REVOLUTION

Evangelische Nordkirche führt Homo-Trauung ein

Homosexuell und kirchlich heiraten? Das war bisher im Nordosten ein Widerspruch, ist nun aber möglich. Die evangelische Nordkirche fasste am Freitag einen entsprechenden Beschluss.
Benjamin Lassiwe Benjamin Lassiwe
Sven Kretschmer (links) und Tim Schmidt-Kretschmer waren das erste gleichgeschlechtliche Paar, dass in der Evangelischen Kirch
Sven Kretschmer (links) und Tim Schmidt-Kretschmer waren das erste gleichgeschlechtliche Paar, dass in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz getraut wurde. Nun hat sich auch die evangelische Nordkirche für dieses Thema geöffnet. Wolfram Kastl
Lübeck.

In der evangelischen Nordkirche ist künftig die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare möglich. Am Freitag beschloss die in Lübeck-Travemünde versammelte Landessynode mit großer Mehrheit, statt den bereits 2016 beschlossenen öffentlichen Segnungen Trauungen durchzuführen. Schon vor drei Jahren hatte die Landeskirche betont, dass die Segnung gleichwertig mit einer Trauung eines heterosexuellen Paares sein sollte.

„Der Begriff Segnung wurde immer häufiger als minderwertiger empfunden als eine Trauung“, sagte der Synodale Sieghard Wilm, der den Antrag in die Landessynode eingebracht hat. „Warum soll nun gleiches nicht gleich benannt werden?“. Im Moment würden Menschen glauben, es gäbe einen „großen und einen kleineren Segen“. „Im allgemeinen Sprachgebrauch wird schon lange von Segen gesprochen.“ Mit der Verwendung des Wortes Trauung solle „Gleichberechtigung und die Aufhebung der Diskriminierung“ geschaffen werden.

Regelfall statt Ausnahme

Lebhaft diskutiert wurde über einen Passus des Antrags, der vorsah, dass Pastoren eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare aus Gewissensgründen ablehnen können. Er war 2016 noch in den Beschluss eingefügt worden. Dabei verglich der frühere Präses der Nordkirchensynode, Andreas Tietze, die Beschlussfassung der Synode mit der des Schleswig-Holsteinischen Landtags. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Landesbeamter einen Beschluss des Landtags aus Gewissensgründen ablehnt.

Die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare soll künftig der Regelfall und nicht die Ausnahme sein, sagte der Vorsitzende der theologischen Kammer der Nordkirche, Propst Daniel Havemann. Verschiedene Synodale argumentierten, dass ein Pastor, der in Einzelfällen Bedenken gegen Amtshandlungen habe, sowieso Rücksprache mit dem zuständigen Propst halten müsse.

Andere Kirchen lehnen diesen Schritt ab

Kritik an dem Gesamtbeschluss gab es in der Synode nicht. Allerdings verwiesen verschiedene Synodale darauf, dass es in der Nordkirche auch konservative Stimmen gebe, die diesen Beschluss möglicherweise nicht mittragen können. Doch genau diese Stimmen sind spätestens seit dem Ausscheiden des Greifswalder Bischofs Hans-Jürgen Abromeit in der Synode der Nordkirche nicht mehr vertreten.

Insgesamt folgt die Nordkirche mit ihrem Beschluss ohnehin einem bundesweiten Trend: Zahlreiche andere evangelische Landeskirchen, darunter auch die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, haben die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare bereits eingeführt. Nur wenige konservative Landeskirchen, etwa Württemberg und Sachsen, lehnen das ab. In der Ökumene sind die Protestanten damit allerdings relativ alleine unterwegs: Sowohl die katholische Kirche als auch die orthodoxe Kirchenfamilie lehnen Segnungen und Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare ab.

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Lübeck

zur Homepage