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▶ Die Ärzte eröffnen ARD-Tagesthemen mit Livemusik

Das gab es noch nie: Die „Tagesthemen” werden mit Livemusik eröffnet. Die Ärzte waren zu Gast in der Nachrichtensendung, um auf die Existenznöte von Künstlern aufmerksam zu machen. Hier finden Sie das Video.
dpa
Bei dem ungewöhnlichen Auftritt hat die Berliner Band Die Ärzte an die Politik appelliert, in der Corona-Krise die K
Bei dem ungewöhnlichen Auftritt hat die Berliner Band Die Ärzte an die Politik appelliert, in der Corona-Krise die Kulturbranche nicht zu vergessen. Screenshot
Berlin.

„Hier ist das Ärzte Deutsche Fernsehen mit den Tagesthemen”: Ein Auftritt in der traditionsreichen ARD-Abendsendung hat der Berliner Rockband Die Ärzte im Netz viel Zuspruch beschert. Twitter-Nutzer sprachen von einer „coolen Aktion” und einer „tollen Idee”, der Beitrag des Senders vom Freitag erhielt Tausende Likes.

Einen halben Tag nach der Veröffentlichung hatte das Video am Samstagvormittag auf Instagram über eine halbe Million Aufrufe. Auch hier kommentierten Hunderte Nutzer den Auftritt. Manche kritisierten allerdings auch, dass der Sender der Band dadurch kostenlose Werbung für ihr neues Album „Hell” ermögliche, das am Freitag erschienen war.

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Kulturbranche nicht vergessen

Die Band appellierte in der ARD-Sendung an die Politik, in der Corona-Krise die Kulturbranche nicht zu vergessen. Die Menschen, die in der Musikszene arbeiten, würden in Zeiten von Corona ignoriert, sagte Ärzte-Sänger Farin Urlaub. „Das Problem ist tatsächlich, wir nehmen Kultur als gegeben hin, Kultur ist einfach immer da.”

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Dabei falle zu wenig auf, dass Kultur nicht nur kommerziell erfolgreiche Bandmusiker wie sie selbst brauche, sondern einen ganzen Unterbau: Clubbetreiber, Roadies (also Technik- und Aufbauhelfer) sowie kleinere Bands, die noch keine Plattenverträge haben. Wenn das wegbreche, entstehe ein „langfristiger Schaden”.

1,4 Millionen Menschen in der Branche

Schlagzeuger Bela B. berichtete, dass wegen der fehlenden Auftrittsmöglichkeiten in der Krise viele Betroffene seit sieben Monaten keine Arbeit hätten. „Wir hoffen, die Politiker dazu zu bringen, diese Branche mit 1,4 Millionen Menschen auch zu sehen.”

Autokonzerte oder Stream-Auftritte spielten für die Band als Überbrückungsmöglichkeit in der Corona-Krise keine Rolle. „Das passt nicht zu uns. Unser Publikum muss sich aneinander reiben”, sagt Bela B. Ihre geplante Tour hatten Die Ärzte auf das nächste Jahr verschoben.

Nach der Musik gab es auch in Interview mit den Ärzten:

Reaktionen aus der Politik

Die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) empfand den Auftritt als „befremdlich”, wies aber zugleich darauf hin, dass die Band ein drängendes Thema der Corona-Krise angesprochen habe: „Die Not von Kulturschaffenden und Veranstaltungsbranche ist groß. Die Hilfsgelder müssen passgenau ausgestaltet werden, damit sie bei denen ankommen, die sie dringend brauchen.”

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Claas Rohmeyer, ein CDU-Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft, nannte den Auftritt indes „unerwartet” und „cool”. Der Virologe Hendrik Streeck teilte den Beitrag auf Twitter.

Viele Ärzte-Fans zeigten sich begeistert. Eine Nutzerin schrieb: „Manchmal kommt der heitere Moment des Tages vollkommen unverhofft.” Ein anderer User äußerte sich kritischer: Obwohl er die Band möge, finde er es „unglücklich”, dass sie gerade in dieser Sendung aufgetreten sei. „Man fühlt sich unwohl, wenn man bedenkt, dass am selben Tage der Ausstrahlung das neue Album der Ärzte erschienen ist. Solche unglücklichen Zufälle kann man vermeiden.”

Mit Humor nahm es die Satiresendung „extra3”: „Corona-Skeptiker mit ARD versöhnt: endlich kamen in den Tagesthemen auch „alternative” Ärzte zu Wort.”

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Kommentare (2)

Hab es live gesehen und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Tolle Aktion. Die Probleme von Kunstschaffenden wurden durch das anschliessende Interview ziemlich gut dargestellt.

"Ein Land ohne Live-Kultur ist wie ein Gehirn ohne geistige Nahrung, ohne Euphorie, Aufbruch, Lust, Diskurs, Lachen und Tanz. Es verdorrt, gibt Raum für Verblödung, für krude und verrohende Theorien, verhärtet und fällt seelenlos auseinander". Zitat Herbert Grönemeyer, 9.9.20, auf der Kundgebung "Alarmstufe Rot" in Berlin.