Caspar David Friedrich

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E-Book-Studie soll Lücken in der Biografie schließen

Der Autor Detlef Stapf macht seine 500-seitige Studie über den Maler kostenfrei zugänglich.
Der Autor Detlef Stapf macht seine 500-seitige Studie über den Maler kostenfrei zugänglich.
Stefan Sauer

Caspar David Friedrich stellt die Kunstgeschichte bis heute vor Rätsel. Eine neue Studie befasst sich mit den Beziehungen des Malers zur Stadt Neubrandenburg und will einige Geheimnisse lüften - etwa das, wer sich hinter den Männerfiguren des Malers verbirgt.

Eine neue Sicht auf einen Alten Meister versucht der Autor Detlef Stapf mit einem modernen Medium zu erreichen: Er hat seine mehrjährigen Recherchen über den romantischen Maler Caspar David Friedrich als sogenanntes P-Book (projectbook) veröffentlicht. "Das ist ein fortschreibbares, kostenfrei zugängliches E-Book", erklärt Stapf. Er habe diese offene Form gewählt, um Texte und Quellen bei der Fortführung des Projektes sowie bei der Diskussion der Studie ergänzen zu können.

Ursprünglich habe er nur einige Lücken in der Biografie Caspar David Friedrichs (1774-1840) füllen wollen, berichtete Stapf, der viele Jahre in Neubrandenburg als Journalist arbeitete. Es sei ihm vor allem um Friedrichs Beziehungen zu Neubrandenburg gegangen, wo ein Teil von dessen Familie lebte. Herausgekommen sei eine bisher 500-seitige Studie, die die Sicht auf den wichtigsten Maler der Romantik verändern könne.

Wer ließ "Das Kreuz im Gebirge" malen?

Für die Kunsthistorikerin Kornelia von Berswordt-Wallrabe, früher Direktorin des Staatlichen Museums Schwerin, sind neue Zuschreibungen und Präzisierungen für eine Reihe von Zeichnungen und Gemälden Friedrichs besonders interessant. Dazu zählt sie das Bild "Das Kreuz im Gebirge" (Der Tetschener Altar) von 1807/1808, das zu den wichtigsten Werken Friedrichs gehört und heute in der Galerie Neue Meister in Dresden hängt. Nach wie vor ist unklar, wer das Bild wofür in Auftrag gegeben hat. Stapf ist überzeugt, dass das Gemälde für die Kirche von Hohenzieritz südlich von Neubrandenburg konzipiert war. Hohenzieritz war Sommersitz der Strelitzer Herzöge und Sterbeort der Königin Luise von Preußen, einer geborenen Herzogin zu Mecklenburg.

Männerfiguren sollen Pastor darstellen

Eine weitere Entdeckung gibt Stapf zufolge Aufschluss darüber, wer hinter zahlreichen Männerfiguren in Friedrichs Werk steckt: Es ist nach seiner Überzeugung der protestantische Pastor Franz Christian Boll (1776-1818) aus Neubrandenburg. Sein Bildnis war 1945 in der Marienkirche der Stadt verbrannt. Stapf entdeckte aber ein Foto des Bildnisses in einer privaten Mecklenburgika-Sammlung. "Mit der Kenntnis über das Aussehen des protestantischen Predigers wurde schnell klar, dass Boll die zentrale Figur im Werk des Malers sein musste", sagt Stapf.

Der Berliner Caspar-David-Friedrich-Experte Helmut Börsch-Supan äußert sich skeptisch zu den Erkenntnissen. Er kenne die Studie allerdings nicht, schränkt er ein. Es werde aber über keinen anderen Maler des 19. Jahrhunderts ein solch geradezu erbitterter Streit geführt wie über Friedrich. Es seien viele "ziemlich absurde" Ideen aufgetaucht. "Da muss man vorsichtig sein", sagt er.