THEATER NEUSTRELITZ

Die "Todesfalle" ist ein furchtbar amüsanter Krimi

Die „Todesfalle” am Landestheater Neustrelitz ist wie ein richtig guter Thriller inszeniert. Autor und Regisseur führen den Zuschauer auf immer wieder neue Spuren, so dass nicht klar wird, wer hier Opfer und wer Täter ist.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Wie geht der Kampf zwischen Clifford Anderson (Philipp Oliver Baumgarten, links) und Sidney Bruhl (Thomas Pötzsch) aus?
Wie geht der Kampf zwischen Clifford Anderson (Philipp Oliver Baumgarten, links) und Sidney Bruhl (Thomas Pötzsch) aus? Christian Brachwitz
Neustrelitz.

Regisseur Oliver Trautwein hat Sorge, dass in der folgenden Rezension zu viel aus seinem Stück die „Todesfalle” verraten wird. Keine Sorge. Wie bei der Besprechung eines Krimis ist natürlich auch bei einem Theaterstück, das den Untertitel Thriller – besser wäre wohl Komödien-Thriller – trägt, zu berücksichtigen, dass der oder die Taten samt Tätern nicht verraten werden. Schließlich sollen ja möglichst viele Adressaten das Buch lesen beziehungsweise das Stück gucken.

Ein weiterer wichtiger Grund, Trautweins Geheimnistuerei zu folgen, ist seine Inszenierung, die am Samstag im Landestheater Neustrelitz ein mit viel Applaus bedachte Premiere feierte. Bis zum Finale ist unklar, wie das Drama um den erfolglosen Krimi-Autor Sidney Bruhl (Thomas Pötzsch) und den Nachwuchsautor Clifford Anderson (Philipp Oliver Baumgarten) ausgeht. Immer neue Spuren, Verdächtigungen und Wendungen sorgen dafür, das der Zuschauer gespannt bis in die Fußspitzen bleibt.

Trautwein lässt seine Darsteller so agieren, dass sich der Besucher nicht sicher sein kann, am Ende sogar in das Mordgaudi einbezogen zu werden, sprich, selbst einem Theatderdolch zum Opfer zu fallen. Allein, weil dem Rezensenten am eigenen Leben liegt, wird nicht allzuviel Inhalt verraten, zumal Trautwein im Programmheft-Interview gesteht, dass auch ihm „schon das eine oder Mal Mord-Gedanken durchs Gehirn gezuckt sind”. Es sei aber stets beim Planspiel gewesen, versichert er.

„Würdest du wirklich einen Menschen ermorden?”

Zumindest den Plot der „Todesfalle” dürfen wir preisgeben: Der einst erfolgreiche amerikanische Autor Bruhl wartet seit Jahren auf einen Bühnenerfolg, als ihm sein ehemaliger Seminarist Clifford Anderson ein Manuskript zur Begutachtung schickt. Titel: „Todesfalle”. Bruhl ist sofort klar, dass das Krimidrama ein Erfolg wird. Gemeinsam mit seiner im Rollstuhl sitzenden Frau Myra (Lisa Voß) überlegt er, wie er vom zu erwartenden finanziellen Gewinn und Ruhm partizipieren könnte. Beide treiben ihre Gedankenspiele auf die Spitze: „Würdest du wirklich einen Menschen ermorden, um zu einem erfolgreichen Stück zu kommen”, fragt Myra ihren Mann. Als Sidney Clifford nach Hause einlädt, wird sich zeigen, wie er diese Frage beantwortet.

Neben diesem Trio agieren Karin Hartmann als hellsehende Nachbarin der Bruhls sowie deren Anwalt Porter Milgrim (Dirk Schmidt). Auch wenn Hauptdarsteller Pötzsch einige Minuten zum Warmlaufen brauchte, gelingt es dem Ensemble, die Zuschauer von Anfang zu fesseln. Pötzsch spielt einen wunderbar verzweifelten, sarkastischen Autor, der immer mal wieder mit dem einen oder anderen Wortspiel brilliert aber nicht in der Lage ist, ein neues Stück zu schreiben.

Ensemble schafft es immer wieder, den Zuschauer zu verwirren

Lisa Voß gibt die resignative Gattin, die ihren Mann mit einer gewissen schlauen Kaltschnäuzigkeit auf den „richtigen” Weg drängen will. Grandios Karin Hartmann, die als durchgeknallte, mit ungarischem Akzent vor sich herbrabbelnde Wahrsagerin erneut ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellt, was ihr prompt Szenenapplaus einbringt. Das Ensemble schafft es immer wieder, den Zuschauer zu verwirren. Soll man sich nun gruseln? Oder ist es erlaubt zu lachen, wenn Schreckliches auf der Bühne geschieht?

Apropos Bühne: Die gesamte Handlung spielt sich im Arbeits- und Wohnzimmer der Bruhls ab, für das Ausstatter Alexander Martynow eine spannende Kulisse mit viel Tiefe schuf. Besonders gelungen der Geheimschrank des Autors mit einer umfangreichen Waffensammlung samt originalen Handschellen des Magiers Harry Houdini, die natürlich auch eine Rolle im Stück spielen. (Entschuldigung, Herr Trautwein, mehr wird wirklich nicht verraten!)

Außer: Die Neustrelitzer „Todesfalle” ist eine gelungene Inszenierung des amerikanischen Originals aus der Feder von Ira Levin (1929-2007), die auf jeden Fall eine ausverkaufte Premiere verdient hätte.

Weitere Aufführungen im Landestheater Neustrelitz: 27. Oktober, 9. November (jeweils um 19.30 Uhr), 18. November um 16 Uhr.

StadtLandKlassik - Konzert in Neustrelitz

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