Das Hotel-Ensemble mit der kunstvoll gestalteten Fassade hat sich nach einigen Querelen in der Branche etabliert.
Das Hotel-Ensemble mit der kunstvoll gestalteten Fassade hat sich nach einigen Querelen in der Branche etabliert. Uwe Werner
Am 1. Januar 1984 wurde das nagelneue Ferienheim mit 700 Zimmern seiner Bestimmung übergeben (l.).
Am 1. Januar 1984 wurde das nagelneue Ferienheim mit 700 Zimmern seiner Bestimmung übergeben (l.). repro (i.): B. Makowitz; Foto: U. Werner/Archiv NK
Neben Schwimmhalle, Sauna und Kegelbahn bietet eine Minigolf- anlage die Möglichkeit für Spiel, Sport und Spaß
Neben Schwimmhalle, Sauna und Kegelbahn bietet eine Minigolf- anlage die Möglichkeit für Spiel, Sport und Spaß. paul Hahn
Das „Casino“, 1952 vom Feriendienst des FDGB übernommen, wurde zum Erholungsheim „Aufbau“.
Das „Casino“, 1952 vom Feriendienst des FDGB übernommen, wurde zum Erholungsheim „Aufbau“. Repro: B. Makowitz
In den Sommerhäusern nahe des Lübbesees erholten sich von 1908 bis 1939 Berliner Postbeamte.
In den Sommerhäusern nahe des Lübbesees erholten sich von 1908 bis 1939 Berliner Postbeamte. Repro: B. Makowitz
Hotel-Projekt

Die bewegte Geschichte eines DDR-Ferienheims

Aus dem FDGB-Heim „Friedrich Engels“ aus DDR-Zeiten ist das „Ahorn Seehotel Templin“ geworden. Tausende verbrachten hier schon in den 80er-Jahren ihren Urlaub.
Templin

Am Rand der Schorfheide, bei Templin, erstreckt sich über eine Länge von zwölf Kilometern in idyllischer Lage der Lübbesee. Postheim am Südostufer des Sees ist als ein Stadtteil von Templin ausgewiesen. Das Gebiet am Lübbesee hatten bereits 1908 Berliner Postbeamte als lohnenswertes Feriendomizil entdeckt und das „Posterholungsheim“ errichtet. In den Sommerhäusern erholten sich bis August 1939 Berliner Postbeamte.

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Erst Gefangene, dann Flüchtlinge

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde dort ein Lazarett eingerichtet, außerdem wurden Umsiedler und Vertriebene untergebracht. Zusätzlich wurde eine Dienststelle der SS – die „Schutzstaffel“ der Nationalsozialisten – eingerichtet und einige Häuser dienten der Unterbringung von Kriegsgefangenen. Nach Kriegsende fanden dort viele Flüchtlingsfamilien eine Unterkunft.

1952 wurde das zur Ferienanlage gehörige „Casino“, eine Gaststätte für Urlauber und Templiner, durch den Feriendienst des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) übernommen und dort das Ferienheim „Aufbau“ eröffnet. Zudem standen dem FDGB vier frühere Posterholungshäuser mit 103 Betten zur Verfügung. Bewohner des „Kuckucksheims“ und des „Elsternests“ boten darüber hinaus Übernachtungen an. Die restlichen Häuser des Postheims waren durch die Kommunale Wohnungsverwaltung belegt. Bereits 1964 gab es Überlegungen zum Ausbau des Ferienheims, doch erst im Bebauungsplan der Stadt von 1976 wurde die Errichtung eines Bettenhauses mit 1000 Übernachtungsmöglichkeiten ausgewiesen.

Größte Investition des DDR-Gewerkschaftsbundes

Zwei Jahre später wurde schon mal das Verwaltungsgebäude für das zukünftige Erholungsheim übergeben. Im Oktober 1978 begann das größte Investitionsvorhaben des FDGB – ein zwölfgeschossiger Bau für 1368 Betten, 465 Aufbettungen, mit Schwimmhalle und Sauna wurde errichtet.

Das Haus war ein industrieller Betonfertigteilbau im WBS (Wohnungs-Bau-System) 70 mit drei Flügeln und einem mittigen Kern. Damals wurde der Templiner Campingplatz am „Postheim“ aufgelöst und eine Strandfläche am Seeufer mit einer breiten Liegewiese geschaffen.

Zur Versorgung der Urlauber baute man eine Fleischerei und eine Bäckerei neben dem Hauptgebäude. Letztere wurde auch gern von Einheimischen zu besonderen Anlässen in Anspruch genommen. Doch mussten Schlagsahne und Früchte für die Torten geliefert werden.

Zum 1. Januar 1984 übergab man das Ferienheim in Anwesenheit von Harry Tisch, dem Vorsitzenden des FDGB, seiner Bestimmung. Es bekam den Namen Erholungsheim „Friedrich Engels“. Mit 1023 Betten in 700 Zimmern war es das größte Ferienheim der DDR. Dort verbrachten vor allem Familien mit mehreren Kindern ihren Urlaub.

In einer extra hergerichteten Etage gab es auch Urlaubsplätze für Körperbehinderte. Außerhalb der Ferienzeiten wurden Werktätige im Rahmen einer Herz-Kreislauf-Kur betreut. Der Strand konnte wie das Dach- und Tanzcafé des Ferienheims auch von Templinern genutzt werden.

Pachtvertrag läutete nächste Erfolge ein

Nach der Wende wurde das Heim durch die Templiner Hotelgesellschaft betrieben. Doch schon im Oktober 1991 beschlossen die Templiner Stadtverordneten dessen Verpachtung an die thailändische Firma Euromill Realestate Deutschland. Der Pachtvertrag wurde vor genau 30 Jahren, am 10. Januar 1992, unterzeichnet.

1994 erfolgte der Verkauf an die Pächter, die Euromill-Gruppe. Die Stadt erhielt von dem fürs Hotel gezahlte Geld eine Erlösauskehr von 5 Millionen DM, die nur für Touristisches genutzt werden durften. Davon stellte sie 4,5 Millionen DM der Kurentwicklungsgesellschaft für den Thermenneubau zur Verfügung. Im gleichen Jahr begann der Hotelumbau, die Zimmerzahl wurde auf unter 500 reduziert, das Haus modernisiert.

Die riesige Fassade wurde 2016 zum Kunstwerk

Nach nochmaligen Besitzerwechseln gehört das Ahorn-Seehotel seit 2000 zur Hotelgruppe Albeck & Zehden und hat sich in der Branche etabliert. Heute verfügt es als Drei-Sterne-Hotel über 409 Zimmer auf zwölf Etagen. Neben Schwimmhalle, Sauna und Kegelbahn bieten eine Minigolfanlage, ein Soccer-Platz und anderes viele Freizeitmöglichkeiten. Das Panorama Café ist das höchste Café im Land Brandenburg. Das Hotelensemble hieß erst „Ferienhotel Templin“, ab 2004 „Seehotel Templin“ und seit 2010 „Ahorn Seehotel Templin“.

Der Maler und Bildhauer Michael Fischer gestaltete 2015/16 die 12 435 Quadratmeter große Fassade des Hotels als knallig buntes Pop-Art-Kunstwerk mit 500 Einzelfiguren unter Einsatz von 8,5 Tonnen Farbe. Es gilt seitdem als eines der größten Fassadenkunstwerke Europas.

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