Bernsteinsammler am Strand von Trassenheide.
Bernsteinsammler am Strand von Trassenheide. Den schwarzen Bernstein übersehen sie oft. Kai Ottenbreit
Bei der Suche nach honigfarbenen Bernstein (Bildmitte) wird der schwarze Bernstein (unten links) oft gar nicht für voll g
Bei der Suche nach honigfarbenen Bernstein (Bildmitte) wird der schwarze Bernstein (unten links) oft gar nicht für voll genommen. Er bleibt meistens liegen. Kai Ottenbreit
Bearbeiteter und geschliffener Gagat besitzt einen faszinierenden schwarzen Glanz, aus dem man wunderschöne Schmuckst&uum
Bearbeiteter und geschliffener Gagat besitzt einen faszinierenden schwarzen Glanz, aus dem man wunderschöne Schmuckstücke zaubern kann. Kai Ottenbreit
Usedoms Schätze

Black Amber – das unterschätzte Gold der Ostsee

Akribisch grasen Schatzsucher Usedoms Strände nach Bernsteinen ab. Jeder Splitter wird eingesammelt. Ein mindestens genauso schönes Fossil bleibt dabei unbeachtet liegen.
Heringsdorf

Alle wollen Bernsteine. Beinahe täglich suchen Urlauber und Einheimische Usedoms Strände nach dem Gold der Ostsee ab. Das Verrückte dabei: Den schwarzen Bruder des Bernsteins, den Gagat, lassen die Sammler meistens achtlos liegen. Dabei ist das schwarze Gold der Ostsee, auch Black Amber genannt, ein mindestens genau so schöner Schmuckstein wie der bekanntere Bernstein.

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Einheimische Bernsteinsucher nennen den schwarzen Bernstein auch das missachtete Gold der Ostsee. Seinen Namen hat dieses leichte Gestein nach dem Fluss Gages in Kleinasien. Die Leichtigkeit des Steins liegt an seiner Mineralogie und dem Entstehungsprozess. Der Stein gehört zu den Kohlegesteinen, und wie Kohle sieht er auf den ersten Blick auch aus.

„Ich kenne den Gagat auch als Pechkohle”, sagt Fossiliensammler Martin Haase aus Hohendorf bei Wolgast. „Dieser Stein, wenn man ihn so bezeichnen kann, ist durch Humusgel oder Bitumen imprägniertes fossiles Holz, das sich in einem Übergangsstadium von der Braunkohle zur Steinkohle befindet. Er ist ein wunderschöner schwarze Handschmeichler.”

Sieht aus wie Kohle

Susanne Dombrowski aus Heringsdorf, ebenfalls eine begeisterte Sammlerin von Ostsee-Schätzen, erfuhr erst kürzlich von der Existenz des Gagats. „Ich nahm immer an, wenn ich diese schwarzen Teile am Strand sah, dass es Kohle wäre. Schließlich liegt ja bei uns am Strand sowas häufig rum. Konnte ja nicht ahnen, dass es der schwarze Bernstein sein könnte. Ich dachte immer, da hat irgendwer mal seinen Grill ausgeleert oder es ist Steinkohle, die damals mal von einem alten Kohledampfer über Bord ging.”

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Wegen seines samtartigen Fettglanzes, der durch Polieren noch gesteigert werden kann, wird Gagat als Schmuckstein verwendet. Ob als Kette, als Armband oder als Ohrringe, ziert dieser Stein so manche Dame von Welt bei Opern- oder Ballbesuchen. Die alten Wikinger nutzten diesen Stein wegen seines Glanzes und der leichten Formbarkeit schon in vorgeschichtlicher Zeit als Schmuck und Handelsware. Bevorzugt werden diese Steine, wenn sie bearbeitet und poliert wurden, auch in der Steinheilkunde und für die Chakra-Therapie, da sie einen angenehmen Hautkontakt gewährleisten.

Mit Öl glänzt er besonders schön

Woran erkennt man diesen schwarzen Bernstein am Strand, und woran weiß man, dass es auch wirklich einer ist? „Er sieht aus, wie kleine Kohlestückchen, wie die, die damals der Opa beim Kohleschippen immer liegen ließ”, verrät Martin Haase. „Wenn man den schwarzen Gagat zerbrechen würde, wäre die Bruchstelle fast muschelig. Eine Strichprobe auf einem Stück Papier oder auf weißer Keramik ist braun bis schwarz. Genau wie Bernstein, lädt sich der Gagat bei Reibung elektrisch auf. Er schwebt genau wie der Bernstein über dem Meeresgrund. Man könnte auch sagen, er schwimmt. Nur sollte man sich nicht wundern, wenn man beim Schleifen und Polieren schwarze Finger bekommt”, erklärt der erfahrene Steinsammler und hat noch einen weiteren Tipp parat: „Einen besonders schönen Glanz bekommt der Stein mit ein paar Tropfen Öl auf einem Leinentuch.”

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Da der Stein fast immer übersehen wird, liegt er entlang der gesamten Insel Usedom an den Stränden – oft dort, wo auch die Bernsteine liegen. An Stellen am Strand, an denen kleine schwarze Holzstückchen, Splitter von Bernsteinen oder viele Muscheln liegen, dort ist auch Gagat zu finden – das schwarze Gold der Ostsee.

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