BÜRGERDIALOG

Der Osten hat laut ZDF-Chefredakteur Frey zu wenig Stimme 

Die Unzufriedenheit unter den Ostdeutschen ist 30 Jahre nach dem Mauerfall gewachsen. Das spiegelt sich nicht nur in Wahlergebnissen wieder. Das ZDF will genauer hinschauen.
dpa
Der Bürgerdialog mit Einwohnern von Cottbus.
Der Bürgerdialog mit Einwohnern von Cottbus. Patrick Pleul
Aline Lepsch (l-r), Moderatorin 94.5 Radio Cottbus, Peter Frey, Chefredakteur ZDF, Jana Günther, stellvertretende Redakti
Aline Lepsch (l-r), Moderatorin 94.5 Radio Cottbus, Peter Frey, Chefredakteur ZDF, Jana Günther, stellvertretende Redaktionsleiterin ZDF, Andreas Wunn, Leiter der Redaktionen ZDF-Morgenmagazin und ZDF-Mittagsmagazin und Bettina Warken, ZDF-Landesstudioleiterin Potsdam. Patrick Pleul
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Was gefällt am ZDF-Programm, was könnte besser werden? Patrick Pleul
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Cottbus.

Mit mehr Berichten aus Ostdeutschland will das ZDF die dort wachsende Unzufriedenheit aufgreifen. Chefredakteur Peter Frey sagte am Donnerstagabend in Cottbus, die Unzufriedenheit sei im 30. Jahr des Mauerfalls sehr viel deutlicher geworden als in den Jahren zuvor.

Der Sender wolle dem eine Stimme geben. Dass das ZDF zu wenig aus dem Osten Deutschlands berichtet, findet Frey nicht. „Für das ZDF kann ich das nicht sehen”, sagte er. In Cottbus stellte er sich zusammen mit einigen ZDF-Redakteuren am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung den Fragen der Bürger. In den vergangenen Jahren habe der Sender sehr systematische Anstrengungen unternommen, beispielsweise durch das „Morgenmagazin vor Ort” oder andere Formate wie „ZDF-zoom”, die aus dem Osten Deutschlands berichteten, sagte Frey.

#wasmichimostenstoert

Auf dem Bürgerdialog wurde unter anderem auch die ZDF-Dokumentation „#wasmichimostenstoert” rege diskutiert. Eine Teilnehmerin der Veranstaltung warf dem Sender vor, mit dem Titel nur Aufmerksamkeit erreichen zu wollen. Frey gab ihr recht. Das sei auch in der Redaktion viel diskutiert worden. Journalismus bemühe sich immer, interessant zu sein und klar zu machen, worum es geht.

„Aber schon in der Überschrift Leute anzugreifen und fertig zu machen, das entspricht nicht meiner Vorstellung”. Andererseits habe die Dokumentation seiner Ansicht nach eine politische Stimmungslage aufgegriffen, so Frey. Er sei froh, dass darüber diskutiert werde und der Osten nicht im Meinungsklima der Republik untergehe.

„Osten hat zuwenig Stimme”

Über die Medienlandschaft generell in Deutschland sagte Frey: „Wir haben ein Problem, weil der Osten zuwenig Stimme hat.” Einen Teil des Problems sieht er darin, dass es im Osten Deutschlands keine großen Verlage gebe. Das ZDF, das in Mainz sitze, sei auch ein Beispiel dafür.

„Natürlich tickt man da anders, natürlich nimmt man die Wirklichkeit anders wahr”, gab Frey zu. Das ZDF versuche das durch die Landesstudios in den jeweiligen Bundesländern zu lösen und sei da auch gut aufgestellt.

Den Bürgerdialog in Cottbus empfand Frey als lebendige, kritische und zivilisierte Auseinandersetzung, die nicht anders gewesen sei als etwa in Bremen oder Hamburg. Es seien die gleichen Fragen gestellt worden, etwa nach der Quote oder dem Rundfunkbeitrag. Das Publikum sei ausgewogen gewesen. „Ich gehe eigentlich gestärkt aus diesem Abend heraus”, sagte Frey.

An diesem Freitag ist das ZDF mit dem „Morgenmagazin” zu Gast auf dem Cottbuser Altmarkt.

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