PHILIPP OLIVER BAUMGARTEN

Der Rote-Rosen-Star lässt sich nicht unterkriegen

Sechs Wochen lang ruhten die Dreharbeiten für die TV-Serie aus Lüneburg. Nicht nur der frühere Neustrelitzer Schauspieler Philipp Baumgarten ist froh, dass die Kamera wieder läuft.
Alex (Philipp Oliver Baumgarten) und seine „Rote Rosen”-Freundin Judith (Katrin Ingendoh). So viel Nähe ist z
Alex (Philipp Oliver Baumgarten) und seine „Rote Rosen”-Freundin Judith (Katrin Ingendoh). So viel Nähe ist zurzeit nicht erlaubt. ARD/Nicole Manthey
Maskenpflicht am Set: die Schauspieler Wolfgang Häntsch (von links), Philipp Baumgarten und Herbert Ulrich.
Maskenpflicht am Set: die Schauspieler Wolfgang Häntsch (von links), Philipp Baumgarten und Herbert Ulrich. Nicole Manthey/ARD
Auch Astrid (Claudia Schmutzler) und Alex (Philipp Baumgarten) müssen beim Drehen Abstand halten.
Auch Astrid (Claudia Schmutzler) und Alex (Philipp Baumgarten) müssen beim Drehen Abstand halten. Nicole Manthey/ARD
Küssen verboten! Natürlich stammt diese Szene aus den Zeiten vor Corona. Astrid (Claudia Schmutzler) und Alex (Phili
Küssen verboten! Natürlich stammt diese Szene aus den Zeiten vor Corona. Astrid (Claudia Schmutzler) und Alex (Philipp Oliver Baumgarten) küssen sich zum ersten mal. ARD/Nicole Manthey
Den Judas will Philipp Oliver Baumgarten im Herbst unbedingt wieder in den Kirchen der Region spielen.
Den Judas will Philipp Oliver Baumgarten im Herbst unbedingt wieder in den Kirchen der Region spielen. Christian Brachwitz
Selbst Stars wie Claudia Schmutzler müssen sich wegen Corona zurzeit selbst schminken für die „Roten Rosen&rdq
Selbst Stars wie Claudia Schmutzler müssen sich wegen Corona zurzeit selbst schminken für die „Roten Rosen”. Manthey ARD
Lüneburg.

Alex alias Philipp Oliver Baumgarten hat es zurzeit nicht leicht: Der junge Koch im Lüneburger Restaurant „Stint“ will unbedingt einen Stern erringen und ist deshalb im Stress. Wer weiß schon, wann die Feinschmecker-Tester kommen? Zugleich setzt ihn seine Frau Judith unter Druck, mit der es seit Langem schon kriselt. Sie behauptet, von Alex schwanger zu sein, obwohl der angesichts der beruflichen Belastungen im Augenblick gar kein zweites Kind gebrauchen kann. Und dann ist da ja auch noch Astrid (Claudia Schmutzler), die eine Affäre mit dem 20 Jahre jüngeren Alex unterhalten hatte. Auch wenn es zwischen den beiden offiziell aus ist, knistert es immer noch, wenn sie sich in dem beschaulichen Städtchen Lüneburg begegnen.

Ein Mann zwischen den Frauen

Ein Mann zwischen zwei Frauen und dann auch noch der tägliche Stress als angehender Meisterkoch! Kann der 32-Jährige das aushalten? Baumgarten lacht. Natürlich geht es im ersten Absatz um die Telenovela „Rote Rosen“ und nicht um sein reales Leben. Das ist wohl geordnet bei einem Schauspieler mit einer dreijährigen Tochter und einer Frau, die sich als Sängerin und Schauspielerin ihr Brot verdient.

Aber was kann er über Alex, Astrid und Judith verraten, drei der Hauptfiguren in der TV-Langzeitserie? Wie wird es weitergehen? Obwohl Baumgarten es wissen dürfte, will und muss er schweigen. Das ist in einer Telenovela, die auf Dauer-Spannung setzt, natürlich ein Betriebsgeheimnis.

"Wir leben ja nicht im Mittelalter"

Baumgarten hat Glück im Vergleich zu vielen seiner Schauspielerkollegen, insbesondere an den Theatern. Während diese angesichts der Corona-Krise und geschlossener Bühnen mit Sorge in die Zukunft schauen, kann er wieder drehen. Endlich. Sechs Wochen lag der Set in der ehemaligen Fabrikhalle am Stadtrand von Lüneburg mehr oder weniger verlassen da. Seit Ende April laufen die Kameras wieder. Die Drehpause habe seinem Optimismus aber nichts anhaben können, sagt Baumgarten. Die Situation sei schwierig, natürlich. „Aber wir leben auch nicht im Mittelalter, als die Pest wütete.“ Die Kommunikation mit der Produktion habe immer funktioniert, genauso wie mit den ehemaligen Kollegen am Landestheater Neustrelitz. „Ich weiß, dass sie, wie alle Schauspieler im Land versuchen, Lösungen zu finden.“ Gespielt wurde letztlich über all die Jahrhunderte immer auch unter weitaus schwierigeren Bedingungen, so Baumgarten, der an Künstler wie Gustaf Gründgens oder Klaus Kinski denkt, die nach 1945 selbst in der Kriegsgefangenschaft auf der Bühne standen.

Maskenpflicht am Set und im Studio

Demgegenüber erscheinen die Corona-Maßnahmen am Set von „Rote Rosen“ annehmbar. Genauso wie beim Einkaufen oder in der Schule gilt Maskenpflicht im Studio, sagt Baumgarten. Auch die technischen Durchläufe, die als Probe am Anfang jeder Szene stehen, werden mit Maske gedreht, was nicht ganz einfach sei. „Wir arbeiten viel mit Mimik, mit unserem Gesicht. Da ist es ungewohnt, wenn ich unter der Maske nicht erkennen kann, ob meine Partnerin nun lächelt oder ernst guckt.“ Erst für den richtigen Dreh werden die Masken abgenommen. Trotz der Erschwernisse dauere es nicht länger als in den Vor-Corona-Zeiten, ehe die Szenen im Kasten sind.

Die Regeln verlangen, dass sich die Schauspieler am Set selbst schminken, was normalerweise die Maske übernimmt. Aufgrund der Abstandsregeln mussten Kuss- und Bettszenen ja selbst Umarmungen gestrichen werden, was in einer Soap wie „Rote Rosen“, in der es immer auch um Liebe und Leidenschaft geht, schwierig sei. Einige bereits fertige Szenen haben die Autoren gezwungenermaßen umgeschrieben.

Filmreserven neigen sich dem Ende entgegen

„Wir Schauspieler müssen dann eben öfter Blicke und Worte sprechen lassen, um Liebesszenen zu spielen“, sagt Baumgarten. Wäre es nicht möglich, den einen oder anderen Kuss aus bereits gedrehten Szenen reinzuschneiden? Baumgarten lacht: „Kein Kommentar!“

Für viel Spielereien bleibt dem „Rote Rosen“-Team ohnehin keine Zeit. In der Regel wird auf Vorlauf gedreht: Die Szenen, die heute im Fernsehen zu sehen sind, wurden bereits vor drei Monaten abgedreht. Das bedeutet, dass sich die Reserven an Folgen nach der mehrwöchigen Drehpause dem Ende entgegenneigen. Am 20. Mai soll die 3130. Folge laufen, die letzte vor der Zwangspause abgedrehte Episode, so ein ARD-Sprecher. „Wann es konkret mit den neuen Folgen weitergehen kann, steht noch nicht fest.“

Hauptdarsteller müssen sich neuen Job suchen

Fest steht auch noch nicht, wie es mit Philipp Baumgarten nach dem „Rote Rosen“-Engagement weiter geht. Aufgrund der Corona-Pause sei sein Vertrag bis August verlängert worden. Jetzt heißt es drehen, drehen, drehen – montags bis freitags, wenn nötig auch am Wochenende. Nach einem Jahr ist für Hauptdarsteller wie Baumgarten oder Claudia Schmutzler aber definitiv Schluss. Sie machen dann den neuen „Rosen“ Platz.

Baumgarten würde auf jeden Fall im Herbst gerne den „Judas“ neu auflegen. Mit dem intensiven Ein-Mann-Stück hatte er im September 2019 eine glänzende Premiere in der Neubrandenburger Johanniskirche gefeiert. Die Wiederaufnahme der Inszenierung der Theater und Orchester GmbH (TOG) im Frühjahr dieses Jahres mit Auftritten in Neubrandenburg, Neustrelitz und Fürstenberg, auf die er sich so gefreut hatte, fiel ebenfalls der Corona-Zwangspause zum Opfer. Im Raum steht aber auch noch die Offerte von TOG-Intendant Sven Müller, der sich vorstellen kann, Baumgarten nach seinem TV-Jahr wieder am Theater Neustrelitz zu begrüßen. „Mal schauen“, sagt Baumgarten salomonisch.

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