Auf dem Neustrelitzer Schlossberg verwandelt sich die Festspielbühne in den nächsten Wochen in eine Arena – un
Auf dem Neustrelitzer Schlossberg verwandelt sich die Festspielbühne in den nächsten Wochen in eine Arena – und Sängerin Jana Markovic in „Carmen”. Susanne Schulz
Das Bühnenbild wird einer Stierkampfarena nachempfunden sein, beherrscht von einer riesigen gebrochenen Banderilla.
Das Bühnenbild wird einer Stierkampfarena nachempfunden sein, beherrscht von einer riesigen gebrochenen Banderilla. ZVG
„Tag des Nordkurier”

„Carmen” singt sich frei für die Festspielsaison

Auf dem Neustrelitzer Schlossberg ist im Juli eine der berühmtesten Opern der Welt zu erleben. Auch den „Tag des Nordkurier” wird es wieder geben.
Neustrelitz

Temperament! Jana Markovic muss nicht lange überlegen, welche Eigenschaft sie wohl mit ihrer nächsten Rolle gemeinsam hat. Vor oberflächlichen Klischees jedoch will sich die junge Sängerin als „Carmen“ auf der Freilichtbühne der Festspiele im Schlossgarten in Neustrelitz hüten.

Für sie gibt es viel zu entdecken an Georges Bizets Oper um die selbstbewusste, freiheitsliebende Frau, deren Stolz nicht nur sie selbst ins Unglück stürzt. Zum ersten Mal singt die 28-Jährige diese Partie: „Das ist DIE Rolle für jeden Mezzosopran“, schwärmt sie. „Es ist eine Ehre, für diese Produktion ausgewählt worden zu sein.“

Erstmals eine opulente Oper bei den Festspielen

So verbringt die Serbin, die in Leipzig Gesang studierte und seit dem Masterabschluss am Opernstudio Linz engagiert war, den Sommer in Neustrelitz, wo gerade die szenischen Proben für „Carmen“ begonnen haben. Erstmals wartet die Theater- und Orchestergesellschaft tog bei den bislang operetten- und singspieldominierten Festspiele mit einer opulenten Oper auf, mit Solisten, Opern- und Extrachor, der Deutschen Tanzkompanie und der Neubrandenburger Philharmonie in einer Kulisse, die die Atmosphäre einer Stierkampfarena aufnimmt.

Gekämpft wird hier indessen um Liebe und Lebensglück zwischen Fabrikarbeiterin Carmen, dem braven Don José, der um ihretwillen seine Laufbahn und sogar seine Jugendliebe aufgibt, und dem stolzen Stierkämpfer Escamillo. Jana Markovic ist froh, dass die Inszenierung auf die der Oper zugrunde liegende Novelle von Prosper Mérimée zurückgreift: „So kommt mehr Hintergrund hinein“, verspricht sie.

Um sich mit ihrer Rolle vertraut zu machen, stellt sich die Sängerin vor, was jene Carmen wohl vom Leben hat: „In eine Situation hineingeboren, in der ihre Möglichkeiten sehr beschränkt sind, hat sie doch einen Fluchtweg gefunden, wie ihr armes Leben reich sein kann“, beschreibt sie das lebenshungrige Naturell der Titelheldin: Das wichtigste Gut, das sie zu gewinnen und zu verlieren habe, sei ihre Freiheit. Nicht religiös, jedoch abergläubisch, akzeptiere die Zigeunerin zugleich ihr Schicksal, als die Karten ihr einen gewaltsamen Tod voraussagen.

Debatte um den Begriff „Zigeuner“

Als „doppelmoralisch“ empfindet die Sängerin die auch in den Proben nicht ausgeblendete Debatte um die heute als rassistisch vermiedene Bezeichnung „Zigeuner“, die indessen in der Literatur und eben auch der Oper aus anderer Zeit gebräuchlich ist. Aufgewachsen im Süden Serbiens, wo viele Roma und Sinti leben, fühlt sich die Sängerin der Kultur jenes Volkes sehr nah: „Sie sind der Höhepunkt des Festes“, erzählt sie. „Wie sie leben, ist eine andere Sache“, verweist sie zugleich auf die einst als „Karton City“ bekannte Elendssiedlung in Belgrad.

Die Freude am Leben übrigens nennt Jana Markovic als eine weitere Gemeinsamkeit mit ihrer Figur. Auch die unmittelbare Gegenwart bleibt bei der Auseinandersetzung mit der Rolle nicht außen vor: Was gerade in der Ukraine geschehe, habe sie selbst als Kind in ihrer serbischen Heimat erlebt. Sich daran zu erinnern, schließe auch ein, „welche Mittel helfen, in solch schlimmen Zeiten durchzuhalten“, sagt sie: „Ein Funken Humor.“

Humor gebe es auch in schwierigen Situationen. „Das ist ja das Schöne am Leben“, stellt die junge Frau fest. Somit gebe es humorvolle Momente natürlich auch inmitten all der Dramatik um „Carmen“ und in dem Wissen, „dass es schwieriger ist, jemanden zum Lachen zu bringen als zum Weinen“.

Preisvorteil für Abonnenten

Inszeniert wird die Open-Air-Oper von dem französischen Regisseur Marc Adam. Die vier Hauptrollen der Carmen, des Don José, der Micaela und des Escamillo werden wegen der anspruchsvollen Partien und der bis zu vier aufeinander folgenden Vorstellungstage doppelt besetzt. Die Premiere findet am 1. Juli um 20 Uhr auf der Freilichtbühne am Schlossberg statt, bis zum 23. Juli folgen zwölf Vorstellungen.

Auch den Tag des Nordkurier, auf den in den vergangenen zwei Jahren corona-bedingt verzichtet werden musste, wird es diesmal wieder geben. Die Vorstellung am 9. Juli ist den Abonnenten unserer Zeitung vorbehalten, die für diesen Abend Tickets mit einem exklusiven Preisvorteil – je nach Kategorie zwischen 15 und 20 Prozent – erwerben können.

 

Karten gibt es unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 2224030 oder beim Servicepunkt im Medienhaus in Neubrandenburg, Friedrich-Engels-Ring 29. Für alle anderen Aufführungen sind Tickets erhältlich beim Theaterservice der tog, Telefon 03981 206400.

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