„Romy in Kitzbühel”

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Buch über verschollenen Romy-Schneider-Film erscheint

Im Buch sind auch Szenen aus dem Film abgebildet. 
Im Buch sind auch Szenen aus dem Film abgebildet.
Repro: Denny Kleindienst

Die Schauspielerin Romy Schneider steht aktuell wieder hoch im Kurs. Ein Romy-Film des Nossendorfer Filmemachers Hans-Jürgen Syberberg aus dem Jahr 1966 wurde erst in den 90er Jahren wiederentdeckt.

Vor 80 Jahren wurde Romy Schneider geboren. Wohl auch deshalb wurden auf dem Sender arte gerade erst mehrere Filme der Schauspielerin gezeigt. Im Spielfilm „3 Tage in Quiberon“, der dieses Jahr ins Kino kam, ging es um das legendäre Interview, das die weltberühmte Schauspielerin 1981 dem „Stern“ gab. Ein Interview, das sich über drei Tage hinzog und für alle Beteiligten zu einer Belastungsprobe entwickelte.

Schon lange davor, im Jahr 1966, traf der Nossendorfer Filmemacher Hans-Jürgen Syberberg die Schauspielerin. Er hatte den Auftrag vom Bayerischen Rundfunk, einen Film über Romy Schneider zu machen. So verbrachten Syberberg und das kleine Filmteam drei Tage mit Romy Schneider in Kitzbühel. Über den Film, der damals entstand, ist nun ein Buch erschienen, das einerseits den Film und was Romy Schneider darin erzählt wiedergibt, anderseits auch auf die Begleitumstände eingeht.

Der damals 30-jährige Syberberg hatte im Jahr zuvor sein Langfilm-Debüt als Regisseur. Romy Schneider war damals 27 Jahre alt und hatte bereits 28 Filme gedreht. Syberberg traf auf „die exilierte Kitsch-Königin des deutschen Heimatfilms“, von der er „nichts kannte“, schreibt er nun im Vorwort des Buches. Seine Wertschätzung hielt sich vor dem Treffen also ziemlich in Grenzen.

„Mit den Schnitten war der Film wertlos“

Fragt man Syberberg heute, wie er über Romy Schneider denkt, sagt er: „Ich würde das nicht so schreiben, wenn sich das nicht geändert hätte.“ Er habe während der Dreharbeiten gemerkt, „dass hinter dem offiziellen Bild eine ganz andere Person steckt“. Nämlich eine Person, die Schwierigkeiten mit sich selbst hat, mit dem, was sie tut. „Eine sehr liebenswerte Person“, sagt Syberberg. Diese Person wollte er in seinem Film zeigen. „Deshalb war das „Nein“ von Harry Meyen für mich ein Schlag ins Gesicht“, sagt er. Harry Meyen ist der Mann, den Romy Schneider 1966 geheiratet hat und der Vater ihres Sohnes David-Christopher, der im Dezember 1966 zur Welt kam.

Der Dokumentarfilm über die Schauspielerin war zunächst 90 Minuten lang. Der Bayerische Rundfunk verlangte eine Kürzung auf 60 Minuten. Das tat Syberberg. Diese geschnittenen 30 Minuten sind heute verloren. Trotzdem war für Syberberg dabei noch der Rhythmus erhalten geblieben: Die drei Tage sind im Film ein Tag, der von früh bis abends dauert und vor dem Kamin endet. Doch bei dieser Version blieb es nicht, weil eben Harry Meyen nach der Abnahme-Vorführung 32 Änderungen verlangte. Der Bayerische Rundfunk stimmte zu. Syberberg aber zog seinen Autorennamen zurück. „Sie wollten den Film buchstäblich vernichten“, sagt er noch heute. „Mit den Schnitten war der Film wertlos.“

Die nochmals geänderte Fassung wurde 1967 ein einziges Mal im Fernsehen ausgestrahlt. Für Syberberg ist es eine wichtige Erfahrung. „Seitdem“, sagt er, „habe ich meine Filme alle in eigener Produktion gemacht.“ Er ist überzeugt, dass sein Hitler-Film oder sein Wagner-Film, lange Streifen mit mehreren Stunden Spielzeit, sonst nicht entstanden wären. „Mit so etwas hätte man nicht durchkommen können.“

Arbeitskopie beim Bayerischen Rundfunk

Im Buch ist denn auch die Abnahmevorführung beschrieben, die Reaktion von Harry Meyen und auch von Romy Schneider, die dabei nur stumm in der Ecke saß. Syberberg sagt: „Ich konnte nicht kämpfen damals. Ich war nur der Regisseur, ich hatte keine Rechte. Das musste ich erst lernen.“

Er war zudem davon ausgegangen, dass seine 60-Minuten-Fassung gar nicht mehr existierte. Ende der 90er-Jahre, als er seine anderen Filme schon gemacht hatte, fragte er noch mal nach beim Bayerischen Rundfunk. Es stellte sich heraus, dass damals tatsächlich jemand vom Sender eine Arbeitskopie gemacht hatte. „Seitdem gibt es den Film wieder.“ Nach der Wiederentdeckung wurde er auch im Bayerischen Rundfunk gezeigt. Auch weil es laut Syberberg niemanden gab, der dagegen hätte klagen können. Harry Meyen hatte sich 1979 das Leben genommen. Romy Schneider starb 1982 in Paris, ein Jahr nach dem Tod ihres Sohnes.

Vorführung in Demmin verspätet

In Demmin kamen dann vor zwei Jahren zwei Frauen auf den Filmemacher zu, die sich wünschten, dass der „Romy-Film“, wie Syberberg ihn selbst nennt, öffentlich gezeigt wird. Dadurch sei er überhaupt erst auf die Idee gekommen, ein Gerüst auf dem Demminer Markt aufzubauen mit der Schaufassade des einstigen Café Zilm, das dort bis 1945 gestanden hatte. Am Abend, als der Romy-Film dort schließlich gezeigt werden sollte, blies ein Orkan die Schaufassade vom Gerüst. Die bedruckte Plane wurde kurzerhand abgenommen, der Film mit etwas Verspätung gezeigt. Für Syberberg passt diese durchaus dramatische Aufführung zur Geschichte, die es rund um seinen Romy-Film gibt. Und auch dieser Aspekt findet in dem Buch nun seine Erwähnung.

Die „3 Tage in Quiberon“ wollte sich Syberberg übrigens nicht ansehen. Er kennt die Szene daraus, als Romy Schneider am Boden liegt. „So wollte ich Romy nicht sehen“, sagt er und fügt hinzu: „Man kann diese lachende Romy schon aus ihr herausholen.“ Ihm ist es jedenfalls gelungen.