STADT.LAND.KLASSIK!-TOUR

Dirigent lobt: Konzept der Neuen Philharmonie "extrem mutig"

Georg Christoph Sandmann wird sich bei der dritten Stadt.Land.Klassik!-Tour durch den Nordosten das Dirigat mit Andreas Schulz teilen. Mit Blick auf die Konzerte in Städten wie Pasewalk, Anklam und Waren erinnert Sandmann sich an seine Wurzeln.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Georg Christoph Sandmann geht bei der dritten Stadt.Land.Klassik!-Tour mit der Neuen Philharmonie auf die Reise.
Georg Christoph Sandmann geht bei der dritten Stadt.Land.Klassik!-Tour mit der Neuen Philharmonie auf die Reise. Peter Adamik
Pasewalk.

Georg Christoph Sandmann kann sich gut an das Jahr 1988 erinnern. Der Ostteil von Mecklenburg und Vorpommern nannte sich damals noch Bezirk Neubrandenburg. Sandmann studierte als junger Mann an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler” in Berlin in den Fächern Dirigieren, Klavier, Gesang und Komposition. Im Jahr vor der Wende absolvierte er ein Praktikum bei der Neubrandenburger Philharmonie, und der heute 54-Jährige weiß noch gut, dass das Orchester seinerzeit oft "über Land gefahren ist”. Er sei als Praktikant damals, um die Weihnachtszeit 1988, mitgereist zu Gastspielen in Orten wie Ueckermünde, Torgelow und Waren.

Abgesehen davon gebe es einen weiteren heimatlichen Aspekt, wenn Sandmann als Gastdirigent bei der dritten Stadt.Land.Klassik!-Tour im Nordosten zu erleben sei: Die Familie seiner Mutter sei in Mecklenburg beheimatet gewesen. Er könne auf eine immerhin rund 600 Jahre andauernde Geschichte der Familie verweisen, die im Raum Waren/Güstrow lebte.

Dirigent Sandmann startet in Pasewalk

Von daher betritt Sandmann kein Neuland, wenn er nun, 30 Jahre später, mit der Neuen Philharmonie in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs ist. Auf Einladung des Chefs des jungen Orchesters, Andreas Schulz, wird Sandmann die Konzerte in Pasewalk, Ueckermünde, Demmin und Malchow leiten. Schulz und Sandmann kennen sich schon viele Jahre. Sandmann ist einer der wichtigen Lehrer von Schulz auf dem Weg zum Dirigenten gewesen. Eine Beziehung, die bis heute aufrechterhalten wurde, sagt Sandmann. „Wir sind nach wie vor im künstlerischen Gespräch zwischen Mentor und Dirigent.” Was allerdings auch nicht unüblich sei zwischen Schüler und Lehrer im Klassik-Fach.

Sandmann fühlt sich auch „nicht ganz schuldlos” an der Art des künstlerischen Weges, den Andreas Schulz eingeschlagen hat. Nach dem Studium gründete Schulz das Junge Sinfonieorchester Berlin mit Nachwuchsmusikern, das 2015 zum ersten mal auf Einladung des Nordkurier in der Neubrandenburger Konzertkirche gastierte. 2016 folgte dann die Neue Philharmonie MV mit deutlich professionelleren Strukturen, vor einem Jahr wurde – gemeinsam mit dem Nordkurier als Medienpartner – die Stadt.Land.Klassik!-Tour aus der Taufe gehoben, die ein Konzept auferstehen lässt, das Sandmann 1988 mit der Neubrandenburger Philharmonie erlebte: Das Orchester fährt dorthin, wo das Publikum lebt. Es wartet nicht darauf, dass die Besucher aus dem Umland die langen Wege in die etablierten Konzertsäle auf sich nehmen.

Professor dirigierte auch schon in Bayreuth

„Diese Konzept von Stadt.Land.Klassik! ist extrem mutig und extrem innovativ” lobt Sandmann seinen „Schüler” Schulz und mit ihm dem Wegbegleiter Nordkurier. Auch wenn die Funktion etablierter Berufsorchester nach wie vor wichtig sei, brauche es zur Vermittlung klassischer Musik „zukunftsweisendes und innovatives Denken”. Daher habe er nicht lange gezögert, als Schulz wegen eines Dirigats für die SLK-Tour bei ihm angefragt habe. Auch wenn seine Zeit eng bemessen sei, denn Sandmann leitet unter anderem zwei Chöre und zwei Orchester im sächsischen Raum und hat außerdem die eine oder andere Verpflichtung in Sachen klassischer Musik. So arbeitet er seit 2000 als Professor für Orchesterdirigieren an der Musikhochschule Carl Maria von Weber Dresden. 2017 leitete er u.a. im Rahmen der Bayreuther Festspiele zusammen mit Christian Thielemann den 1. Meisterkurs Dirigieren.

Vielleicht wird der Beethoven etwas flotter gespielt

Er sei gespannt auf die in der kommenden Woche beginnenden Proben mit der Neuen Philharmonie MV. „Ich werde mich über das Engagement und die Wachheit der jungen Leute freuen”, sagt Sandmann Es könne durchaus sein, dass er mit den jungen Musikern das eine oder andere ausprobiere. „Vielleicht nehmen wir uns die Freiheit, mit anderen Tempi zu arbeiten, beispielsweise bei Beethovens Schicksalssinfonie.” Zudem wir es auch einen Wunschitel geben, den die Leser mit einer Umfrage bestimmen.

Moderationen, wie sie die Gäste der Stadt.Land.Klassik!-Touren gewohnt sind, sind auch Sandmann nicht fremd. Er habe das auch schon seit den 90er Jahren während seiner Engagements bei den verschiedenen sächsischen Theatern und Orchestern praktiziert und werde auch nun, gemeinsam mit Nordkurier-Chefredakteur Lutz Schumacher, zwischen den Stücken zum Mikro greifen, um beispielsweise Einblicke in die Welt der Elfen, die in Carl Maria von Webers „Oberon” eine wichtige Rolle spielen, zu geben. Solcherart Erläuterungen sieht er als „Brücke, um die interaktive Resonanz zwischen der klassischen Musik und dem Publikum aufzubauen”.

 

Die Neue Philharmonie MV spielt diesmal unter anderem  C. M. v. Weber „Oberon-Ouvertüre“, C. Saint-Saëns „Cellokonzert Nr. 1 in a-Moll“, L. v. Beethoven „Sinfonie Nr. 5“, F. Schubert: Der Tod und das Mädchen (Streichquartett) und Ausschnitte aus Carmen von G. Bizet.

Pasewalk, 17.02., 16 Uhr, Historisches U
Ueckermünde, 18.02., 19 Uhr Volksbühne
Demmin, 19.02., 19 Uhr, St. Bartholomaei Kirche
Malchow, 20.02., 19 Uhr, Werleburg Anklam, 21.02., 19 Uhr, Vorpommersche Landesbühne Gast: Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz
Waren (Müritz), 22.02., 19 Uhr, Bürgersaal

Tickets gibt es in den Stadtinformationen Pasewalk, Anklam, Ueckermünde, Demmin, Waren, Malchow, sowie im Theater-Service Neustrelitz, in den Servicepunkten des Nordkurier in Neubrandenburg, Friedrich- Engels-Ring 29 und Turmstraße 13 und unter der kostenfreien  Telefonnummer: 0800-4575033

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