TV-KRITIK ZU ANNE WILL

CDU-Mann Philipp Amthor allein unter Frauen

Philipp Amthor diskutierte als einziger Mann bei Anne Will über das Abtreibungsrecht. War das eine gute Idee? Eine TV-Kritik.
Jürgen Mladek Jürgen Mladek
Philipp Amthor  (CDU)
Philipp Amthor (CDU) Jörg Carstensen
Berlin.

Es waren zwar nur vier Studiogäste, alles Frauen, aber Anne Will muss man schon mitzählen in der Front, die da gegen den jungen CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor (26) aufgeboten wurde. Denn die ARD-Moderatorin ließ vom ersten Moment an keinen Zweifel daran, dass sie mit ihrem Gast und seiner Haltung nicht viel anfangen konnte. Ein Mann, der gegen Abtreibungen ist. Also, natürlich nicht komplett, Amthor verteidigt ja die derzeitigen Regelungen und findet es richtig, dass Frauen in den ersten drei Monaten Wahlfreiheit haben.

Aber trotzdem, Amthor hat bei dem Thema nun mal ein ungutes Gefühl und sagt das als "sogenannter Lebensschützer", wie Will in ihrer nicht vorhandenen Unparteilichkeit das nennt, auch noch öffentlich. Zumindest hinterwäldlerisch, wenn nicht sogar reaktionär ist das, man sieht es an den abschätzigen Blicken und merkt das am nur schwer unterdrückten Aufbegehren. Und dann ist Amthor auch noch für die Beibehaltung eines Werbeverbots für Abtreibungen. Das Kabinett berät am Mittwoch einen Kompromiss, der mühsam zwischen Union und SPD ausgehandelt wurde.

Man hätte auch eine CDU-Frau einladen können...

Mit in der Runde die Ärztin Kristina Hänel, die wegen Verstoßes gegen dieses Werbeverbot verurteilt und damit zur Ikone der Initiative des entsprechenden Paragrafen 219a wurde, dazu die SPD-Familienministerin Franziska Giffey, die den Paragrafen am liebsten auch ganz abschaffen würde, Teresa Bücker, Chefredakteurin eines feministischen Internetmagazins, und Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Alle fanden Amthor ziemlich, naja, schon schlimmer als konservativ, blieben aber höflich und dem komplizierten Thema angemessen relativ sachlich.

Immer wieder klang aber an, dass man solche Sachen als Mann schwer mitdiskutieren könne. Wobei es die Redaktion von Anne Will natürlich genau darauf angelegt hatte, wie Amthor in der Sendung süffisant anmerkte. Man hätte leicht auch eine Frau bei der CDU finden können, die ähnliche Positionen wie Amthor vertritt. Aber Talkshows polarisieren gerne, zum einen, und das gehört ja auch zum Geschäft.

Amthor: Zu jung, zu große Brille, zu Anzug, zu Deutschland

Zum anderen, und das wäre ein Foulspiel, kann man Haltungen, die man selbst ablehnt, einfach gezielt etwas schlechter aussehen lassen, zumindest für das Publikum, das man bedienen möchte. Und dann lädt man Amthor ein. Zu jung, zu große Brille, zu Anzug, zu Deutschland. Denn natürlich hatte er wieder seinen schwarz-rot-goldenen Anstecker am Revers, und das störte im Studio zwar keinen, zumindest sagte niemand etwas, aber in den sozialen Netzwerken brach sofort die Hölle los, kaum hatte die Sendung angefangen.

Den Vogel schoss dabei wohl die stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos in Mecklenburg-Vorpommern ab, Lilly Blaudszun. Sie schrieb auf Twitter, wie sehr sie sich schäme, aus dem gleichen Bundesland wie Amthor zu kommen.

 

 

Erstaunlich auch, dass Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) ein Internet-Herzchen an eine „Spiegel“-Autorin schickte, die Amthor noch während der Sendung so beschrieb: „Philipp Amthor ist 26 Jahre alt, Abtreibungsgegner und trägt einen Deutschland-Fahnen-Pin an seinem blauen Anzug. Im Ernst, was ist da schiefgelaufen?“

 

 

Um die Sache ging es da eher nicht, sondern um die Erzeugung von Häme, aber das ist ja erprobt. Aber dass die Justizministerin so ein Niveau mit Herzchen belegt, hat schon etwas, zumal bekannt ist, dass Amthor die Ministerin schätzt und noch nie ein böses Wort über sie verloren hat.

Es gab auch viele Stimmen im Netz, die Kritik, die sich nur an Äußerlichkeiten festmacht, ablehnten, Amthor in der Sache aber durchaus hart kritisierten. Hat Amthor also gewonnen oder verloren? Das lässt sich so nicht sagen. Aber eines steht fest: Er hat sich tapfer geschlagen.

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