Buchcover Drei Witwen von Catherine Quinn.
Buchcover Drei Witwen von Catherine Quinn. Ulrike Schubel
Spannender Krimi

Drei Witwen, ein Mord – wer war’s?

„Drei Witwen”. So heißt der Kriminalroman von Catherine Quinn. Darin geht es nicht nur um einen Mordfall, sondern auch um eine verschworene Gemeinschaft.
Neubrandenburg

Ein Ehemann, drei Frauen. Schwesterfrauen, wie sie sich selbst nennen. So ist das nun mal bei Blake Nelson, dessen Familie zu den Heiligen der Letzten Tage, besser bekannt als Mormonen, gehört. Das Quartett lebt abgeschieden in der Wüste von Utah (USA), auf einer Farm. Die Frauen und ihr Mann geben als Selbstversorger alles, um auf die Apokalypse vorbereitet zu sein. Nun allerdings gibt es eine sehr persönliche: Blake wird tot aufgefunden – bestialisch ermordet. Die Polizei ermittelt – und ist misstrauisch ob der Lebensweise des Opfers. Gleich drei Ehefrauen? Wo doch die Vielehe selbst unter Mormonen heutzutage nicht mehr all zu gern gesehen ist. Autorin Catherine Quinn lässt im Thriller „Drei Witwen” zunächst die streng gläubige Rachel, die erste der Ehefrauen, erzählen: „Im Umkreis von hundert Meilen gibt es hier nur Wüste und ein paar alte Truthahngeier. Für mich ist es das Paradies auf Erden”. Wirklich seltsam, diese Frau! Hinzu gekommen in die Einöde ist die ehemalige Prostituierte Tina und schließlich Emily, die keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie hat, seit sie mit Blake die Ehe eingegangen ist. Alle drei wechseln sich Kapitel für Kapitel ab, um zu enthüllen, was sich hinter den Kulissen der einsamen Farm getan hat.

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Jede hätte ein Motiv

Für die Polizei ist längst klar: Jede könnte diesen brutalen Mord begangen haben. Jede hätte ein passendes Motiv. Und die Wahrheit? Die gibt die Autorin nur ganz langsam preis, lässt ihre drei Hauptfiguren reden und fabulieren, vermuten, lügen, verdrehen, verschweigen und erinnern. Misstrauen macht sich breit. Stück für Stück fügt sich ein Bild zusammen – der Leser fiebert der Auflösung entgegen. So spannend ist nicht nur das Leben auf der öden Wüstenfarm, sondern auch, was die Autorin über die Religionsgemeinschaft der Mormonen erzählt. Es gibt seltsame Regeln fürs Zusammenleben. Und dann auch noch die heilige Unterwäsche! „Eine Art Strampler, sehr, sehr unsexy, mit halbem Arm und halbem Bein. Als er meinte, ich müsste das immer tragen, um mich vor dem Bösen zu schützen, überlegte ich ernsthaft, einen Rückzieher zu machen”, lassen wir uns dieses seltsame Kleidungsstück von Schwesternfrau Tina erkläre. Kein Wunder, dass sie da zögert.

Außergewöhnlicher Hintergrund

Außergewöhnlich wie die Konstellation der Hauptfiguren ist auch der Hintergrund der Geschichte. Exotisch die Gegend, ungewöhnlich die Menschen. Eine faszinierend-bedrückende Outsider-Geschichte – in der es um Liebe und Vertrauen geht, aber vor allem um menschliche Abgründe, um Eifersucht, Hass, um Sekten, sexuellen Missbrauch und Inzest, um Kindheit unter Ausgestoßenen, ums Verdrängen und Verstehen.

Autorin Catherine Quinn ist laut Verlag als Reisejournalistin bekannt geworden, hat historische Romane geschrieben, bevor sie sich an ihren ersten Thriller, an „Drei Witwen” heranwagte. Übersetzt wurde die Geschichte von Marie Rahn.

Catherine Quinn: Drei Witwen, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2021, 540 Seiten, 15,99 Euro.

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