Literatur
Beziehungsstress im Paradies

Mark Twain: Aus den Erinnerungen von Adam und Eva. Hanser Verlag, München, 2019.
Mark Twain: Aus den Erinnerungen von Adam und Eva. Hanser Verlag, München, 2019.
Hanser Literaturverlage

„Aus den Erinnerungen von Adam und Eva“ plaudert US-Ikone Mark Twain für ein lachbereites Publikum. Andreas Thalmayr, alias Hans Magnus Enzensberger, macht daraus eine „ziemlich eingedeutschte“ Version der biblischen Stammeltern-Story.

„Ich muss sagen: Früher, als ich allein war, ging es ruhiger zu im Paradies.“ Das stellt Adam konsterniert fest. Überdies wird ihm weisgemacht, Unruhestifterin Eva entstamme einer seiner Rippen, und er sei mithin selbst Verursacher des Troubles. Doch er zählt nach: Alle Rippen da! Wie auch immer, für Adam ist der Friede seines Lotterlebens gestört, weil Eva Flausen im Kopf hat, neugierig ist und allem – offenbar auf anonyme Anweisung von „oben“ – Namen geben muss. Ihr zu widersprechen: „Völlig zwecklos.“ Zoff im Paradies.

Diese Version der biblischen Stammeltern-Story von US-Ikone Mark Twain (1835-1910), als Tom-/Huck-Erzeuger und literarischer Tausendsassa bekannt, sorgt für gute Lese-Laune. Zumal Andreas Thalmayr den Text nicht nur zusammengepuzzelt, sondern auch „ziemlich eingedeutscht“ hat. Thalmayr – ein Alias für den schelmischen Ober- und Alt-Intellektuellen Hans Magnus Enzensberger (89).

Der Band „Aus den Erinnerungen von Adam und Eva“ hat das Zeug zum (Oster)-Geschenk für Leute, die lachbereit sind und mit der Ur-Geschichte des ersten Menschenpaars entspannt umzugehen vermögen. Illustrator Francesco Ciccolella macht einen Hingucker draus, in der Ausstattung mit farbüppigen Bildern im Schablonen-Dekor waltet Großzügigkeit. Ein schön gestaltetes Buch.

Ganz verrückt nach Äpfeln!

Darin hält Adam Eva zunächst für „nicht ganz dicht“. Sie loszuwerden – keine Chance. Denn: Wenn nötig, rinnt ihr Salzwasser aus den Augen, ein echter Weichmacher für ihn. „Ich rede für mein Leben gern“, bekennt Eva, hört Adam aber „nicht ungern zu, wenn er endlich einmal den Mund aufmacht“. Dass Adam keinen Spaß versteht, wenn es um sein Haus geht, findet sie albern. Und überhaupt, seine Fantasielosigkeit! Er findet doof, dass Eva Schilder aufstellt: „Das Betreten des Rasens ist verboten.“ In Ausnahmefällen habe Eva aber auch recht, etwa wenn sie sagt, die Sonntage seien so öde, dass man sechs Tage braucht, um sich von ihnen zu erholen.

Adam hat vorausgesehen, dass Evas Affinität zu Schlangen und das neu entdeckte Vegetariertum – die ist ja ganz verrückt nach Äpfeln! – Folgen haben würde. Er legt allerdings Wert auf diese Feststellung: „Es ist eine Falschmeldung, daß man uns vertrieben hat. Die Zustände im Paradies waren so unerträglich, daß ich es freiwillig verlassen habe.“ Mit Eva, die die Sache selbstredend anders sieht, auf dem Pferderücksitz.

Man verrät nicht zu viel, wenn man von einem Happyend in der Paradieslosigkeit spricht. Eva und Adam lieben sich intensiv und vermehren sich fleißig. Mit 30 haben sie schon 30 Kinder am Hals. Und irgendwann ist auch die Malaise mit ihren beiden Ältesten, Kain und Abel, Geschichte.

Mark Twain: Aus den Erinnerungen von Adam und Eva. Hanser Verlag, München, 2019. 88 Seiten, 18 Euro. ISBN 978 – 3 – 446 – 26246 – 1.