REZENSION

Dieser Küstenkrimi hat es in sich

Ein Toter am Ostseestrand, ein weiterer in der Werkstatt. Da kann einem vor dem Urlaub am Meer mulmig werden. Jedenfalls, wenn man den Krimi von Jonas Brandt liest.
Buchcover zu Jonas Brandt „Die Küstenkommissarin. Der Tote am Leuchtturm”
Buchcover zu Jonas Brandt „Die Küstenkommissarin. Der Tote am Leuchtturm” Ulrike Schubel
Neubrandenburg ·

Eine große Portion Schwermut liegt über der Ostseeküste. Zumindest im Roman „Die Küstenkommissarin. Der Tote am Leuchtturm” von Jonas Brandt. Und alles, weil die Vergangenheit riesige Schatten auf die Gegenwart wirft. Mit diesen kämpfen nicht nur Täter und Opfer, sondern auch eine Kommissarin und ihr Kollegenstab. Aber der Reihe nach: Unter einer Segelyacht findet ein junger Mann den Tod. Was da in der Werkstatt am Leuchtturm Dahmeshöved geschehen ist und zunächst wie ein Unfall aussieht, aber sich dann als Mord erweist, wollen Frida Beck, eben jene traurige Kommissarin, und ihr Kollege Deniz Yilmaz herausfinden.

Eine Menge Verdächtiger. Und wer war’s?

Die beiden gehören zur Kripo Lübeck, da ist ebenfalls nicht alles in Butter. Es braut sich Düsteres über Frida Becks Kopf zusammen. „Der kürzeste Schauprozess der Geschichte”, kommentiert sie etwa, als sie bei der morgendlichen Lagebesprechung in der Polizeidirektion vorgeführt wird. Was also hinter den Kulissen abläuft, ist nicht gerade von der feinen Art. Aber das nur so nebenbei. Jedenfalls bleibt der Jugendliche nicht der einzige, der im Laufe der Handlung den Tod findet. Auch der Vater des Opfers, ein Immobilienmakler, wird das Ende des Romans keineswegs erleben. Eine Menge Verdächtiger taucht auf, unter anderem ein Mann, der als Leuchtturmführer unterwegs ist und den späteren Toten gar nicht leiden kann, weil er ihn für die Naturzerstörung in der Region verantwortlich macht. Oder der jüngere Sohn des Immobilienmaklers. Da haben wir dann noch dessen Stiefmutter und ihren Schwiegervater, die ebenso ins Verdächtigen-Lager geschoben werden. Und wer war’s? Klar, das verraten wir an dieser Stelle natürlich nicht.

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Nebenrolle für Neubrandenburg

Soviel aber doch: Des Rätsels Lösung oder vielmehr die Ursache für alles findet sich in den Ereignissen Ende der 70er Jahre, als eine Familie aus der DDR die Flucht in den Westen über die Ostsee angetreten hat. Eine Geschichte zwischen Stasi-Verstrickungen und düsteren Immobiliengeschäften, flankiert von Eine-Hand-wäscht-die andere-Methoden. Tatsächlich spielt Neubrandenburg eine winzig kleine, wenn auch nicht sehr rühmliche Nebenrolle. Aufmerksame Leser werden diesen Zusammenhang gewiss entdecken.

Autor Jonas Brandt ist jedenfalls dem Norden unseres Landes sehr verbunden. Er arbeitet laut Verlag als Lehrer und ist oft an den Küsten unterwegs. Gerne lässt er in seinen Geschichten genau dort die Kommissare nach den Tätern Ausschau halten. Die sympathische Frida Beck jedenfalls wird in Zukunft viel zu tun bekommen, schließlich ist dies der erste Band der neuen Reihe.

Jonas Brandt: Die Küstenkommissarin. Der Tote am Leuchtturm. Ostsee-Krimi. Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin, 2021, 312 Seiten, 10,99 Euro.

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