Stadt.Land.Klassik
Die Neue Philharmonie kommt wieder - garantiert

Einer der Höhepunkte der 4. Stadt.Land.Klassik!-Tour. Das Konzert in der Lutherkirche Eggesin Anfang April 2019.
Einer der Höhepunkte der 4. Stadt.Land.Klassik!-Tour. Das Konzert in der Lutherkirche Eggesin Anfang April 2019.
Frank Wilhelm

Die erste Spielzeit von „Stadt.Land.Klassik!” endete so bombastisch und enthusiastisch, wie sie im Herbst begonnen hatte. Rund 10000 Zuschauer wurden bei 30 Konzerten gezählt. Das weckt Begehrlichkeiten für die nächste Saison.

Volle Säle und aufgegangene Herzen – das in jeder Hinsicht außergewöhnliche Konzept von „Stadt. Land. Klassik!” war ein Erfolg auf ganzer Linie. Kein Wunder, dass sich nach dem Saisonfinale in der Malchower Werleburg die sichtlich erschöpften, doch überglücklichen Musikerinnen und Musiker der Neuen Philharmonie MV noch lange in den Armen lagen. All die Anspannung, knallharte Arbeit und der Tour-Stress der vergangenen sechs Monate schien plötzlich von ihnen gewichen zu sein. Vier lange Konzert-Wochen durch den Nordosten lagen da hinter dem jungen Orchester unter der Leitung von Chefdirigent Andreas Schulz.

Mutige und verrückte Idee

Was war das aber auch für eine verrückte Idee, extrem mutig noch dazu, mit einem fast fünfzigköpfigen Ensemble mal eben "über Land” zu ziehen und 30 Konzerte (!) in Kleinstädten wie Anklam, Teterow, Ueckermünde, Waren, Pasewalk oder Malchow zu geben, deren Spielstätten unterschiedlicher nicht sein konnten. So staunten in Demmin die Zuschauer nicht schlecht, als die Neue Philharmonie in einer Sporthalle aufspielte. Der Bürgersaal von Waren mit seinen 400 Plätzen platzte jedes Mal aus seinen Nähten, große Begeisterung bei Jung und Alt, was auch mit stehenden Ovationen quittiert wurde. Die gefeierten Kirchenkonzerte von Anklam und zuletzt Eggesin zählten sicherlich zu den akustischen Höhepunkten der Konzertreise. Während sich die Malchower Werleburg schnell zu so etwas wie dem familiären „Wohnzimmer” der Neuen Philharmonie entwickelte, stellte die Volksbühne von Ueckermünde, jenes herrlich plüschige Kino, die Musiker vor eine Herausforderung, musste man doch gegen eine durch schwere Teppiche stark gedämpfte Atmosphäre ankämpfen. „Es war hart, wir mussten alles geben”, sagt Andreas Schulz.

"Kommt bitte nächstes Jahr zurück"

Mit solch einem Zuspruch hatten die Veranstalter von „Stadt. Land. Klassik!” im Vorfeld nicht gerechnet. Insgesamt verfolgten rund zehntausend Zuschauer die Konzerte. Darunter auch viele Kinder bei den besonders begehrten Schulkonzerten am Vormittag. „Kommt bitte nächstes Jahr zurück”, so lautete der Tenor der Gäste, von denen einige gleich noch künftige Wunschspielstätten aufzählten, wie Mirow, Röbel oder Torgelow.

„Obwohl ich grundsätzlich an den Erfolg geglaubt habe, war ich doch von der Reaktion der Menschen mehr als überrascht”, sagt Lutz Schumacher von der Nordkurier Mediengruppe, dem Kooperationspartner von Stadt. Land. Klassik! Chefdirigent Andreas Schulz zeigte sich nicht weniger beeindruckt von der phänomenalen Resonanz des Publikums in Mecklenburg und Vorpommern. Für den Orchesterleiter war die erste Spielzeit übrigens auch „musikalisch beglückend”, weil das Ensemble dank des intensiven mehrmonatigen gemeinsamen Spiels qualitativ gewachsen sei.

Konzertreihe kann Begeisterung für Klassik wecken

„Es ist wundervoll, dass wir im Rahmen des Projektes in diversen Schulen Kinderkonzerte veranstalten können. So werden schon die jüngsten mit der klassischen Musik vertraut gemacht”, sagt Schumacher. „Leider gibt es an vielen Schulen keinen regelmäßigen Musikunterricht mehr. Stadt. Land. Klassik! kann diese Lücke natürlich nicht füllen, aber wenigstens ein bisschen Begeisterung für die Klassik wecken.”

Schulz und Schumacher kennen sich übrigens seit Jahren, sie eint die Liebe zur klassischen Musik. Schumacher ist Ideengeber und Antreiber für die Nordkurier-Sinfoniker – unter diesem Namen wird die Neue Philharmonie am 17. Oktober bereits zum fünften Mal in der Viertorestadt gastieren. Und ja doch, Stadt. Land. Klassik! wird im Herbst 2019 in die zweite Spielzeit starten. Das ist nicht zuletzt möglich dank der finanziellen Unterstützung durch das Land MV, die zunächst auf vier Jahre angelegt ist. „Es wird ja viel auf die Politik geschimpft, oft auch zurecht. Aber an dieser Stelle muss man der SPD/CDU-Landesregierung wirklich sehr dankbar sein, dass sie dieses großartige Projekt unterstützt. Insbesondere CDU Chef Vincent Kokert hat sich sehr dafür stark gemacht, dass kleine Kommunen im östlichen Mecklenburg-Vorpommern jetzt regelmäßig mit Sinfoniekonzert bespielt werden können. Vielleicht lässt sich das Projekt ja noch auf weitere Gemeinden erweitern“, sagt Lutz Schumacher.

CDU-Fraktionschef findet das Projekt super

Kokert erklärte gegenüber dem Nordkurier, dass „sofort angetan war” von dem Konzept, da einerseits junge Musiker gefördert werden und andererseits klassische Orchestermusik wieder in die Kleinstädte gebracht werde. Der durchschlagende Erfolg gibt den Machern und Unterstützern recht. „Die Leute honorieren, dass wir mit der Neuen Philharmonie in ihre Heimatorte kommen”, sagt Andreas Schulz. Diese Begeisterung bestätige ihn in dem Gefühl, in der Region etwas bewegt zu haben, das weit über die Musik hinausgeht. Klassik ist etwas, was die Menschen im Nordosten bewegt.

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