#ALLESDICHTMACHEN

Deutschlands Schauspieler-Elite rebelliert gegen Corona-Gehorsam

Mit beißendem Sarkasmus und Spott stellen sich über 50 bekannte Künstler gegen die deutschen Corona-Maßnahmen – und wollen alle wachrütteln, die sie nicht hinterfragen.
Jan Josef Liefers in seinem Video
Jan Josef Liefers in seinem Video Screenshot / "allesdichtmachen"
Berlin ·

Mit einem Feuerwerk von Ironie und Spott haben mehr als 50 deutschsprachige Schauspieler am Donnerstagabend ihren Protest gegen die Corona-Politik und die öffentliche Debatte darüber öffentlich gemacht. Unter dem Hashtag #allesdichtmachen und auf einer eigens eingerichteten Internetseite veröffentlichten sie kurze Statements als Videos. Zu den Darstellerinnen und Darstellern gehören etliche bekannte Namen wie Ulrike Folkerts, Ulrich Tukur, Nadja Uhl, Wotan Wilke Möhring und Kostja Ullmann.

Jan Josef Liesers: Medien sorgen dafür, dass kein unnötiger kritischer Disput uns ablenkt

Inhalt ihrer kurzen Videos: Beißende Ironie, die sich vor allem an der Tatsache festmacht, dass in den öffentlichen Medien kaum über die Notwendigkeit der Corona-Politik und der Corona-Maßnahmen diskutiert wird. So ätzt etwa Jan Josef Liefers: „Ich möchte heute Danke sagen. Danke an alle Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich, verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört – nämlich ganz, ganz oben. Und dafür sorgen, dass kein unnötiger kritischer Disput uns ablenken kann von der Zustimmung zu den sinnvollen und immer angemessenen Maßnahmen unserer Regierung.”

Kritische Wissenschaftler, selbst Nobelpreisträger, bekämen keinen Raum in den Medien, so Liefers: „Schließlich wissen nur ganz wenige Spezialisten, was wirklich gut für uns ist.” In letzter Zeit habe er aber das Gefühl, dass „einige Zeitungen damit beginnen, alte, überwunden geglaubte Vorstellungen von kritischem Journalismus wieder aufleben zu lassen.” Liefers fordert hörbar ironisch: „Dagegen müssen wir uns wehren. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir sollten einfach nur allem zustimmen und tun, was man uns sagt. Nur so kommen wir gut durch die Pandemie. Bleiben Sie gesund! Verzweifeln Sie ruhig, aber zweifeln sie nicht!”

Christine Sommer und Martin Brambach atmen nur noch im Schlafzimmer ein

Die Schauspielerin Heike Makatsch, die so tut, als klingele es an ihrer Tür, ohne dass sie aufmache, sagt in ihrem Spot: „Ich mache nicht auf. Ich übernehme Verantwortung. Es macht mir Sorgen, dass es da draußen egoistische Leute gibt, die aufmachen wollen – gerade jetzt, wo es besonders wichtig ist, dass wir alle nicht aufmachen.” Der österreichische Darsteller Nicholas Ofczarek gesteht: „Ich hab mich so an die Maßnahmen gewöhnt, ich möchte sie behalten. Man könnte ja Corona durch was anderes ersetzen, man könnte neue Maßnahmen dazu nehmen.”

Humoristischer ist der Beitrag von Schauspieler-Ehepaar Christine Sommer und Martin Brambach. Die beiden erzählen vor der Kamera, sie hätten eine neue Strategie gegen das Coronavirus entwickelt: „Zum Einatmen gehen wir immer ins Schlafzimmer und zum Ausatmen immer ins Wohnzimmer. Auf diese Art atmen wir immer nur saubere Luft ein und da, wo wir ausatmen, da atmen wir halt einfach nicht mehr ein. Deswegen fühlen wir uns sicher. Und wir fänden es gut, wenn andere Menschen sich daran ein Beispiel nehmen werden. Denn viele sind egoistisch und undiszipliniert. Und die sind ja auch schuld daran, dass alles so schlimm geworden ist.”

Server der Aktion brechen zusammen

Die Nachfrage nach den Videos war am Abend offenbar so groß, dass die eigens für die Aktion eingerichtete Internetseite zusammenbrach. Auf Youtube blieben die Videos aber abrufbar. Derweilt herrschte auf Twitter, wo die Videos ebenfalls betrachtet werden konnten, rege Meinungsvielfalt über die Aktion. Während manche Tweets zum Hashtag #allesdichtmachen unverhohlene Begeisterung ausdrückten, distanzierten sich viele andere Promis von der Aktion. Sie sei unverantwortlich und unangemessen, war der Tenor der kritischen Tweets – eine Kritik, die die Schauspieler mit ihren sarkastischen Videos gewissermaßen schon vorweggenommen hatten.

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