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Eine Sprechprobe brachte ihm Weltruhm

Tom Wlaschiha ist dick im Geschäft. Von Sachsen ging es für ihn in die große Schauspielwelt. In die neueste Staffel des Welterfolgs „Game of Thrones“ hat man seine Rolle extra wieder hineingeschrieben.
Tom Wlaschiha ist dick im Geschäft. Von Sachsen ging es für ihn in die große Schauspielwelt. In die neueste Staffel des Welterfolgs „Game of Thrones“ hat man seine Rolle extra wieder hineingeschrieben.
Michael Heitmann

Mal mysteriös, mal mörderisch, mal superschlau. Der Schauspieler Tom Wlaschiha zeigt derzeit viele Gesichter. Das hängt auch am Welterfolg von „Game of Thrones“ – seine Figur wurde wiederbelebt.

Wenn der Schauspieler Tom Wlaschiha mit der U-Bahn fährt oder im Supermarkt in der Schlange steht, wird er schon mal als Jaquen H’ghar begrüßt. Die mysteriöse Rolle aus der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ hat inzwischen eine eigene Fangemeinde. „Das ist schon eine einmalige Figur – es ist ein Auftragskiller, der ein Sympathieträger ist“, sagt der Deutsche, der es mit der Rolle zu internationaler Bekanntheit gebracht hat.

Eben erst war Wlaschiha, der in Berlin-Kreuzberg lebt, in San Francisco zur Premierenfeier der fünften Staffel der US-Kultserie. Nun ist der Mann mit dem slawischen Namen, der im sächsischen Dohna zur Welt kam, in Prag, um in der Polizeiserie „Crossing Lines“ den Computerexperten Sebastian Berger zu spielen. Dabei steht er an der Seite von Hollywood-Größen wie Donald Sutherland. Erst kürzlich war er im Kieler „Tatort“ neben Sibel Kekilli als Ortspolizist Thomas Rausch zu sehen.

Schauspieler-Beruf ist wie ein Marathonlauf

Für die Jugendlichen, die in der Folge mitspielten, hat Wlaschiha viel Anerkennung übrig. „In dem Alter hätte ich vor der Kamera gesessen wie ein Kaninchen vor der Schlange“, sagt der heute 41-Jährige. Für ihn selbst war früh klar, dass er auf die Bühne wollte.

Als 15-Jähriger bewarb er sich an den Schauspielschulen der damaligen DDR – ohne seinen Eltern etwas zu sagen. „Zum Glück hatte ich einen Onkel, der zu der Zeit als Opernsänger erfolgreich war, so dass meine Eltern keine Einwände hatten.“

Später gab es auch längere Durststrecken. Der Schauspieler-Beruf sei kein Sprint, sondern eher ein Marathonlauf, sagt er. „Entweder man hat unheimlich viel Glück oder man muss sich wirklich durchbeißen.“

Als Wlaschiha vor vier Jahren für die ihm bis dato unbekannte TV-Serie „Game of Thrones“ mit dem Handy eine Sprechprobe einschickt, macht sich der Mann mit den strahlenden Augen keine zu großen Hoffnungen. Ein bisschen merkwürdig findet er es schon, dass die Figur nur in der dritten Person über sich selbst spricht.

„Allen kann man es sowieso nie recht machen“

Doch der gebürtige Sachse wurde genommen. Noch größer dürfte die Überraschung gewesen sein, als die Figur des Jaquen H’ghar nun für die fünfte Staffel wiederbelebt wurde. Denn in der Vorlage „Das Lied von Eis und Feuer“ des Beststellerautors George R. R. Martin kommt der sogenannte „gesichtslose Killer“ nicht mehr vor. „Es war mein Glück, dass die Produzenten die Möglichkeit haben, inhaltlich von den Büchern abzuweichen“, sagt Wlaschiha.

Den Erfolg von „Game of Thrones“ erklärt er damit, dass die Serie gerade einen Nerv treffe und es ermögliche, in eine andere Welt einzutauchen. Im Mittelpunkt stehen menschliche Intrigen und überraschende Wendungen. „Es gibt ein paar Drachen und meine Figur hat ein paar übernatürliche Fähigkeiten, aber im Prinzip ist es Shakespeare“, meint der ausgebildete Theaterschauspieler.

Natürlich gibt es auch Kritiker der US-Serie, das weiß auch Wlaschiha. „Manche sagen, es gibt zu viel Gewalt. Manche sagen, es gibt zu viel Sex. Manche sagen, es gibt zu wenig Sex.“ Sein Resümee lautet mit einem Lächeln: „Allen kann man es sowieso nie recht machen, aber ich finde die Mischung ziemlich gut.“