Archäologie

Die zehn spektakulärsten Schätze in MV

Mecklenburg-Vorpommern darf als Eldorado für Archäologen bezeichnet werden. Schon häufig wurden spektakuläre Funde gemacht. Hier sind einige Schätze unserer Heimat.
Ralph Sommer Ralph Sommer
Christine Gerhard Christine Gerhard
In einem Acker bei Schaprode auf Rügen hatten Archäologen im April 2018 einen wertvollen skandinavisch dominierten Silberschatz aus dem späten 10. Jahrhundert gefunden.
In einem Acker bei Schaprode auf Rügen hatten Archäologen im April 2018 einen wertvollen skandinavisch dominierten Silberschatz aus dem späten 10. Jahrhundert gefunden. Stefan Sauer
Der berühmte Hiddenseer Goldschmuck aus der Wikingerzeit im Museum von Stralsund.
Der berühmte Hiddenseer Goldschmuck aus der Wikingerzeit im Museum von Stralsund. Stefan Sauer
Im Innenhof des Schweriner Schlosses legten Archäologen 2014/2015 den ehemaligen Burgwall von Fürst Mistivoj frei.
Im Innenhof des Schweriner Schlosses legten Archäologen 2014/2015 den ehemaligen Burgwall von Fürst Mistivoj frei.
Ein Bronzeschwert, ein Bronzemesser und goldener Schmuck waren die Grabbeigaben für einen offenbar sehr reichen Mann, der um 1300 bei Crivitz verbrannt und anschließend bestattet worden war.
Ein Bronzeschwert, ein Bronzemesser und goldener Schmuck waren die Grabbeigaben für einen offenbar sehr reichen Mann, der um 1300 bei Crivitz verbrannt und anschließend bestattet worden war.
Die „Dame von Thürkow” starb vor 3300 Jahren im Alter von 30 bis 40 Jahren. In ihrem 2003 im Landkreis Rostock entdeckten Grab fanden Archäologen ihre komplette Tracht mit Bronzeschmuck, einem mit Bronzeapplikationen besetzten ledernen Obergewand und sogar einem Seidentuch.
Die „Dame von Thürkow” starb vor 3300 Jahren im Alter von 30 bis 40 Jahren. In ihrem 2003 im Landkreis Rostock entdeckten Grab fanden Archäologen ihre komplette Tracht mit Bronzeschmuck, einem mit Bronzeapplikationen besetzten ledernen Obergewand und sogar einem Seidentuch.
Diese schaurigen Reste eines brutalen Scharmützels in der Bronzezeit haben Experten im Tollensetal nördlich von Altentreptow gesammelt.
Diese schaurigen Reste eines brutalen Scharmützels in der Bronzezeit haben Experten im Tollensetal nördlich von Altentreptow gesammelt. Stefan
In Gützkow gab es den bisher größten Goldfund.
In Gützkow gab es den bisher größten Goldfund. Suhr,Sabine
2002 fanden Anwohner in Zaschendorf diesen Schatz, bestehend aus mehr als 1600 Silbermünzen.
2002 fanden Anwohner in Zaschendorf diesen Schatz, bestehend aus mehr als 1600 Silbermünzen.
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Schaprode.

In Polen hat der Schatzsucher Piotr Koper schon zehntausende Euro in die Suche nach einem legendären „Goldzug” investiert, der irgendwann im Zweiten Weltkrieg von den Nazis in Bergbaustollen unter Schlesien versteckt worden sein soll.

Bislang gab es keine stichhaltige Spur vom Zug, doch an anderer Stelle hatte der Bauunternehmer überraschenden Erfolg: Im alten Schloss Adelsbach entdeckte der Pole nun unter Farbschichten alte Gemälde aus der Zeit der Renaissance. Für Schloss-Eigentümer Krzysztof Wieczorek sind die Porträts deutscher und böhmischer Herrscher ein regelrechter Schatz.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es leidenschaftliche Schatzsucher, die manchmal große Erfolge feiern können. Hier ist eine unvollständige Auswahl. Alle Funde sind für sich etwas besonderes, die Liste soll also keineswegs eine Wertung darstellen.

1. Die Silbermünzen von Rügen

Als der Metalldetektor piepst, ahnt der damals 13-jährige Luca Malaschnitschenko noch nicht, dass er wohl den Schatz seines Lebens gefunden hat: Zusammen mit dem Hobby-Archäologen René Schön ist er auf den Kirchacker nahe der Ortschaft Schaprode auf Rügen auf etwas gestoßen, das er zunächst für ein wertloses Stück Metall hält, vielleicht Alu-Schrott. Als sie später zu Hause den silbrig schimmernden Fund von Dreck befreien, wird ihnen schlagartig bewusst, dass sie da etwas ganz Besonderes in den Händen halte: eine sehr alte Silbermünze.

Drei Monate lang müssen sie Stillschweigen wahren. Dann, im April 2018, rücken Archäologen und Grabungshelfer an und nehmen jeden Quadratzentimeter der 40 mal 100 Meter großen Fläche unter die Lupe. Und so wird Lucas Fund zu einer Sensation, über die sogar die Presse in China berichtet.

Binnen weniger Stunden birgt das Team kunstvoll geflochtene Halsreife, Perlen, Fibeln, einen Thorshammer, Ringschmuck und den größten Einzelfund von Blauzahn-Münzen im südlichen Ostseeraum: Von fast 600 teilweise zerhackten Silbermünzen ordnen Numismatiker mehr als 100 der Regentschaft des Dänenkönigs und Wikingers Harald Blauzahn (910-987) zu, der einst das das zersplitterte Dänemark zum Dänischen Reich einte.

2. Ein Goldgrab

Nicht schlecht gestaunt hatte auch ein Traktorist, als sich im Jahr 2008 auf einem Acker nördlich von Crivitz plötzlich ein bronzenes Schwert in seiner Pflugschar verfing. Kurze Zeit später wurde dort das sogenannte „Goldgrab von Crivitz“ freigelegt. Dem Toten, der um 1300 vor Christi auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war, waren neben einem bronzenen Messer auch eine Zwinge, zwei Fingerringe, eine Fibel und ein Armring beigelegt – alles aus schwerem Gold.

3. Die Schlacht vom Tollensetal

Ein ganz neues Kapitel zur Bronzezeit müssen die Historiker schreiben, nachdem vor einigen Jahren im Tollensetal nördlich von Altentreptow das mit mehr als 3300 Jahren älteste bekannte Schlachtfeld Mitteleuropas entdeckt worden war.

Beim Paddeln auf der Tollense hatte ein Ehepaar 1996 mehrere menschliche Schädel an der Abbruchkante bemerkt. Knochen-, Holz- und Metallfunde künden von einem brutalen Gemetzel, das sich am Ufer des Flusses abgespielt hatte. Noch vor wenigen Jahren galt es in Forscherkreisen als ausgeschlossen, dass nördlich der Alpen bereits in der Bronzezeit solche Konflikte ausgetragen wurden.

Teile des Fundes wurden bis Anfang Januar 2019 in der Ausstellung „Bewegte Zeiten” im Martin-Gropius-Bau in Berlin ausgestellt.

4. Wikingergold von Hiddensee

Die Jahrhundertflut auf Hiddensee hatte schon 1872 einen legendären Wikinger-Goldschatz, der ebenfalls Blauzahn zugeordnet wird. Das 16-teilige, fast 600 Gramm schwere Ensemble aus filigranen Schmuckstücken ist heute eine Attraktion im Museum Stralsund. Und mit 70 Millionen Euro versichert.

5. Ein altes Schiff

Rekordverdächtig ist ein Fund, auf den im 2017 im Hafen von Wismar Jahr Mitarbeiter einer Baufirma stießen. Im Schlick orteten sie ein gut erhaltenes Schiff, das mit mehr als 20 Metern Länge und 8 Metern Breite sehr viel größer war als ein Wikingerschiff und, zwischen 1150 und 1200 gebaut, älter als die Stadt Wismar.

Die Wissenschaftler vermuten, dass es am Fundort eine bislang unbekannte Siedlung gegeben hat, vielleicht mit einer Werft.

6. Eine Tracht in 900 Teilen

1991 hatten Bürger aus Neustrelitz östlich ihrer Stadt einen äußerst ungewöhnlichen Hortfund gemacht. In einem vergrabenen Tongefäß fanden sie eine Art Ornat, das vor rund 3300 Jahren einer außerordentlich reichen Frau gehört haben muss, vermutlich der Repräsentantin ihres Stammes. Die Tracht bestand aus fast 900 Teilen, die gleichzeitig getragen werden konnten, darunter Schmuckgegenstände aus Bronze, Glas und Bernstein.

7. Römische Goldmünzen

Auf den landesweit bislang größten Goldfund aus der Zeit der Völkerwanderung vor mehr als 1500 Jahren waren ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger 2017 in Gützkow gestoßen. Was die Helfer da ans Licht holten, entpuppte sich als massiver Golddraht, in den fünf Goldmünzen aus dem weströmischen Reich eingeklemmt waren.

8. Malchiner Stabdolche

Glück hatte im Jahr 2015 der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Mario Petznick, als er östlich von Malchin im Erdreich fünf bronzene Stabdolche ortete, die vor rund 4000 dort Jahren vergraben worden waren. Experten vermuten, dass die Waffen seinerzeit im Karpatenraum hergestellt wurden. Irgendwie müssen die Vorläufer der Schwerter ihren Weg quer durch Europa gefunden haben.

9. Die Tempelburg von Kap Arkona

Jahrelang hatte ein Forscherteam in einer Rettungsgrabung versucht, das Geheimnis der Tempelburg an Rügens Kap Arkona zu entschlüsseln. Während im Laufe der Jahrhunderte schon große Teile der ehemaligen Wallanlage bei Küstenabbrüchen in die Ostsee gestürzt waren, stießen die Archäologen oberhalb der Steilküste auf überraschende Funde.

Sie lassen erahnen, wie die um 1100 erbaute Burg einmal ausgesehen haben könnte: Vor den Häusern der Krieger waren menschliche Schädel als Trophäen aufgestellt. Außerdem fanden die Helfer zwei Anker, die schwersten Eisenfunde, die je im westslawischen Gebiet entdeckt wurden.

10. Der Münfund von Zaschendorf

Von erheblichem Wert dürfte der Münzfund von Zaschendorf sein. Im Jahr 2002 hatten Mitglieder des Vereins „Das Warnow-Reichenberger Land“ dort zunächst mehrere sogenannte Brakteaten entdeckt. Zehn Jahre später fanden Archäologen auch über 1600 Silbermünzen aus der Zeit um 1200. Darunter einige extrem seltene Prägungen der Schweriner Grafen und mehrere gänzlich unbekannten Münzen. Der Fund markiert den Beginn einer echten Geldwirtschaft in der Region um Schwerin.

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