80. GEBURTSTAG

Die schönsten Bilder vom DDR-Chef-Indianer Gojko Mitic

Nackter Oberkörper, stahlharte Muskeln, langes Haar: Die Frauen lagen DDR-Chef-Indianer Gojko Mitic zu Füßen. Zu seinem 80. Geburtstag zeigen wir die schönsten Bilder.
dpa
Typisch Gojko Mitic: Mit muskulösem Oberkörper und entschlossenem Blick als Chingachgook. Rechts: Gojko als Winnetou
Typisch Gojko Mitic: Mit muskulösem Oberkörper und entschlossenem Blick als Chingachgook. Rechts: Gojko als Winnetou mit Ingrid Steeger bei den Karl May-Spielen in Bad Segeberg im Jahr 1995. Links: Defastiftung/Waltraut Pathenheimer Rechts: Carsten Rehder
Gojko Mitic (rechts) zusammen mit Pierre Brice in „Unter Geiern” (1964).
Gojko Mitic (rechts) zusammen mit Pierre Brice in „Unter Geiern” (1964). United Archives/Impress
Gojko (links) in „Chingachgook, die große Schlange” (1967) mit seiner Braut Wahtawah (Andrea Drahota) und se
Gojko (links) in „Chingachgook, die große Schlange” (1967) mit seiner Braut Wahtawah (Andrea Drahota) und seinem Freund Wildtöter (Rolf Römer). Defastiftung/Waltraut Pathenheimer
Gojko (rechts) als Shave Head mit seinem Halbbruder Chris Howard, der von Armin Mueller-Stahl, heute ein Weltstar, dargestellt
Gojko (rechts) als Shave Head mit seinem Halbbruder Chris Howard, der von Armin Mueller-Stahl, heute ein Weltstar, dargestellt wurde. Szene aus dem Film „Tödlicher Irrtum” (1969). Defastiftung/Horst Blümel, Klaus Groch
Traum-Mann: In der Komödie „Der Mann, der nach der Oma kam“ (1971) erscheint der Tochter des Hauses (Katrin M
Traum-Mann: In der Komödie „Der Mann, der nach der Oma kam“ (1971) erscheint der Tochter des Hauses (Katrin Martin) Gojko im Traum. Defa-Stiftung/Rudolf Meister
Günter Junghans (v.l.), Gojko Mitic und Dieter Mann als SED-Chef Walter Ulbricht, Marschall Wassili Sokolowski und Sicher
Günter Junghans (v.l.), Gojko Mitic und Dieter Mann als SED-Chef Walter Ulbricht, Marschall Wassili Sokolowski und Sicherheitsminister Wilhelm Zaisser in „Der Aufstand“. Jens Kalaene
2016 war Gojko Mitic noch einmal als Indianer zu sehen. Als weiser Häuptling Intschu Tschuna in einer Winnetou-Verfilmung
2016 war Gojko Mitic noch einmal als Indianer zu sehen. Als weiser Häuptling Intschu Tschuna in einer Winnetou-Verfilmung von RTL. Rechts: Gojko Mitic als Häuptling Bromden im Stück „Einer flog über das Kuckucksnest“ am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin 2007. Links: RTL / Rechts: Jens Büttner
Wayne Carpendale als Old Shatterhand (von links), Gojko Mitic als Intschu-Tschuna und Jan Sosniok als Winnetou 2013 in Bad Seg
Wayne Carpendale als Old Shatterhand (von links), Gojko Mitic als Intschu-Tschuna und Jan Sosniok als Winnetou 2013 in Bad Segeberg. Markus Scholz
Das Pferd hat er sich selbst ausgesucht: Gojko Mitic 2015 in dem Open Air „Die Verschwörung von Chorin” in Sc
Das Pferd hat er sich selbst ausgesucht: Gojko Mitic 2015 in dem Open Air „Die Verschwörung von Chorin” in Schwedt. Udo Krause
Gojko Mitic 2015 in dem Open Air „Die Verschwörung von Chorin” in Schwedt.
Gojko Mitic 2015 in dem Open Air „Die Verschwörung von Chorin” in Schwedt. Udo Krause
Der 73 Jahre alte Gojko Mitic (l) als Häuptling Intschu-tschuna und Jan Sosniok als Winnetou 2013 in Bad Segeberg bei der
Der 73 Jahre alte Gojko Mitic (l) als Häuptling Intschu-tschuna und Jan Sosniok als Winnetou 2013 in Bad Segeberg bei der Premiere von „Winnetou I – Blutsbrüder”. Christian Charisius
Immer für einen Scherz zu haben: Gojko Mitic (l) mit seinem Kollegen Andreas Schmidt-Schaller am Produktionsset zur Krimi
Immer für einen Scherz zu haben: Gojko Mitic (l) mit seinem Kollegen Andreas Schmidt-Schaller am Produktionsset zur Krimiserie „SOKO Leipzig” in Leipzig 2011. Peter Endig
Der Schauspieler Gojko Mitic (M) ist vor allem auch bei Kindern sehr beliebt. Hier bei einer Lesung 2006 in der Botschaft von
Der Schauspieler Gojko Mitic (M) ist vor allem auch bei Kindern sehr beliebt. Hier bei einer Lesung 2006 in der Botschaft von Serbien. Jens Kalaene
Der Schauspieler Gojko Mitic als Häuptling Bromden (vorn, l-r), Anja Werner als Schwester Ratched und Thorsten Merten als
Der Schauspieler Gojko Mitic als Häuptling Bromden (vorn, l-r), Anja Werner als Schwester Ratched und Thorsten Merten als Randle P. McMurphy im Stück „Einer flog über das Kuckucksnest” im Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin 2007. Jens Büttner
Neubrandenburg.

Der Oberkörper muskulös und nackt, das lackschwarze lange Haar von einem schmalen Lederband zusammengehalten – und ein Blick, der einen in den Bann zog. Wenn Weitspähender Falke, Tecumseh oder Chingachgook auf der Kino-Leinwand und den DDR-Fernsehbildschirmen auftauchten, gerieten Mädchen und Frauen reihenweise ins Schwärmen.

All diese und viele weitere große Häuptlingsrollen spielte Gojko Mitic. Dank der Defa-Indianerfilme wurde er ein Leinwand-Star mit Millionenpublikum. In vielen Jugendzimmern im Osten hingen seine Poster. Gojko, der von seinen Fans immer noch mit dem Vornamen angesprochen wird, feiert heute seinen 80. Geburtstag.

Wenig über Privatleben bekannt

Schon immer hielt er sein Privatleben privat. Auch kurz vor diesem Jubiläum mag Mitic, geboren im ehemaligen Jugoslawien, nicht über seinen runden Geburtstag sprechen. Er gibt nur äußerst selten Interviews und bittet das zu akzeptieren. Erst vor wenigen Jahren war bekannt geworden, dass der Frauenschwarm eine mittlerweile erwachsene Tochter hat.

Anfang des Jahres offenbarte Mitic in einem Interview mit der Zeitschrift „Super Illu“, dass dieser runde Geburtstag ihm nichts bedeute und es einfach nur eine Zahl sei. Er habe den Plan, vielleicht alles etwas ruhiger angehen zu lassen.

„Und etwas selektiver in dem sein, was ich mache.“ Rückblickend sagte der Schauspieler: „Ich hatte nie eine Traumrolle, wollte nie unbedingt dieses oder jenes spielen. Ich habe die Dinge immer auf mich zukommen lassen und versucht, aus allem das Beste zu machen.“

Bevor er in der DDR ein Star wurde, hatte Mitic in Belgrad Sport studiert und dort auch eine Schauspielausbildung absolviert. In Jugoslawien wurden damals viele Filme gedreht – auch die Indianer-Abenteuer von Karl-May. Die Regisseure aus dem Westen verpflichteten als Stuntmen gerne jugoslawische Sportstudenten, so auch Mitic.

Seine Karriere als Indianer-Darsteller begann in den 1960er Jahren im Westen Deutschlands. In „Winnetou 2“ (1964) war er neben Pierre Brice auf der Kino-Leinwand zu sehen. Er, damals gerade Anfang 20, erinnert sich gut an die erste Begegnung mit den Stars. Die Karl May-Bücher habe er bereits gekannt. „Und plötzlich standen dann noch die lebenden Legenden Pierre Brice und Lex Barker vor mir – da war ich richtig ehrfürchtig.“

Bereits der erste Defa-Indianerfilm war ein Kassenschlager

Auf der Suche nach einem passenden Defa-Häuptling stieß Produktionsleiter Hans Mahlich in Jugoslawien auf den jungen Laiendarsteller Gojko Mitic, der „offensichtlich auch ohne größere Textrollen eine Präsenz ausstrahlte, der sie aufhorchen ließ“, schreibt Uli Jeschke in dem gerade erschienenen „Gojko Mitic Erinnerungsalbum“. Deutsch hatte er schon in der Schule gelernt.

Seine Karriere als Defa-„Chefindianer“ begann 1965. In „Die Söhne der großen Bärin“ schlüpfte Mitic in die Rolle des Indianers Tokei-ihto. Fast zehn Millionen Besucher strömten in die Kinos, es wurde einer der kommerziell erfolgreichsten Filme der DDR-Kinogeschichte.

Mitic kämpfte danach weiter um Gerechtigkeit für die „Rothäute“ – als Osceola, als Apachen-Häuptling Ulzana oder aber als „Harter Felsen“ von den Cheyenne. 1982 verkörperte er einen Scout im gleichnamigen Streifen, der zugleich der letzte Defa-Indianerfilm war.

Mitic als Winnetou bei Karl-May-Festspielen

Mehr Realität und weniger Kitsch, so verglichen Kritiker oft die Indianerfilme in Ost und West. Fakt ist: Gojko ist – auch 30 Jahre nach der Einheit – nach wie vor der Indianer der Ostdeutschen, Winnetou der Häuptling der Westdeutschen. Mitic sorgte aber dafür, dass diese Grenze aufgebrochen wurde: 1992 bekam er die Rolle als Winnetou bei den bekannten Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) angeboten und trat dort in die Fußstapfen von Pierre Brice.

Mehr als 1000 Mal stand er auf der Open-Air-Bühne, ritt tollkühn und kämpfte mutig für die Rechte der Indianer. Die Herzen der Fans flogen dem charismatischen Darsteller zu. 2006 war für ihn in Bad Segeberg Schluss. Da war er Mitte 60 und der bis dahin dienstälteste Winnetou auf dieser Bühne.

Die Theaterbühne ließ ihn auch danach nicht los: 2007 bis 2009 verkörperte er im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin den Indianer-Häuptling Bromden in „Einer flog übers Kuckucksnest“. Danach zeigte Mitic sein Gesangstalent als Alexis Sorbas – eine seiner Traumrollen, wie er bekannte – bei den Schweriner Schlossfestspielen 2009.

Ein echter Kumpeltyp, ein Star ohne Starallüren

Zu seinem 75. Geburtstag ritt er mit sichtbarer Freude hoch zu Ross auf die Bühne in Schwedt, als Graf Hans Georg von Arnim in dem Fantasie-Stück „Die Verschwörung von Chorin“. Intendant a.D. Reinhard Simon kann sich gut daran erinnern, dass der Tag der Premiere auf Gojkos runden Geburtstag fiel.

Der Star entschied sich aber, mit seinen Schauspielkollegen aus der Uckermark zu feiern, statt sich in einer Fernsehgala hochjubeln zu lassen. Simon hat Gojko Mitic als „Kumpel“ kennengelernt, als einen Star ohne Star-Allüren. „Er ist jemand, zu dem man sofort Vertrauen hat.“ Sein Pferd für die Vorstellung habe er sich gemeinsam mit Simon in einem Gestüt in Schwedt ausgesucht.

Nicht nur beim Reiten, sondern auch beim Fechten auf der Bühne habe der damals 75-Jährige eine beeindruckende Fitness und Reaktionsschnelligkeit bewiesen.

Dem Schauspieler, der ursprünglich Sportlehrer werden wollte, ist gesunde Ernährung wichtig. Er habe nie geraucht und meide Alkohol, hatte er vor seinem 65. Geburtstag berichtet. Und zum Thema Schönheits-OPs sagte er damals in einem Interview, das finde er „doof“. „Wenn ich mich im Spiegel sehe, muss ich mich mögen.“ Dazu gehörten Falten oder graue Strähnen. Sein Haar ist inzwischen eindeutig grau.

Im Reformationsjahr 2017 spielte er erneut einen Indianerhäuptling – an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul, in dem Stück „In Gottes eigenem Land“.

Auch nach der Wende hatte der DDR-Star viel zu tun

Ihn auf die Indianer-Rollen zu reduzieren, würde ihm aber nicht gerecht werden. Noch zu DDR-Zeiten spielte er zahlreiche andere Filmrollen: Er flog als Kosmonaut Terry ins All („Signal – Ein Weltraumabenteuer“, 1970) und nahm sich selbst auf die Schippe, als er einen Indianer spielte, der einer jungen Frau im Traum erschien („Der Mann, der nach der Oma kam“, 1971).

In „Der lange Ritt zur Schule“ (1981) spielte er eine Doppelrolle: einen Sportlehrer und den Indianer Roter Milan. Auch nach der Wende blieb Mitic ein gefragter Schauspieler und war in zahlreichen Serien von „Notruf Hafenkante“ bis „Forsthaus Falkenau“ zu erleben.

Neben dem Set blieb er immer normal – „menschlich, warmherzig und authentisch“, wie Brigitte Miesen vom Studio Hamburg sagt. Bei Veranstaltungen gehe er auf die Menschen zu, ihm gehe es immer ums Publikum weniger um die Medien. Brigitte Miesen hat Mitic durch die Produktion der Defa-Indianerfilme auf DVD persönlich kennen- und schätzengelernt.

Als sie in den 90er Jahren vom Westen in den Osten kam, war sie noch Winnetou-Fan. Mitic war ihr wie den meisten Menschen in den alten Bundesländern kein Begriff. „Inzwischen finde ich Gojko aber besser als Winnetou!“ Nicht zuletzt durch seine Auftritte in Bad Segeberg habe Mitic den „Osten in den Westen“ gebracht.

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