ präsentiert er seine ganz eigene Stripnummer. Im akkuraten Seit-und-Schließ-Muster tippt er von einem Fuß auf den anderen. Wunderbar ungelenk, schrecklich unbeholfen. Und versucht sich anschließend an eindeutigen Posen am Boden. Das Publikum juchzt vergnügt, von der ersten bis zur letzten Minute. Die Komödie auf einen Lacher reduzieren ist unmöglich.

Die beste Besetzung
Gibt‘s nicht, denn: Alle waren grandios. Als wären die Figuren einzig und allein für sie geschrieben worden. Ob der pummelige Rocker Barry (Thomas Kornack) oder Strip-Senior Graham (Michael Kleinert). Höhepunkt jedoch: Der homosexuelle, laszive Gavin (Alexander Mildner), für den die letzte Hülle gar nicht schnell genug fallen kann.

Fazit
Echte, entblößte Männer. Ein Riesenspaß mit ernster Note. Muss frau gesehen haben.

 

Das sagt ein Mann zum Strip

von Marcel Auermann

Der Publikumsliebling
Norman ist ein Muttersöhnchen: naiv, dümmlich, völlig weltfremd. Das weckt beim Publikum die Elterninstinkte. Man möchte diesen völlig verwirrten, schüchternen, unaufgeklärten, vermutlich bis jetzt asexuellen Jungen in Obhut nehmen. Wie Michael Goralczyk als Norman im rosa, ballonseidenen Jogging-Anzug vor seinen Kumpels steht – ein göttlich alberner Anblick.

Der beste Strip
Den gibt‘s zum Schluss, wenn alle sechs Kerle in Polizeiuniform doch noch eine perfekt choreografierte Nummer hinlegen. Und das, obwohl sie sich zuvor keinen einzigen Schritt merken können, nicht im Takt die Lenden kreisen und die Liebestöter voll haben, weil sie erfahren, dass zum richtigen Strippen eben auch das Zeigen des „Schniedelwutzes“ gehört. Der heißeste Moment des Stücks ist zugleich auch der überraschendste. Toll!

Der größte Lacher
Gibt es den größten Lacher? Nein, beziehungsweise will man sich gar nicht entscheiden müssen. „Ladies Night“ besteht nur aus Krachern – aus verbalen, aber auch aus mimischen. Zusammen ergeben sich locker-flockig-fluffige 120 Minuten Unterhaltung. Jede einzelne ist ein Genuss.

Die beste Besetzung
Stößchen! Wenn Alexander Mildner als stockschwuler Gavin das Piccolöchen aus dem Kühlschrank holt, während alle anderen die Bierflaschen ploppen lassen, wenn er geifernd dem gelenkigen Wesley (Axel Rothe) hinterherhechelt und er Norman mir nichts, dir nichts die Zunge in den Hals steckt, dann ist klar: Mildner spielt ohne Scheu. Nichts ist ihm zu abgedreht. Er gibt alles.

Fazit
Dieses Stück kann und muss man sich mehrfach ansehen, weil man beim ersten Mal vor lauter Lachen gar nicht alles mitbekommt.

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