MASSENSELBSTMORD 1945

Eine Demminerin in Norwegen und die Geschichte ihrer Stadt

Eine Demminerin stößt in ihrer neuen Heimat Norwegen auf einen Roman, in dem es um ihre Heimatstadt geht. Das Thema lässt sie fortan nicht mehr los.
Denny Kleindienst Denny Kleindienst
Katharina von Oltersdorff-Kalettka beim jüngsten Besuch in ihrer Heimatstadt Demmin.
Katharina von Oltersdorff-Kalettka beim jüngsten Besuch in ihrer Heimatstadt Demmin. Denny Kleindienst
Als die norwegische Autorin Trude Teige 2005 Demmin besuchte, berichtete auch ein norwegisches Magazin darüber. Erschienen ist der mehrseitige Artikel seinerzeit unter der Überschrift „DØDENS BY“, zu deutsch: Stadt der Toten oder Totenstadt. 
Als die norwegische Autorin Trude Teige 2005 Demmin besuchte, berichtete auch ein norwegisches Magazin darüber. Erschienen ist der mehrseitige Artikel seinerzeit unter der Überschrift „DØDENS BY“, zu deutsch: Stadt der Toten oder Totenstadt. Denny Kleindienst
Trude Teiges Roman "Mormor danset i regnet" ist bisher weder ins Englische noch ins Deutsche übersetzt worden.
Trude Teiges Roman „Mormor danset i regnet” ist bisher weder ins Englische noch ins Deutsche übersetzt worden. Katharina von Oltersdorff-Kalettka
Demmin.

Demmin ist weit weg, wenn man in Norwegen wohnt. Seit 2015 lebt die Demminerin Katharina von Oltersdorff-Kalettka in der Stadt Balestrand. Norwegen war nach ihrem Austauschjahr 2005 das Land, in dem sie leben und alt werden wollte. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten hat sie sich diesen Traum erfüllt. Zur Arbeit fährt sie jeden Tag mit der Fähre „auf die andere Seite des Fjordes“, wie sie sagt.

Über eine Suchmaschine war Katharina von Oltersdorff-Kalettka eher zufällig auf den Roman „Mormor danset i regnet“ (Oma, die im Regen tanzte) von der norwegischen Autorin Trude Teige gestoßen. Der Roman behandelt sowohl das Schicksal der „tyskerjentene“, jener norwegischen Frauen, die deutsche Soldaten geheiratet haben und denen daraufhin die norwegische Staatsangehörigkeit entzogen wurde, als auch den Massenselbstmord in Demmin im Mai 1945. All das wird im Roman anhand einer Familiengeschichte erzählt.

Treffen von Autorin und Regisseur geplant

Katharina von Oltersdorff-Kalettka bedauert, dass das Buch bisher weder ins Englische noch ins Deutsche übersetzt wurde. Ihr selbst brachte dieser norwegische Roman die Geschichte ihrer Heimatstadt plötzlich wieder näher. Auf ihrem Blog hat sich die Demminerin schließlich nicht nur ausführlich über das Buch geäußert. Sie schildert dort auch, dass sie mit der Autorin in Kontakt steht.

„Meine Begeisterung über Trudes Buch und eben die Tatsache, dass ich als Demminerin hier in Norwegen lebe und nun regelrecht über sie gestolpert bin, wollte ich unbedingt mit der Autorin selbst teilen.” Noch hat das Treffen nicht stattgefunden. Fragen hat die Demminerin indes jede Menge. Sie möchte erfahren, wie die Autorin dazu kam, ein Buch über Demmin und diese Zeit zu schreiben. Sie will wissen, wie viele der fiktionalen Episoden im Buch auf Zeitzeugenaussagen beruhen oder reine Erfindung sind. Vor allem würde sie Trude Teige gern kennenlernen.

Außerdem plant Katharina von Oltersdorff-Kalettka jetzt, die Autorin des bisher noch nicht auf deutsch übersetzten Romans, Trude Teige, mit Martin Farkas, dem Regisseur des Dokumentarfilms "Über Leben in Demmin”, zusammenführen. „Ich helfe der Autorin dabei ihren Verlag davon überzeugen, dass sie ihr Buch in Deutsch übersetzt bekommt. Gleichzeitig plane ich eine Premiere hier im Ort Balestrand in Norwegen die eine Lesung aus Trudes Buch und Martin Farkas Film im Anschluss beinhaltet.”

Mehr Informationen zu dem Projekt gibt es auch auf der Facebook-Seite von Katharina von Oltersdorff-Kalettka.

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Demmin

zur Homepage

Kommentare (1)

sagt Hanna Schmitz, die fiktive ehemalige KZ-Aufseherin in "Der Vorleser". zum zwanzig Jahre jüngeren Michael, der sie nach Jahrzehnten im Gefängnis besucht. Ein bestechendes und nicht zu widerlegendes Argument. Und "was hätten Sie denn getan?!" fragt sie den Richter, der sie anklagt. Wenn das Buch und der Film überhaupt irgend jemandem helfen, dann den Jüngeren unter uns. Denn lernen können allenfalls sie daraus.