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Die Frau in Gold - Hochglanz-Historienepos mit Helen Mirren

Ryan Reynolds als Randol Schoenberg (l), Daniel Brühl als Hubertus Czernin und Helen Mirren als Maria Altmann in einer Szene des Kinofilms "Die Frau in Gold".
Ryan Reynolds als Randol Schoenberg (l), Daniel Brühl als Hubertus Czernin und Helen Mirren als Maria Altmann in einer Szene des Kinofilms "Die Frau in Gold".
Robert Viglasky

"Die Frau in Gold" erzählt die wahre Geschichte eines Klimt-Porträts. Helen Mirren spielt die rechtmäßige jüdische Erbin, die bis vor das höchste US-Gericht zieht, um Gerechtigkeit zu erfahren.

Wien ist Bombast. Die Prachtbauten sind prächtiger, die Cremetorten cremiger, die Souvenirs kitschiger und die Kunstwerke bunter, etwa die von Hundertwasser oder Gustav Klimt. Jenem Künstler, der mit seinen Blattgold verzierten Werken ebenso den Wiener Jugendstil wie das österreichische Verständnis prägte. «Sie gehört Österreich», heißt es in «Die Frau in Gold» über das 1907 entstandene Porträt der Adele Bloch-Bauer, das jahrelang als «Mona Lisa Österreichs» im Schloss Belvedere hing - bis eine ältere, von den Nazis vertriebene Jüdin ihr Erbe bis vor dem höchsten US-Gericht und gegen den österreichischen Staat erkämpfte.

So weit die wahre Geschichte, die Simon Curtis in seinem jüngsten Regiewerk mit der großartigen Helen Mirren als störrische, nach Gerechtigkeit strebenden Maria Altmann erzählt und sich dabei größtenteils auf Fakten stützt. Dazu zählt auch, dass die sture Dame ausgerechnet den jungen und unerfahrenen Anwalt Randy Schoenberg (Ryan Reynolds) engagiert. Der ist der Enkel des Wiener Komponisten Arnold Schönberg, dabei aber weniger an seiner jüdischen Vergangenheit als an dem angesichts des unglaublichen Wertes des Werkes horrenden Honorars interessiert ist.

Gemeinsam reist das ungleiche Paar nach Wien, dem Land, das Maria nie wieder betreten wollte, um es mit dem österreichischem Staat aufnehmen, unterstützt von einem Journalisten (Daniel Brühl). In Rückblenden erzählt Curtis von Marias Tante Adele, als sie von Klimt gemalt wurde, von der Unterdrückung der jüdischen Familie und schließlich der Flucht der jungen Maria. Dabei gerät der Film zu einem spannenden Justiz-Historienthriller mit eindringlichen Momenten aus dem Wien der Nazizeit.

Ansonsten allerdings setzt Curtis vor allem auf Emotionalität, die dem Thema innewohnt und bleibt doch erstaunlich an der Oberfläche. Helen Mirren mit hartem deutschen Akzent und stechend dunklen Augen, sprödem Witz und gouvernantenhafter Strenge demonstriert zwar auch in diesem knapp zweistündigen Epos ihr großartiges Spiel. Innere Konflikte, den Schmerz der eigenen Geschichte aber stellt sie in erster Linie durch ernste Miene dar - unterstützt von Hans Zimmers streicherlastigen, pompösen Musik-Klängen.

Die Österreicher sind mit Ausnahme Brühls allesamt unsympathisch und stur. Randy alias Reynolds, der Außenseiter, der es mit einem ganzen Staat aufnimmt, wächst nicht wirklich über sich hinaus. Es geht um Raubkunst und Restitution, um Vergangenheitsbewältigung und Gerechtigkeit, doch gerät die «Frau in Gold» in erster Linie zu einem bombastischen Justizthriller und Historiendrama. Das ist hübsch und oftmals auch spannend anzusehen, wird dem Thema aber letztendlich nicht gerecht. Es bleibt eine zu glatte Hochglanz-Hollywood-Produktion.