Instrumentenserie: Cello

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Er liebt sein Cello wie eine zweite Freundin

Mathias Beyer spielt von Kindesbeinen an Cello. Mit der Paperplus-App können Sie hören, wie das Volkslied "Komm lieber Mai" interpretiert.
Mathias Beyer spielt von Kindesbeinen an Cello. Mit der Paperplus-App können Sie hören, wie das Volkslied „Komm lieber Mai” interpretiert.
Frank Wilhelm

Mathias Beyer (34) ist stellvertretender Solo-Cellist in der Neubrandenburger Philharmonie. Damit ist er für unseren Reporter Frank Wilhelm genau der richtige Mann, den Reiz dieses Instruments zu erklären.

Wie lange besitzen Sie ihr eigenes Cello schon?

Dieses Cello habe ich seit 14 Jahren.

Baut sich nach so langer Zeit eine Beziehung zu einem Instrument auf?

Das kann man so sagen. Mein Cello ist so etwas wie eine zweite Freundin. Man verbringt viel Zeit miteinander und kümmert sich natürlich auch gut um sie.

Wie sind Sie zum Cello-Spiel gekommen?

Ich habe schon als kleines Kind gerne gesungen. Meine Mutter hat mich deshalb in der Musikschule in Stralsund zur musikalischen Früherziehung angemeldet. Da ich schon als Sechsjähriger relativ große Hände hatte, empfahl mir die Musiklehrerin, mit dem Violoncello anzufangen. Seit meinem siebten Lebensjahr bin ich dabei geblieben.

Damals war das Instrument doch fast größer als Sie?

Nein, es gibt für Kinder auch kleinere Celli, die der Größe angepasst sind.

Können Sie sich noch an das erste Lied erinnern, das Sie spielen konnten?

Nein. Ich weiß aber, dass ich damit angefangen haben, leere Saiten zu zupfen, um das Instrument kennenzulernen. Erst danach kam der Bogen zum Einsatz.

Apropos Bogen: Besteht dessen Bespannung auch aus Pferdehaaren?

Ja, wie bei den Bögen für Geige und Bratsche auch.

Bislang konnte mir noch keiner die Frage beantworten, ob die Haare von toten oder lebenden Pferden abgeschnitten werden?

Keine Sorge, die Bögen werden mit Haaren vom Schweif lebender Pferde bespannt. Dafür muss kein Pferd sterben. Die Haare für unsere Bögen werden aber meines Wissens nach nur von männlichen Pferden abgeschnitten.

Wie oft muss man als Kind üben, um wie Sie, ein Profi-Musiker, zu werden?

Eine halbe Stunde pro Tag sollte es schon sein. Zu viel Druck sollte auf die Kinder, die ein Instrument erlernen, aber auch nicht ausgeübt werden.

Hat Ihnen das Üben immer Spaß gemacht?

Meistens. Meine Mutter musste mich ab und zu aber natürlich auch motivieren.

Wie ging es weiter mit Ihrer Cello-Leidenschaft?

Als ich 15 Jahre alt war, bin ich auf dem Musikgymnasium in Weimar angenommen worden. Das war natürlich toll, auch wenn ich die Woche über im Internat und nicht zu Hause in Stralsund war. In Weimar habe ich dann auch an der dortigen Musikhochschule studiert. Nach einer Zwischenstation bei der Philharmonie Herford spiele ich seit drei Jahren in der Philharmonie Neubrandenburg.

Was mögen Sie am Cello?

Ich mag die tiefen Töne und den runden warmen Klang. Die Töne des Cellos sind sehr vielseitig. Das Instrument deckt alle Klangfarben ab. Man sagt, das Cello ist der menschlichen Stimme am Ähnlichsten, und man kann wirklich sehr schön auf dem Cello singen.

Spielen Sie die Musik bestimmter Komponisten besonders gern?

Das Cellokonzert von Dvorak ist natürlich toll. Ich liebe aber auch die Musik von Schostakowitsch und Richard Strauss, ebenso wie die Opern von Puccini. Was viele oft vergessen: Wir spielen auch die Musik für die Opern und Operetten in Neustrelitz, live. Dann sitzen wir allerdings verborgen im Orchestergraben.

Zum Konzert

Mathias Beyer und die Philharmonie Neubrandenburg sind beim 9. Philharmonischen Konzert unter Leitung von Fred Buttkewitz zu erleben. Programm: Richard Wagner: Vorspiel zur Oper „Meistersinger von Nürnberg“; Robert Schumann: Konzertstück für 4 Hörner und großes Orchester; Felix Mendelssohn Bartholdy: Sinfonie Nr. 1.

Die EvangCellisten

Zusammen mit drei Freunden vom Studium in Weimar Beyer das Cello-Quartett „Die EvangCellisten” gegründet, das im Sommer durch Deutschland tourt. evangcellisten.de

Das Instrument des Jahres

Das Cello ist im Jahr 2018 auch das „Instrument des Jahres”. „Der warme, sonore Klang des Violoncellos ist unverwechselbar und aus dem Orchester nur schwerlich wegdenkbar”, heißt es zur Begründung. Das Cello spiele aber auch in der Pop- und Rockmusik immer wieder eine tragende Rolle.

Wie entstehen die Töne?

Das Cello ist ähnlich wie die Geige und die Bratsche aufgebaut – nur größer. Zudem steht das Cello. Die Töne werden über die vier Saiten durch das Streichen mit dem Bogen beziehungsweise das Zupfen erzeugt. Die Schwingungen der Saiten werden auf den Korpus aus Holz übertragen, der wiederum die Luft im Korpus zum Schwingen bringt.