Musical-Premiere

Blondinen, Brillanten und Broadway-Gefühl

Das Musical „Blondinen bevorzugt“ in Neustrelitz ist nach der gefeierten Premiere schon bis zum Jahresende ausverkauft. Kein Wunder bei solch opulentem Vergnügen!
Als fulminantes Duo prägen Laura Scherwitzl und Iuliia Tarasova die ausgelassene Atmosphäre des Musicals.
Als fulminantes Duo prägen Laura Scherwitzl und Iuliia Tarasova die ausgelassene Atmosphäre des Musicals. Jörg Metzner
Iuliia Tarasovas Dorothy (rechts) ist eine selbstbewusste Frau, die mit den Männern – hier Tänzer der Deutsche
Iuliia Tarasovas Dorothy (rechts) ist eine selbstbewusste Frau, die mit den Männern – hier Tänzer der Deutschen Tanzkompanie als flirtlaunige Olympiasportler – zu spielen weiß. Jörg Metzner
Aus dem Heimweh der welt- und geldgewandten Gesellschaft wird in der Neustrelitzer Musicalversion noch ein leidenschaftlicher
Aus dem Heimweh der welt- und geldgewandten Gesellschaft wird in der Neustrelitzer Musicalversion noch ein leidenschaftlicher „Quarantäne-Blues” mit Laura Scherwitzl, Sebastian Naglatzki, Gabriele Thomann, Robert Merwald, Iuliia Tarasova und Andrés Felipe Orozco (von links). Jörg Metzner
Neustrelitz

Ein Hauch von Broadway weht durch die Seenplatte. Doch was heißt hier Hauch, und was heißt hier weht: Was die Theater und Orchester Gesellschaft (tog) da gerade mit dem Musical „Blondinen bevorzugt“ an Broadway-Atmosphäre auf die Bühne bringt, ist eine tüchtig frische Brise. Minutenlanger Premierenapplaus kündete am Sonntagabend davon, wie die ausgelassene Energie des Ensembles auf das Publikum übersprang.

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Neustrelitz kann Musical, war hier nach langer Zeit mal wieder zu sehen: ein Genre, das heutzutage meist nur an ausgewiesenen Musicalbühnen und -ensembles zu Hause ist. Aber die tog hatte nicht nur den Mut, dieses (vor allem durch die Verfilmung mit Marilyn Monroe und Jane Russell berühmte) Stück in den Spielplan zu nehmen. Sie hat auch ein Ensemble mit stimmlichen und darstellerischen Qualitäten, das neben Oper, Operette und Konzert eben auch in diesem Genre zu überzeugen weiß. Und dazu hat sie die musical-erfahrene Gastregisseurin Barbara Schöne verpflichtet, die ein furios auf die beiden Hauptdarstellerinnen zugeschnittenes Vergnügen auf die Bühne bringt.

Allen voran begeistert und erstrahlt Laura Scherwitzl als Lorelei, das Glamourgirl mit der etwas anrüchigen Vergangenheit, von dem sich die Männer nur zu gern etwas vormachen und abluchsen lassen; Inkarnation der Beschützer- und Verwöhnbedürfnisse weckenden Blondine, die im Schutze scheinbarer Naivität raffinierte Ränke schmiedet und mit brillanten Ideen zu den ersehnten Brillanten kommt. Den coolen, gesanglich und spielerisch nicht minder überzeugenden Kontrapunkt setzt Iuliia Tarasova als ihre Freundin Dorothy, die aus reinem Spaß mit Männern spielt.

Opulente Show mit Witz und Liebe zum Detail

Um dieses energiegeladene Duo herum entspinnt sich an Schauplätzen wie Ozeandampfer, Luxushotel oder Nachtclub eine opulente Show, die bis in die vermeintlichen Nebenrollen hinein witz- und detailfreudig für gute Laune sorgt. Die bestens aufgelegten Solisten und der auch diesmal überaus spielfreudige Opernchor der tog bekommen dabei wirkungsvolle Verstärkung durch ihre langjährige Kollegin Gabriele Thomann als trinkfreudig-clevere Mutter, Schauspielerin Karin Hartmann als wohlhabende britische Lady, Gast Gunter Sonneson als ihr flirtanfälliger Gatte und – wiederum eine sichere Bank, um solche Produktionen zu „stemmen“ – das Ensemble der Deutschen Tanzkompanie, bis hin zur Solo-Rolle von Nicola Clarissa Gehring.

Das Orchester unter Leitung von Volker M. Plangg schwelgt im Broadway-Sound zwischen Schmiss und Schmelz, Die Ausstattung von Xenia Lassak in luftigem Ambiente und mit fulminanten Kostümen, der ganze Abend in ausgelassener Atmosphäre, das Publikum in feinem Entertainment – umso willkommener nach all den Monaten, in denen Theater um pandemiegerecht straffe Stoffe ringen musste. Mit einem zum „Quarantäne-Blues“ umgewidmeten Song machen die Hauptdarsteller ihrem Beruf nun eine mitreißende Liebeserklärung.

Keine Anlehnung an den Hollywood-Film nötig

Die deutsche Version des berühmtesten Titels aus dem Stück, „Diamonds Are A Girl‘s Best Friends“, kommt natürlich ebenfalls zu Ehren. Doch hier wie im ganzen Verlauf sucht und benötigt die Neustrelitzer Inszenierung keine Anlehnung an den Hollywood-Film. Das 1949 nach einem Roman aus den 20er Jahren (!) entstandene Stück entfaltet seinen Charme in der Spiegelung von Geschlechterklischees, wie sie bis heute allgegenwärtig sind. Unaufdringlich bringt es mit, was gewichtigen Gender-Debatten unserer Tage dann doch zumeist abgeht: Leichtigkeit und Lebensfreude als Basis weiblichen Selbstbewusstseins.

Die nächsten Vorstellungen bis zum Jahresende (am 19. und 26. November sowie 18. Dezember) sind bereits ausverkauft; eventuell zurückgegebene Karten wären an der Abendkasse erhältlich. Weitere Aufführungen gibt es dann am 7. Januar sowie 18. und 20. Februar; Kartentelefon 03981 206400.

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