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Cinderella

In diesem Jahr wird Disneys klassischer Zeichentrickfilm „Cinderella“ 65 Jahre alt. Das Filmstudio ist konsequent und schickt sein legendäres Aschenputtel in den wohlverdienten Ruhestand. Und sorgt sogleich für adäquaten Ersatz aus Fleisch und Blut.

Cinderella (Lily James) bekommt ihr Ballkleid
Jonathan Olley/Disney Enterprises, Inc Cinderella (Lily James) bekommt ihr Ballkleid

Die kleine Ella und ihre Eltern sind die perfekte, liebevolle Familie. Aber dann wird Mutter (Hayley Atwell) krank. Ihr bleibt gerade noch die Zeit, ihrer Tochter ans Herz zu legen, sie möge im Leben mutig und nett sein, dann schließt sie für immer die Augen.

Einige Jahre später hat Vater (Ben Chaplin) genug getrauert. Seine heranwachsende Tochter (nun Lily James aus „Downton Abbey") wünscht sich, dass ihr alter Herr glücklich wird. Und wenn das bedeutet, dass die verwitwete Lady Tremaine (Cate Blanchett) mit ihren beiden gewöhnungsbedürftigen Töchtern ins Haus zieht, dann ist das eben so. Solange ihr Vater zugegen ist, bleibt die Lage für Ella noch einigermaßen erträglich. Aber spätestens, als das Mädchen zur Vollwaise wird, lässt die böse Stiefmutter auch noch die letzte Maske fallen und gibt sich als die intrigante Schreckschraube zu erkennen, die sie nun einmal ist…  
 
An dieser Stelle den weiteren Verlauf der Geschichte wiederzugeben, hieße freilich Euros nach Athen tragen. Zumal sich Regisseur Kenneth Branagh („Thor“) sehr nah an der klassischen Erzählung bewegt. Die Neuerungen bestehen eher in dem sehr schönen, mitunter schrägen Humor des Filmes und natürlich in der dezenten Nutzung digitaler Technik, die so manche spektakuläre Verwandlung ermöglicht. Allerdings ist „Cinderella“ anno 2015 das genaue Gegenteil eines kühlen Effekte-Spektakels. Wunderschöne, tatsächlich gebaute Kulissen, prächtige Kostüme und nicht zuletzt die liebenswerte Cinderella Lily James verzaubern ein junges und ein reiferes Publikum gleichermaßen.

Als Märchenprinz macht „Game of Thrones“-Star Richard Madden eine gute Figur, während Helena Bonham Carter als Ellas Feen-Patin im beleuchteten Kleid einen ihrer grandios schrulligen Kurzauftritte hinlegt. Wo die vielen Märchen-Neuverfilmungen der zurückliegenden Monate mit Action, Zynismus, modernen Elementen und / oder überwältigenden Szenerien aus dem Computer punkten wollten, setzt Branagh konsequent auf den Charme längst vergangener Technicolor-Zeiten. Schade eigentlich, dass man nach hundertfünf Minuten in die raue, popcorngepflasterte Realität des Multiplex-Kinos zurückgeholt wird. Es ist amtlich: Erstmals hat der ostdeutsch-tschechoslowakische Dauerbrenner „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ernst zu nehmende Konkurrenz bekommen.   

Wertung:
Anspruch: 2
Spannung: 3
Action: 3
Humor: 2
Erotik: 0

 

Verleih: Disney
Bundesstart: 12. März 2015     
Genre: Märchenfilm

Mehr Infos unter: http://filme.disney.de/cinderella-2015

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