FÜNF WELTMEISTER BESIEGT

DDR-Schachgenie Wolfgang Uhlmann gestorben

Wolfgang Uhlmann war zu DDR-Zeiten der Schach-Superstar und genoss dadurch so einige Privilegien. Jetzt ist er nach längerer Behandlung gestorben.
dpa
Wolfgang Uhlmann ist mit 85 Jahren gestorbenn.
Wolfgang Uhlmann ist mit 85 Jahren gestorbenn. Matthias Hiekel
Der Schachgroßmeister galt als Exot in der DDR.
Der Schachgroßmeister galt als Exot in der DDR. Matthias Hiekel
Dresden.

DDR-Schachgenie Wolfgang Uhlmann ist im Alter von 85 Jahren gestorben. „Er war schon die ganze Zeit in Behandlung und es ging ihm sehr schlecht”, sagte seine Frau Christine am Mittwoch. Uhlmann war bereits am Montag gestorben.

Als Neunjähriger erlernte Uhlmann bei einem einjährigen Aufenthalt im Sanatorium das Spiel und stieg in der DDR zum Schachprofi auf. Ende der 1950er Jahre wird er Großmeister, in den 1960er und 1970er Jahren gehört der elfmalige nationale Titelträger zur absoluten Weltspitze.

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Schach-Olympiade in Havanna

Er rückte bis auf Position acht der Weltrangliste vor. Bei der Schach-Olympiade 1966 in Kubas Hauptstadt Havanna wurde er drittbester Spieler am Spitzenbrett. Im Duell mit insgesamt zehn Weltmeistern besiegte er fünf.

Seine letzte Partie in der 1. Bundesliga bestritt Uhlmann mit 81 Jahren im April 2016, danach war er nur noch selten am Brett. „Ausdauer und Kondition sind nicht mehr so da”, sagte der Sachse anlässlich seines Jubiläums in diesem März.

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Ein Exot in der DDR

Ein Schachtisch mit Marmorplatte von Fidel Castro, ein fein geschnitztes Zigarrenkästchen als Geschenk von Che Guevara, acht Duelle mit dem Exzentriker Bobby Fischer und Reisen um die weite Welt – das Schachspiel hat den Sachsen Wolfgang Uhlmann zum Weltbürger gemacht.

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Er ist in der DDR ein Exot in einer exotischen Sportart, sieht die Philippinen, darf nach Argentinien reisen, auch nach England. Ein Privilegierter? „Das muss ich schon mit Ja beantworten”, sagte Uhlmann kurz vor seinem 85. Geburtstag.

Elf Mal DDR-Meister

Uhlmann wurde elf Mal DDR-Meister, veröffentlichte vier Schachbücher und galt in der Szene als großer Spezialist der Französischen Verteidigung. Sogar der Russe Anatoli Karpow, Weltmeister von 1975 bis 1985, nimmt deshalb beim DDR-Kollegen Unterricht.

Und die Lektionen zahlen sich aus: Karpow schlug seinen früheren Landsmann Viktor Kortschnoi – später Schweizer – in den WM-Finals 1978 und 1981. „Da war dann der Kortschnoi wohl ein bisschen sauer auf mich und hat gegen Karpow ungern Französisch gespielt”, sagte Uhlmann.

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