KULTURWERK MV

Clubs wollen in der Coronakrise zusammenhalten

Clubs und Livespielstätten in MV haben einen Dachverband gegründet. Die Besucher sollen ihren Eintritt nun spenden – und bekommen dafür Livestreams im Internet.
Gründung in kleinster Runde: Am Donnerstag wurde das „Kulturwerk MV” gegründet.
Gründung in kleinster Runde: Am Donnerstag wurde das „Kulturwerk MV” gegründet. Kulturwerk MV
Rostock.

Die große Party zur Verbandsgründung musste leider ausfallen. Eigentlich war ein pompöses Fest in Schwerin geplant, am Ende wurde es der leergefegte M.A.U. Club in Rostock. Dort hat sich am Donnerstag das „Kulturwerk MV” gegründet. In „kleinstmöglicher Runde” und „unter Berücksichtigung der empfohlenen Hygienemaßnahmen”, wie es heißt. Der neue Verein möchte ein Landesverband für alle Clubs und Livespielstätten in Mecklenburg-Vorpommern werden. Ihre Interessen vertreten, um mit einer Stimme sprechen zu können. Die Idee kam schon vor der Coronakrise auf, doch spätestens, seit dem Veranstaltungen im ganzen Land untersagt worden sind, nahm die Sache plötzlich deutlich an Fahrt auf. Denn wenn Konzerte und Partys verboten sind, haben die Clubs plötzlich keine Einnahmen mehr.

„Wir wurden davon total überrollt”, sagt Johanna Treppmann, die die Netzwerkleitung im neuen Verband inne hat. „Jetzt geht es darum, Brände zu löschen, wir können uns jetzt nicht mehr selbst feiern.” Mit der Schließung hätten nun viele Clubs Angst, vergessen zu werden. Auch von der Politik, die gerade so viele Hilfen in der Krise verteilt. „Doch die Gäste sollen wissen, dass sie noch da sind”, so Treppmann, die Studentin in Rostock ist. Ein großes Problem sei die Unsicherheit, da niemand weiß, wie lange genau die Maßnahmen anhalten werden. Und sollte das Kontaktverbot tatsächlich aufgehoben werden, Veranstaltungen wieder erlaubt sein, könnten die Clubs auch nicht einfach wieder loslegen, als ob es nie eine Krise gegeben hätte. Das Personal, das nun ohne Beschäftigung dasteht, ist vielleicht nicht mehr da. Bands müssten erst gebucht werden.

Veranstaltungen müssten teils monatelang geplant werden. Aus diesem Grund wurden bereits Festivals wie das Immergut in Neustrelitz verschoben, das eigentlich immer Ende Mai stattfindet. Auch andere Festivals wie die "Fusion" oder das "Airbeat One" können nicht garantieren, dass die Behörden im Sommer Großveranstaltungen wieder zulassen.

Kulturwerk startet Spendenkampagne

Im Kulturwerk wollen sich die Clubs nun gegenseitig unterstützen und optimistisch in die Zukunft blicken. Beim Gründungstreffen waren Vertreter aus dem Zwischenbau, dem M.A.U., dem Jugendalternativzentrum und Helgas Stadtpalast in Rostock beteiligt. Außerdem kamen Vertreter der Clubs Zenit (Schwerin) und ROSA (Greifswald). Weitere Mitstreiter gibt es in Bergen (La Grange), Stralsund (Anker Werkstatt, Alte Eisengießerei, Bühne Blechwerk), Wismar (Block 17), Bad Doberan (Kornhaus), Teterow (Formate) und Jesendorf (Klangkulisse). Doch der Verband will weiter wachsen und ruft Veranstalter zur Mitarbeit auf. „Wir wollen alle weißen Flecken in MV abdecken”, so Treppmann.

Als erste Maßnahme, das Feuer zu löschen, hat das Kulturwerk eine Spendenkampagne gestartet. Die Besucher, die sonst am Wochenende feiern gegangen sind, sollen ihr Geld, dass sie für Eintritt und Getränke ausgegeben hätten, nun einfach dort überweisen. Seit Mitte März sind schon mehr als 4700 Euro zusammen gekommen, eine Einzelspende soll sogar schon 500 Euro betragen haben. „Wir sind erstaunt, wie großzügig die Leute sind”, so Treppmann. Das Geld soll mit einem Verteilungsschlüssel an die Clubs ausgezahlt werden. Diejenigen, die etwa ohne staatliche Förderung auskommen, bekommen dann mehr vom Kuchen.

Und als Gegenleistung für die Spenden wird dem Publikum natürlich auch etwas geboten. Partys und Konzerte werden nun per Livestream im Internet übertragen. Das Kulturwerk MV will einen „Streamingfahrplan” anbieten, der eine Übersicht bietet. Mehr dazu gibt es auf der Facebook-Seite des neuen Vereins oder bei Instagram. Die eigene Website befindet sich noch im Aufbau.

Club ROSA in Greifswald ist Vorreiter

Vorreiter in Sachen Livestreams war der Club ROSA in Greifswald. Nachdem die Berliner Clubs Mitte März angefangen hatten, mit der Initiative „#Unitedwestream” ihre Partys ins Netz zu übertragen, taten es ihnen die Greifswalder schnell nach. DJs aus der Stadt und Umgebung legen nun weiter im Club auf, nur dass das Publikum zu Hause am Bildschirm zuguckt. Zwischendurch hatten die Betreiber kleine Interviews mit den DJs geführt und es hatte sich schnell gezeigt, dass die Zuschauer zwar wegen der Musik kommen, aber die Interviews viel interessanter finden. „Wir werden das deswegen auch ausbauen”, sagt Murat Demirkaya Betreiber des Clubs ROSA. Er selbst hatte bereits vor der Kamera aus dem Leben eines Clubbetreibers berichtet oder Anekdoten aus seiner Jugend in Hannover erzählt. „Das ist ein tolles Phänomen. Durch die Krise wurden wir dazu gezwungen und wir haben plötzlich Spaß daran”, sagt Demirkaya. Nun werde an neuen Inhalten gearbeitet, technisch habe man auch schon aufgerüstet. Sie sind gezwungen, neue Wege zu gehen. Auch das kann eine Krise bewirken.

Dennoch gilt: Streams und Spenden können die Einnahmen aus dem Clubbetrieb nicht dauerhaft ersetzen. So arbeiten im ROSA acht Mitarbeiter, die jetzt kein Einkommen mehr haben. Deswegen gibt es auch eine eigene Spendenkampagne „N' Fünfer für ROSA”. Trotzdem hatte der Club schon dicht gemacht, als es noch kein offizielles Veranstaltungsverbot der Behörden gegeben hatte. „Wir konnten das nicht verantworten”, sagt Demirkaya. Es wäre ein komisches Gefühl gewesen, zu feiern, wenn auf der ganzen Welt immer neue Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beschlossen werden. „Wir wollten nicht die letzte Kapelle auf der Titanic sein und spielen, bis das Schiff untergegangen ist.”

Doch wann wieder normale Partys gefeiert werden können, mag Demirkaya noch nicht vorhersagen. „Ich rechne mit dem schlimmsten, außerdem sind wir nicht systemrelevant.” Die Clubs würden wohl erst als letztes wieder öffnen können, wenn in den Schulen, Kindergärten und Universitäten schon wieder Betrieb herrscht, denkt er. Und Demirkaya glaubt, dass das noch bis ins nächste Jahr dauern kann.

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