STADT.LAND.KLASSIK-TOUR IM FEBRUAR

Es lebe Multi-Kulti in der Klassik!

Junge Musiker aus 14 Nationen spielen in der Neuen Philharmonie MV miteinander. Auch wenn das ziemlich viel verbales Wirrwarr mit sich bringt, finden die Orchestermitglieder doch immer wieder eine Sprache.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Alba San Quirico (Mitte) kommt aus Spanien. Ihre Nachbarin ist Jessica Ling aus den USA.
Alba San Quirico (Mitte) kommt aus Spanien. Ihre Nachbarin ist Jessica Ling aus den USA. Neue Philharmonie
Probenatmosphäre: Alba San Quirico (Zweite von links) gibt als Konzertmeisterin den Ton vor.
Probenatmosphäre: Alba San Quirico (Zweite von links) gibt als Konzertmeisterin den Ton vor. Frank Wilhelm
Dirigent Andreas Schulz leitet ein Orchester mit Musikern aus 14 Nationen.
Dirigent Andreas Schulz leitet ein Orchester mit Musikern aus 14 Nationen. Anne-Marie Maaß
Neubrandenburg.

Bei so vielen Ländern kann man natürlich schon einmal durcheinander kommen: „Brasilien, Venezuela”, zählt Andreas Schulz auf und kommt von Südamerika nach Europa: „Spanien, Polen, Russland, Italien, Deutschland natürlich”, führt der Dirigent der Neuen Philharmonie MV fort, als er nach den Namen der Nationen gefragt wird, aus denen seine jungen Musiker kommen. Er wechselt erneut den Kontinent. Jetzt ist Asien dran: Taiwan, Südkorea und Japan. Schließlich darf die Türkei nicht vergessen werden, aus denen mehrere Musiker kommen, ebenso wie aus den USA. Das wären insgesamt zwölf Länder, die in einem Orchester von rund 40 Musikern vertreten sind.

Im Gegensatz zur politischen Weltbühne, wo die Präsidenten des einen oder anderen der genannten Länder nicht miteinander können, geht es in dem Orchester deutlich harmonischer zu, wie sich die Besucher auch auf der dritten Stadt.Land.Klassik!-Tour durch den Nordosten überzeugen können. In Pasewalk und Ueckermünde, Demmin und Waren müssen Russen und Amerikaner den Gleichklang finden, genauso wie sich auch die Deutschen und die Türken wieder in Harmonie üben. Im Orchester klappt es mit Multi-Kulti. Gelebte Integration, nicht zuletzt dank der verbindenden klassischen Musik, die dieses Mal aus der Feder deutscher Komponisten (Beethoven, von Weber) und eines Franzosen (Saint-Saëns) stammt.

Junge Konzertmeisterin kommt aus Spanien

„Wir finden in der Musik unsere gemeinsame Sprache.” Dieser Satz könnte von einem Politiker stammen. Er ist aber von Alba San Quirico ausgesprochen worden. Sie ist 28 Jahre alt, stammt aus der Kleinstadt Soria im Nordosten Spaniens und hat seit einem halben Jahr die Funktion der Konzertmeisterin der Neuen Philharmonie inne. Sie müsse ihren Chef Andreas Schulz leider korrigieren. Musiker aus 14 Nationen spielen in dem Orchester. Chile und Kolumbien seien noch zu ergänzen, womit fast die gesamte Streicher-Fraktion aus Ländern stammt, in denen Spanisch gesprochen wird.

Die meisten jungen Mitglieder des Orchesters würden aber nicht in Kategorien wie Nationen denken. „Nationalitäten spielen bei uns keine Rolle. Europa sehen wir als Ganzes”, sagt Alba. Zu dieser Lebenseinstellung passt es, dass ihre Vorgängerin als Konzertmeisterin, die Geigerin Luiza Labouriau, vor kurzem eine Stelle in einem schottischen Orchester angetreten hat. Die junge Frau ist Dänin mit brasilianischen Wurzeln.

Klassik-Land Deutschland lockt junge Musiker an

Alba San Quirico spielt seit dem dritten Lebensjahr Geige. Nach zehn Jahren Musikschule studierte sie an der Musikhochschule in Saragossa. Bei einer Konzertreise lernte die junge Spanierin Berlin kennen und verliebte sich in die deutsche Hauptstadt, wo sie seit 2012 lebt. Über eine gute Bekannte fand sie vor zwei Jahren zur Neuen Philharmonie MV. Ihr Geld verdient sie seit einigen Jahren mit einer eigenen, kleinen Geigenschule in Berlin. Wie viele andere junge Musiker wurde Alba natürlich auch nach Deutschland gelockt, weil die Orchesterdichte hier nach wie vor die mit Abstand größte weltweit ist.

Der Anteil ausländischer Musikstudenten an den Hochschulen wachse nach wie vor, sagt Dirigent Schulz, der aus Russland stammt. Das liege auch daran, dass es das deutsche Schulsystem angehenden Musikprofis eher schwer macht. „Sie müssen drei bis fünf Stunden am Tag üben, dafür bleibt oft keine Zeit.” In Russland dagegen gebe es deutlich mehr auf Musik ausgerichtete Fachschulen.

Die Neue Philharmonie MV spielt diesmal unter anderem  C. M. v. Weber „Oberon-Ouvertüre“, C. Saint-Saëns „Cellokonzert Nr. 1 in a-Moll“, L. v. Beethoven „Sinfonie Nr. 5“, F. Schubert: Der Tod und das Mädchen (Streichquartett) und Ausschnitte aus Carmen von G. Bizet.

Pasewalk, 17.02., 16 Uhr, Historisches U
Ueckermünde, 18.02., 19 Uhr Volksbühne
Demmin, 19.02., 19 Uhr, St. Bartholomaei Kirche
Malchow, 20.02., 19 Uhr, Werleburg Anklam, 21.02., 19 Uhr, Vorpommersche Landesbühne Gast: Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz
Waren (Müritz), 22.02., 19 Uhr, Bürgersaal

Tickets gibt es in den Stadtinformationen Pasewalk, Anklam, Ueckermünde, Demmin, Waren, Malchow, sowie im Theater-Service Neustrelitz, in den Servicepunkten des Nordkurier in Neubrandenburg, Friedrich- Engels-Ring 29 und Turmstraße 13 und unter der kostenfreien  Telefonnummer: 0800-4575033

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